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"Familien optimal unterstützen": Projekt FAMOS ist bundesweit das erfolgreichste

Schnelle, unbürokratische Hilfe und viel Verständnis – das bekommen Familien und Alleinerziehende, die die Sprechstunden des Projekts FAMOS aufsuchen.

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Erfolgreiche Zwischenbilanz: Bildungswerkleiterin Ilona Heydt (von links), Schirmherrin Silvia Breher sowie die Koordinatorinnen Karin Kölker-Ferneding und Christiane Johannes.  Foto: Hermes

Erfolgreiche Zwischenbilanz: Bildungswerkleiterin Ilona Heydt (von links), Schirmherrin Silvia Breher sowie die Koordinatorinnen Karin Kölker-Ferneding und Christiane Johannes.  Foto: Hermes

Eine positive Halbzeitbilanz hat das Bildungswerk Cloppenburg zum Projekt „Familien optimal stützen“ (FAMOS) gezogen. Die Einrichtung ist seit dem 1. März 2020 Trägerin des Bundesprojektes, Schirmherrin ist die CDU-Bundestagsabgeordnete Silvia Breher. 

Von diesem Projekt sollen alle Menschen profitieren, die zu Berufsperspektiven und Bildungsmöglichkeiten Informationen und Unterstützung möchten oder Hilfe bei individuellen Problemen wünschen. Voraussetzung ist, dass sie Sozialleistungen erhalten. Im Rahmen einer kostenfreien Beratung werden Lösungen gefunden, um die Lebenssituation und die gesellschaftliche Teilhabe der Familien zu verbessern.

Vorgegebenes Ziel wurde bereits übertroffen

„Wir können schon jetzt einen erfolgreichen Zwischenbericht geben“, erklärt Bildungswerk-Leiterin Ilona Heydt. Zu Beginn habe man mit den Einschränkungen der Corona-Pandemie zu kämpfen gehabt, die Beratungen fanden online statt. Verantwortlich als Koordinatorinnen sind Christiane Johannes und Karin Klöker-Ferneding, zusätzlich kümmern sich zwei Coaches, Werner Katzer und Martina Bollen, um die Beratungen. 

Heydt freut sich mit dem Team über die positiven Ergebnisse: "Wir haben die geplanten Zahlen bereits erreicht." Bis Projektende seien 120 Teilnehmer vorgegeben worden, das habe man bereits übertroffen. Mit diesem Ergebnis stehe man bundesweit an der Spitze. Von den 120 seien 82 Personen mit Migrationshintergrund, 38 ohne. Insgesamt wurden 66 Menschen bereits vermittelt, sei es zum Beispiel in ein Arbeitsverhältnis, eine Ausbildung oder auch einen Sprachkurs.

Ein großer Teil der Klienten habe demnach einen Migrationshintergrund, doch zurzeit gebe es durchaus einen Wandel. Im Laufe der vergangenen Monate habe auch die Zusammenarbeit mit Schulsozialarbeitern zugenommen. Während diese sich um die Kinder und Jugendlichen kümmern, können die Coaches Kontakt zu den Eltern aufnehmen. 

Hilfsangebote sollen im Landkreis Cloppenburg gebündelt werden

"Im Gesamtkonzept koordinieren wir, dass Infos nicht verloren gehen", sagen Johannes und Klöker-Ferneding. Beide haben die Vision, dass sich die Netzwerkarbeit verstetigt und beibehalten wird. Es gibt eine Aussicht auf Verlängerung der Förderung, allerdings klafft noch eine Finanzierungslücke von drei Monaten zwischen den beiden Zeiträumen. "Das werde ich prüfen. Es ist wichtig, dass die Rädchen weiter ineinadergreifen können", sagte die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende. 

Ein weiteres Ziel von FAMOS ist, die Hilfsangebote im Landkreis Cloppenburg zu bündeln. Hierfür wurden in allen 13 Städten und Gemeinden des Kreises Sprechstunden eingerichtet. Man sei überall positiv in Empfang genommen worden, so zum Beispiel auch in Garrel. Hier hat jüngst eine Informationsveranstaltung stattgefunden, an der Tagesmütter, die Gleichstellungsbeauftragte, Vertreter der Kindergärten und Schulen aus dem Gemeindegebiet, aber auch Vertreter der Carla, der Bürgerstiftung Lüttke Lüe, des Kreuzbunds oder auch der Polizei teilgenommen haben. Sie haben direkt oder indirekt Verbindungen zu den Hilfesuchenden und können auf das Angebot aufmerksam machen. 

Freuen sich über die gute Resonanz: Martina Bollen (sitzend), Christel Hannöver (von links), Thomas Höffmann und Meike Santjer. Foto: HoffFreuen sich über die gute Resonanz: Martina Bollen (sitzend), Christel Hannöver (von links), Thomas Höffmann und Meike Santjer. Foto: Hoff

Coach Martina Bollen betonte im Ratssaal Garrel die gute Zusammenarbeit mit der Verwaltung und mit Bürgermeister Thomas Höffmann, "hier passt alles", sagte sie. Unter anderem stelle die Gemeinde ihr Räumlichkeiten mit Sprechzeiten zur Verfügung (mittwochs von 14.30 bis 16.30 Uhr). Zudem werde sie tatkräftig von Christel Hannöver und Meike Santjer vom Sozialamt unterstützt.

Noch erfreulicher sei, dass Garrel die Kommune im Landkreis sei, in der das Angebot von FAMOS am besten angenommen werde. 39 Familien oder Alleinerziehende hat Bollen hier bereits beraten. "Das ist positiv zu bewerten. Der Bedarf ist da und wir werden als Hilfesteller gesehen", sagte Bollen. Oftmals fange es schon im Kleinen an, "wenn Menschen mit einem Antrag beispielsweise vom Jobcenter überfordert sind". Sie begleite aber auch Fälle, bei denen es um Schulden- oder Suchtprobleme ginge. Einer Familie mit drei Kindern aus einem der Kirchdörfer sollte das Auto abgenommen werden, "sie hätten nicht mehr zum Einkaufen oder zum Arzt fahren können". Nicht selten seien es Alleinerziehende, die sie aufsuchten. Auch schwerwiegende Probleme wie etwa häusliche Gewalt oder Kindeswohlgefährdung spielten eine Rolle. "Nicht oft, aber es kommt vor." 

"Es gibt 38 bundesweite 'Aktif'-Projekte, wir sind das erfolgreichste."Martina Bollen

Manchmal müsse sie Familien auch einfach dafür sensibilisieren, dass "es sinnvoller ist, dass die Frau arbeitet und die Familie ernährt, weil sie einfach die besseren Qualifikationen mitbringt. Da muss dann ein Umdenken stattfinden", sagt Bollen. Sie selber befinde sich in einem stetigen Lernprozess, "es gibt immer wieder neue Probleme, die es zu lösen gilt". Erfolgreich sei sie, wenn sie es schaffe, "dass die Familien wieder selbstständig klarkommen". 

FAMOS sei eine Erfolgsgeschichte, "es gibt 38 bundesweite 'Aktif'-Projekte (Aktiv für Familien und ihre Kinder), wir sind das erfolgreichste", hob Bollen hervor. Bis Dezember 2022 läuft die Förderung des Projekts noch, "wir hoffen auf eine Verlängerung bis 2027". 

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