Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Fast unglaubliche Führerscheingeschichten

Kolumne: Recht hat, wer Recht bekommt – An sich sind Verhandlungen wegen einer Autofahrt ohne Fahrerlaubnis Routine. Hier geht es nun um 2 Beispiele, die von der Norm abweichen.

Artikel teilen:

Fahren ohne Fahrerlaubnis ist strafbar. Das weiß jeder. Die Gerichtsverhandlungen sind „Kleinigkeiten“. Für die Bestrafungen gibt es sogenannte "Normalfälle" mit "normalen Urteilen", wenn sie das erste Mal geahndet werden und auch die Sperrfristen zur Wiedererlangung der Fahrerlaubnisse sind genormt. Die 2 Fälle, von denen ich jetzt berichte, sind nicht normal. 

Fall 1: Ein 23-jähriger Metallbauer, gebürtig aus Litauen, der überwiegend auf dem Campingplatz Kokenmühle in Visbek wohnt, hatte reichlich Erfahrung damit, wie es ist, keinen Führerschein zu haben. Am Erwerb hatte er sich mehrfach versucht, einmal bei einer Fahrschule in Visbek, dann mit einem gefälschten Schein aus Litauen. Erfolglos. Dann erzählte ihm ein Kumpel, Polen sei die Lösung. Das gehe da ganz gut, koste 1.500 Euro. Ratzfatz habe er den Schein bekommen. Gehört. Gebucht. 

Doch bei einer Verkehrskontrolle in Vechta stellten die Polizeibeamten auf den ersten Blick fest, dass der junge Mann eine Totalfälschung zeigte. Die Sache nahm ihren Lauf. Vor Gericht hatte der Verteidiger einiges an „Dokumenten“ und versuchte die Straftat kleinzuhalten. Er legte eine Bestätigung der Stadt Warschau vor, dass der Angeklagte dort vom 5. bis 14. August 2020 gewohnt habe. Der Führerschein hatte das Datum vom 8. Oktober 2020.

Die Ehefrau chauffierte den Führerscheinlosen – meistens zumindest

Der Angeklagte bestätigte, dass er ein paar Tage in Polen gewohnt habe. Da der 23-Jährige einiges an Vorstrafen, auch in Sachen Fahrerlaubnis hatte, beantragte der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe von 3 Monaten auf Bewährung, eine Geldauflage von 1.000 Euro wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Urkundenfälschung sowie eine Sperrfrist von einem Jahr bis zur Erlangung einer Fahrerlaubnis. Dem folgte das Gericht und machte dem Angeklagten den Vorschlag, in der Zeit der Sperrfrist „ganz normal“ eine Fahrerlaubnis zu erwerben. Wahrscheinlich sei eine medizinisch-psychologische Untersuchung erforderlich, die zwar teuer, aber nötig sei.

Fall 2: Das war für einen 40-jährigen Arbeiter aus Rumänien schon fast bitter. 2 Mal saß er bereits vor dem Richtertisch. Der Mann wohnt mit seiner Frau und den 2 Kindern in Bakum, arbeitet aber in Steinfeld. Einen Führerschein hat er nicht. Seine Frau fährt ihn nach Steinfeld und holt ihn auch wieder ab. Meistens. Auf der Franz-Vorwerk-Straße in Vechta fuhr er aber selbst und wurde prompt kontrolliert.

Auf die Frage, warum er von Bakum nach Steinfeld über Vechta fahre, antwortete er mit dem Hinweis, er habe noch einen anderen Job. Er habe schon versucht, die medizinisch-psychologische Untersuchung zu machen, es aber nicht geschafft; er sei einfach zur Prüfung gegangen, ohne Vorbereitung. Das Gericht zeigte sich milde, damit der Mann „endlich“ eine Fahrerlaubnis bekommt. Das Urteil: Eine Freiheitsstrafe von 2 Monaten auf Bewährung und das Gericht verzichtete auf die Festsetzung einer Sperrfrist, damit der Angeklagte möglichst schnell eine Fahrerlaubnis bekommt und die Frau mit den Kindern nicht mehr täglich zwischen Bakum und Steinfeld hin- und herfahren muss.


Zur Person:

  • Klaus Esslinger ist Gerichtsreporter und war viele Jahre Lokalchef der Oldenburgischen Volkszeitung.
  • Kontakt zum Autor über: redaktion@om-medien.de.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Fast unglaubliche Führerscheingeschichten - OM online