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Falsche Toleranz: Muss die Gendersprache verboten werden?

Gästebuch: Im Cloppenburger Lions Club wurde ein Antrag auf das Verbot von gendergerechter Sprache gestellt. Dabei bezeichnet sich die Vereinigung selber als tolerant.

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Jürgen von der Lippe, der Spaßmacher im Hawaiihemd, macht sich lustig. Das ist sein Job und nicht verwerflich. Ziel des Spotts ist die Gendersprache. Gendersprache? Das ist die, bei der die Menschen Lehrende statt Lehrerinnen und Lehrer sagen, Friseur:innen statt Friseurinnen und Friseure oder Besuchende statt Besucherinnen und Besucher. Jürgen von der Lippe sagt statt Bäckerin und Bäcker Backende und stellt sich vor, wie der Backende auf dem stillen Örtchen sitzt und sein Geschäft verrichtet.

Kann man lustig finden. Muss man aber nicht. Gar nicht lustig, sondern mit vollem Ernst setzt sich ein Cloppenburger Zeitgenosse mit der Gendersprache auseinander. Er hat seinem Club, bestehend aus lauter Freunden, eine harte Nuss zum Knacken gegeben, woran zurzeit intensiv geknabbert wird. Das Motto seines Clubs lautet: „We serve". Das heißt: Wir dienen. Der eine oder andere im Club ist aber bedient. Denn der Freund verlangt, dass das Gendern im Club ab sofort verboten wird. Der Cloppenburger Löwe ist zu einem großen Sprung gestartet, könnte aber als Bettvorleger landen.

Lions Club setzt sich für Toleranz ein

Die Löwen sind die Lions. Ihr Club in Cloppenburg existiert seit mehr als 60 Jahren. Lions Club International ist eine „ weltweite Vereinigung freier Menschen, die in freundschaftlicher Verbundenheit bereit sind, sich den gesellschaftlichen Problemen unserer Zeit zu stellen und uneigennützig an ihrer Lösung mitzuwirken", heißt es auf ihrer Website. Man setze sich weltweit für „Völkerverständigung, Toleranz, Humanität und Bildung" ein, so weiter im Text. Gut gebrüllt, Löwe! Toleranz hört sich gut an.

Die Lions sind ja nicht irgendwer. Da kommt schon geballte Kompetenz zusammen. Viele schlaue Leute auf einem Haufen, die sich sozial engagieren, Geld und Freizeit opfern, Verantwortung übernehmen. Elitepartner unter sich. Und ohne eine Empfehlung (besser zwei) wird's nix mit der Löwenfreundschaft. Aber auch in einer Elite-Partnerschaft kann sich alle 10 Minuten ein Lions-Freund irren und kommt auf dem stramm konservativen Weg ins Straucheln.

"Solange die Wortschöpfungen nicht Gesetz werden, besteht eigentlich kein Anlass für ein Verbot."Otto Höffmann

Im Cloppenburger Lions Club wimmelt es nur so von Präsidenten, pardon: Ex-Präsidenten. Manche sind sogar doppelte Ex-Präsidenten, also gewissermaßen Ex-ex-Präsidenten. Und zwar einmal im beruflich-gesellschaftlichen Leben und einmal im Club. Denn jeder, der lange genug lebt, wird einmal für 1 Jahr Präsident.

Einer dieser verdienten Freunde hat nun den schriftlichen Antrag gestellt, „in Wort und Schrift jede Form der sogenannten Gendersprache" zu verbieten. Sauberer Schnitt, bitte! Irgendwann muss ja auch mal Schluss sein mit dem neumodischen Zeug.

Ex-ex-Präsidenten werden am Zurückdrehen der Zeit scheitern

Den Freunden raucht der Kopf. Ja okay, den Kampf für die Beibehaltung des geliebten „Fräuleins" hat man leider schon lange verloren. Tempora mutantur. Waren ja schöne Zeiten. Und die Gleichberechtigung schreitet ja auch munter voran. Aber diese Bevormundung ist der Tropfen zu viel.

Wie kommt man denn an der gendergerechten Sprache vorbei. Wer liest oder schreibt, wird früher oder später mit ihr konfrontiert. Mein Gott, Gendern hat das Ziel, möglichst geschlechtsneutral zu formulieren – also, dass sich alle angesprochen fühlen. Muss das denn sein? Die einen sagen so, die anderen so. Es gibt ja eigentlich genug andere wirkliche Probleme. Und an dem Zurückdrehen der Zeit werden auch Ex-ex-Präsidenten scheitern.

Lions Club: "Bei uns ist Toleranz gefragt!“

Und solange die Wortschöpfungen nicht Gesetz werden und uns vorschreiben, wie wir zu sprechen und zu schreiben haben, besteht eigentlich kein Anlass für ein Verbot. Weder bei Lions noch anderswo. Unumstößlich sollte das Wort des Gründungsmitgliedes der Cloppenburger Lions, Dr. Robert Berges, sein. So der Doyen wörtlich auf der Homepage: „Bei uns ist Toleranz gefragt!“.


Zur Person:

  • Otto Höffmann ist Rechtsanwalt in Cloppenburg.
  • Den Autor erreichen Sie unter der E-Mail-Adresse redaktion@om-medien.de.

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