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Feuerwehr hat ein Jahr wie kein anderes hinter sich

Nicht nur, dass man den Drive-In-Schalter quais neu erfunden hat: Auch abseits davon sah sich die Cloppenburger Feuerwehr 2020 vor Herausforderungen gestellt.

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Erster Einsatz des Jahres 2020: Vermutlich fehlgeleitete Raketen hatten in Staatsforsten ein Trampolin in Brand gesetzt. Die Feuerwehr musste durch den dichten Neben der Neujahrsnacht anfahren.   Fotos: © Feuerwehr Cloppenburg

Erster Einsatz des Jahres 2020: Vermutlich fehlgeleitete Raketen hatten in Staatsforsten ein Trampolin in Brand gesetzt. Die Feuerwehr musste durch den dichten Neben der Neujahrsnacht anfahren.  Fotos: © Feuerwehr Cloppenburg

Eines der ungewöhnlichsten Jahre ihrer Geschichte liegt hinter der Freiwilligen Feuerwehr Cloppenburg. Das betonen die Verantwortlichen in ihrem Jahresbericht 2020, den sie nun vorgelegt haben. Man müsse vermutlich bis in die Kriegs- und Nachkriegszeit zurückblicken, um auf Umstände zu stoßen, "die uns als Feuerwehr so sehr eingeschränkt haben wie 2020 mit seiner Covid-Pandemie".

Dabei verlief der Jahresbeginn noch wie gewohnt. Bei der Generalversammlung am 2. März ahnte noch niemand, dass derartige Zusammenkünfte schon in Kürze der Geschichte angehören würden.

Gruppenfahrzeuge werden nicht mehr voll besetzt

Am 12. März dann der Lockdown. Stadtbrandmeister Horst Lade setzte den Ausbildungs- und Übungsdienst mit sofortiger Wirkung aus. Auch wenn es zwischenzeitlich Ausbildung in Kleingruppen gab, hat sich an diesem Status bis in den Februar 2021 nichts geändert. Von Infektionen sind die Einsatzkräfte weitestgehend verschont geblieben. Das Hygienekonzept mit OP-Masken auf den Fahrzeugen und im Einsatz scheint nach eigener Einschätzung aufzugehen. Gruppenfahrzeuge werden nicht mehr komplett besetzt.

In einer Beziehung wurde es eng: Einsatzkleidung war zwischenzeitlich Mangelware. Rechtzeitig und in ausreichender Menge bestellt war sie. Im Frühjahr sollte sie kommen. Aber, es fehlten die Reflexstreifen. Der Hersteller konnte nicht liefern, so dass die Kleidung unfertig beim Produzenten am Niederrhein liegenblieb. So mussten die Cloppenburger Kleiderwarte mit dem schmalen Bestand an Hosen und Jacken jonglieren, um die Einsatzbereitschaft sicherzustellen. Besonders zu leiden hatten unter der Situation neue Kameraden aus der Jugendwehr und von außerhalb. Kurz vor Weihnachten, also mit gut 9 Monaten Verspätung, konnten sie dann doch eingekleidet werden.

Herausfordernd: Am 30. November rückte die Wehr nach Emstek aus, wo ein Traktor umgekippt und die Fahrerin eingeklemmt war.Herausfordernd: Am 30. November rückte die Wehr nach Emstek aus, wo ein Traktor umgekippt und die Fahrerin eingeklemmt war.

Zum Stichtag 31. Dezember 2020 wurde, was die Mitgliederzahlen angeht, die Dreistelligkeit knapp verfehlt. 98 Mitglieder in der aktiven Wehr hat Schriftführer Torsten Kern gezählt. Die Senioren kommen auf ein Dutzend, die Jugendfeuerwehr setzte sich aus 18 Jungen und einem Mädchen zusammen.

Neue Fahrzeuge gab es auch. Das Großtanklöschfahrzeug (GTLF) wurde ersetzt. Mit 27.000 Litern Wasser kann es 3.000 Liter mehr als der Vorgänger laden. Ein LF 10 (Löschgruppenfahrzeug) steht jetzt an der Stelle eines SLF (Sonderlöschfahrzeug) in der Halle. Das kompakte Gefährt habe sich dank seiner praktischen Art auf Platz eins der Ausrücke­ordnung vorgeschoben. Diesen Status kann die neue Pritsche mit Doppelkabine wohl nicht erarbeiten. Ihm kommen aber gleich 2 Verwendungen zu: zum einen als "Mädchen für alles", zum anderen als Zugfahrzeug für den Generatoranhänger.

In der Neujahrsnacht steht der erste Einsatz an

Was die Einsätze angeht, war 2020 ein vergleichsweise ruhiges Jahr. Der erste Einsatz führte die Cloppenburger Wehr durch den dichten Nebel und die Neujahrsnacht nach Staatsforsten. Vermutlich waren es fehlgeleitete Raketen, die ein Trampolin und eine Hecke in Brand gesetzt haben.

Im August brannte es wieder in Staatsforsten: ein Dachstuhl. Im Dezember dann in Emstekerfeld – Feuer und Wasser richteten großen Schaden an.

Eine Herausforderung technischer Art war der Treckerunfall am 30. November. Auf Emsteker Gebiet war ein Traktor während der Fahrt umgekippt. Die Cloppenburger waren zur Unterstützung alarmiert. Die Fahrerin lag unter dem Gefährt – beide Beine eingeklemmt. Die Frau konnte relativ schnell befreit werden.

Eilige Schulung für Atemschutzgeräteträger

Die Generalversammlung – das letzte "Event" vor Corona. Reinhard Riedel, pensionierter Leiter des Cloppenburger Ordnungsamts, wurde zum Ehrenmitglied ernannt.

Im Juli drohte dem Großteil der Atemschutzgeräteträger der Lizenzentzug. Der jährliche Nachweis in der Feuerwehrtechnischen Zentrale konnte wegen Corona nicht stattfinden. Schnell mussten daher eine eigene Belastungsübung ausgearbeitet und nahezu alle Träger geprüft werden. Damit war die Einsatzbereitschaft gesichert.

Aus der Not eine Tugend gemacht: Neujahrskuchen auf Distanz ­verteilte die Feuerwehr an ihrem Drive-In-Schalter.Aus der Not eine Tugend gemacht: Neujahrskuchen auf Distanz ­verteilte die Feuerwehr an ihrem "Drive-In-Schalter".

Blicke man auf die aktive Wehr, seien die Cloppenburger nach eigenen Angaben bislang "ganz glimpflich durch die Corona-Zeit gekommen". Ein Mitglied hat es allerdings im Dezember doch erwischt. Bevor die Infektion entdeckt wurde, nahm er noch an einem Einsatz teil. Die Ansteckung von Kameraden war also nicht ausgeschlossen. Umgehend wurden Tests für alle Beteiligten auf die Beine gestellt. In der Fahrzeughalle wurde in eine Drive-in-Teststation eingerichtet. Ärztin Almut Opolka nahm dort Abstriche  vor. Das Ergebnis: Alle waren negativ.

Dass das Prinzip Drive-In aber noch vielseitiger einsetzbar ist, sollte sich kurz darauf zeigen. Die Tradition, dass zu Silvester Neujahrskuchen gebacken werden, konnte die Feuerwehr trotz ­Corona fortführen. Übergeben wurden die Kuchen auf Distanz mittels eines Schneeschiebers im Drive-in.

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