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Feuerwehr Bakum von Spendenbereitschaft überwältigt

Es sollte eine einmalige Aktion sein, dann verselbstständigte sich das Engagement der Feuerwehr Bakum für die Flutopfer im Ahrtal zu einem mehrmonatigen Projekt. Ein erfolgreiches, wie sich zeigte.

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Übergabe auf dem Parkplatz: Für die Übergabe der letzten Hilfsgüter trafen sich Kameraden der Feuerwehren aus Bakum und Treis im November in Höhe Hagen auf einem Autobahnparkplatz. Foto: Feuerwehr Bakum

Übergabe auf dem Parkplatz: Für die Übergabe der letzten Hilfsgüter trafen sich Kameraden der Feuerwehren aus Bakum und Treis im November in Höhe Hagen auf einem Autobahnparkplatz. Foto: Feuerwehr Bakum

"Was machen wir eigentlich, wenn wir 20.000 Euro zusammenbekommen?", verrät Thorsten Rasche, erster Vorsitzender des Fördervereins der Freiwilligen Feuerwehr Bakum die Frage, die im Raum stand, als die Kameradinnen und Kameraden im Juli ihre Spendenaktion für die Flutopfer im Ahrtal starteten. Die einhellige Meinung war: "Ach, im Leben nicht." Die Feuerwehrleute hatten sich zu diesem Zeitpunkt jedoch mächtig getäuscht. Rund 81.000 Euro kamen insgesamt als Geldspenden zusammen, sagt Ortsbrandmeister Christian Wienken. Mit den vielen Sachspenden seien es sicherlich mehr als 100.000 Euro gewesen, ergänzt Rasche. Über mehrere Monate beschäftigte die Aktion die Bakumer Feuerwehr. Mittlerweile ist das Spendenkonto dicht, so Rasche. Das Geld ist komplett aufgebraucht, die Aktion somit beendet.

Eine aufregende Zeit liegt hinter den Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Bakum. Eigentlich hätte die Spendenaktion eine einmalige Sache werden sollen, berichtet Wienken. Doch letztlich haben die Feuerwehrleute mehrere Fahrten ins Ahrtal unternommen. Mit dieser positiven Resonanz und Spendenbereitschaft aus der Bevölkerung habe man nie gerechnet, sagt der Ortsbrandmeister. Die Feuerwehr sei "total überrannt" worden. Über dieses Vertrauen freuen sich die Kameraden sehr, sagt Wienken: "Das hat uns schon stolz gemacht."

Hiesige Unternehmen unterstützten Spendenaktion

Angefangen hatte alles mit einem Kontakt eines Bakumer Feuerwehrmanns, der Verwandtschaft in Treis-Karden (Landkreis Cochem-Zell in Rheinland-Pfalz) hat. Nach der Flutkatastrophe war die Bereitschaft der Bakumer Feuerwehr sofort gegeben, zu helfen. Schnell vernetzten sich die Kameradinnen und Kameraden mit ihren Kolleginnen und Kollegen der Freiwilligen Feuerwehr Treis. Diese ließen wissen, was vor Ort am dringendsten benötigt wird. Die Bakumer handelten entsprechend.

Aufstellen für ein Gruppenfoto: Bakumer Feuerwehrleute packten im Ahrtal mit an. Foto: Feuerwehr BakumAufstellen für ein Gruppenfoto: Bakumer Feuerwehrleute packten im Ahrtal mit an. Foto: Feuerwehr Bakum

So startete der erste Transport am 24. Juli Richtung Ahrtal. Im Gepäck hatten die Bakumer Feuerwehrleute vor allem Materialien, die bei den Aufräumarbeiten helfen sollten, überdies auch Getränke. Innerhalb einer Woche gingen auf dem kurzfristig eingerichteten Spendenkonto schon 35.000 Euro ein. Das Geld wurde dafür verwendet, zusätzlich benötigte Hilfsgüter zu besorgen. Es sei stets "bedarfsorientiert" und vor Ort in Bakum und Umgebung eingekauft worden, sagt Thorsten Rasche. Die Unternehmen hätten die Aktion sehr unterstützt. Beispielsweise verkauften sie vieles lediglich zum Einkaufspreis, schildert Rasche. Bei den Firmen habe man "offene Türen" vorgefunden, sagt Clemens Evers, Kassenwart der Freiwilligen Feuerwehr Bakum sowie des Fördervereins der Feuerwehr. Er kümmerte sich während der Spendenaktion um die Finanzen.

Der persönliche Kontakt zu der Treiser Wehr wurde intensiviert. Jeden Mittwoch habe man sich zu einer Online-Konferenz zusammengefunden, um das weitere Vorgehen zu besprechen, erzählt Wienken und spricht vom "kurzen Dienstweg". Die Kameradinnen und Kameraden von der Mosel meldeten zurück, was aktuell zur Unterstützung der Flutopfer benötigt werde. Zum Zeitpunkt des zweiten Transports am 14. August kamen über das Spendenkonto bereits 70.000 Euro zusammen.

Gemeinschaft motivierte zum Weitermachen

Neben Bautrocknern und Notstromaggregaten transportierte die Bakumer Feuerwehr auch Schulsachen ins Ahrtal. An der Bakumer Katharinenschule wurde eine große Sammelaktion initiiert, die viel Beachtung fand, berichten die Feuerwehrleute. Zahlreiche Rucksäcke sowie Utensilien für den Schulbedarf kamen zusammen.

Eine Woche später reisten neun Bakumer ins Ahrtal, um direkt vor Ort zu erfragen, was noch gebraucht wird, berichtet Evers. Dafür sei man in Zweier-Teams – ein Treiser, ein Bakumer – von Haus zu Haus gegangen. Dabei sei eine gewisse Demut und auch Zurückhaltung festgestellt worden, sagt Wienken. Die Hemmschwelle sei hoch gewesen, etwas anzunehmen. Immer wieder sei auf andere verwiesen worden, denen noch geholfen werden müsse, erzählt der Bakumer Ortsbrandmeister. Eine Woche später, am 28. August, kamen die Feuerwehrleute mit den gewünschten Hilfsgütern zurück.

Die Erlebnisse vor Ort haben die Kameraden durchaus mitgenommen, berichtet Clemens Evers. Im Tal habe man den Eindruck gehabt, es hätte "eine Bombe eingeschlagen", während drumherum die Idylle mit den Weinbergen intakt war. Der Bakumer erinnert sich an die "große Gemeinschaft" im Ahrtal, die immer wieder motiviert hat, weiterzumachen. So sei man immer wieder gefragt worden, ob man noch etwas zu essen oder zu trinken möchte. Thorsten Rasche erinnert sich an eine Frau, die vor den Trümmern ihres Hauses stand, und für die Helferinnen und Helfer grillte. Dramatische Geschichten seien an die Bakumer Feuerwehrleute herangetragen worden, erinnert sich Clemens Evers. "Das ging manchmal an die Nieren", sagt er.

Gute Laune: Effizient verladen die Feuerwehrleute die Waschmaschinen und Trockner. Zwischen den Wehren aus Bakum und Treis ist mittlerweile eine Partnerschaft erwachsen. Foto: Feuerwehr BakumGute Laune: Effizient verladen die Feuerwehrleute die Waschmaschinen und Trockner. Zwischen den Wehren aus Bakum und Treis ist mittlerweile eine Partnerschaft erwachsen. Foto: Feuerwehr Bakum

Nach mehrwöchiger Ruhe reiste die Bakumer Wehr gemeinsam mit den Kameraden von der Freiwilligen Feuerwehr Goldenstedt im Oktober erneut ins Ahrtal, um mehrere Waschmaschinen, Trockner und Durchlauferhitzer abzuliefern, berichtet Christian Wienken. Die Feuerwehr Treis vermittelte in der Zeit den Kontakt zur "Ahrche" – ein Verein, der sich anlässlich der Flutkatastrophenhilfe im Juli gründete.

Die letzte Aktion war nun kürzlich Ende November. Das restliche Spendengeld wurde erneut in Waschmaschinen und Trockner investiert – die Treiser hatten bei der Ahrche angefragt, was noch benötigt wird, sagt Wienken. Dafür reisten die Bakumer nicht mehr selbst ins Ahrtal, sondern trafen sich auf etwa halber Strecke – in Hagen (Nordrhein-Westfalen) – mit Kameraden der Feuerwehr Treis. Auf einem Autobahnrastplatz wurden die Hilfsgüter umgeladen.

Partnerschaft zwischen Bakum und Treis

Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Bakum sind für die Hilfsbereitschaft und die vielen Spenden überaus dankbar. "Jeder Cent zählte", sagt Clemens Evers. Da allerdings die Erwartungshaltung durchaus hoch gewesen sei, habe die Feuerwehr sich die ganze Zeit über um Transparenz bemüht, sagt Ortsbrandmeister Wienken. Jede Fahrt wurde beispielsweise bei Social Media geteilt. Das wurde mit weiteren Spenden honoriert.

Jetzt widme sich die Bakumer Feuerwehr wieder mehr dem "Kerngeschäft", sagt Thorsten Rasche. In den vergangenen Monaten sei aufgrund der Spendenaktion einiges liegengeblieben. Die Feuerwehr-Arbeit sei aber auf viele Schultern verteilt worden und das habe intern "toll geklappt". Es habe die Kameradinnen und Kameraden noch mehr zusammengeschweißt, sagt Clemens Evers.

Ein weiterer schöner Nebeneffekt ist die erwachsene Partnerschaft mit der Feuerwehr Treis. Den Kontakt wollen die Bakumer aufrechterhalten, sagt Christian Wienken. Im kommenden Jahr feiern die Treiser das 100-jährige Bestehen der Feuerwehr. Eine Abordnung aus Bakum möchte, sofern es das pandemische Geschehen zulässt, anreisen. Bis dahin haben die Feuerwehrleute sich sicherlich an die Trinkgewohnheiten an der Mosel gewöhnt – schließlich gab es die vergangenen Monate den einen oder anderen Wein geschenkt. Immerhin: Mittlerweile gibt es sogar Weingläser im Bakumer Feuerwehrhaus, verraten die Feuerwehrleute und lachen.

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