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Fabian Guhr verlässt die St.-Viktor-Kirchengemeinde

Vor 2 Jahren fing der Kaplan seine Arbeit in Damme an. Nun folgt ein Szenenwechsel: Für die Zukunft hat der Geistliche ein klares Ziel.

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Widmet sich jetzt dem Uni-Betrieb: Dammes Kaplan Fabian Guhr beendet zum 1. September seine Arbeit in der St.-Viktor-Gemeinde. Foto: E. Wenzel

Widmet sich jetzt dem Uni-Betrieb: Dammes Kaplan Fabian Guhr beendet zum 1. September seine Arbeit in der St.-Viktor-Gemeinde. Foto: E. Wenzel

Es waren keine leichten Jahre: Der St.-Viktor-Kaplan Fabian Guhr hat 2020 inmitten der Corona-Pandemie seine Arbeit in der Dammer Kirchengemeinde aufgenommen. Jetzt widmet er sich neuen Herausforderungen. Zum 1. September verlässt er nach 2 Jahren die St.-Viktor-Kirchengemeinde, sein offizieller Abschied ist im August.

Der 29-Jährige wolle sich in Zukunft auf seine Promotion konzentrieren. Zusätzlich habe er einen Lehrauftrag in Münster, alles andere sei noch nicht sicher, erzählt der Kaplan. Auf die Frage, ob er danach zu der Arbeit in einer Pfarrei zurückkehren möchte, antwortet er: "Die Wahrscheinlichkeit ist gering. Ich sehe meine Zukunft im Uni-Betrieb." Das Lehren habe ihm auch schon in Damme gut gefallen.

Auf seine Zeit im Südkreis blickt der gebürtige Nottulner (Nordrhein-Westfalen) positiv zurück. "Ich war gerne in Damme", fasst Guhr zusammen. In seiner Einsatzzeit hat er sich vor allem um die Jugendarbeit und die Schulen gekümmert. So hat er zum Beispiel in Sierhausen unterrichtet und in Rüschendorf die Lego-Bibel-Arbeitsgemeinschaft geleitet. Seine Arbeit war aber auch immer geprägt von Corona. So konnte er die Schulen eine Zeit lang nur begrenzt besuchen.

Corona hat Fabian Guhrs Arbeit eingestampft

Auch für ihn persönlich sei das enttäuschend gewesen. "Das merkt man schon, dass Damme 2 Jahre im Corona-Schlaf lag", sagt der zugezogene Kaplan rückblickend. Er bedauert es, viele Veranstaltungen verpasst zu haben – zum Beispiel den Dammer Carneval.

Neben der Arbeit in der St.-Viktor-Pfarrei war Fabian Guhr auch ein Jahr der Landespräses des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Das habe ihn zwar Zeit gekostet, es sei aber schön gewesen, zu sehen, wie die Jugendarbeit jetzt wieder anlaufe. "In der Coronazeit hat sich eine Menge verändert. Das merken wir in den Kirchen extrem", erklärt Guhr. Es hätte vieles geplant und umgeplant werden müssen, einiges sei auch kaputtgegangen.

Aber, er sieht auch viel Gutes der vergangenen Jahre: "Die kirchliche Entwicklung ist um 5 Jahre nach vorne gesprungen", betont Guhr – eine Entwicklung, die einer konservativen Kirche nicht gerade entgegenkomme. Denn damit einhergehe die Entkirchlichung der Gesellschaft. An seiner früheren Stelle in Rheine habe Guhr eine Zukunftsperspektive schon erlebt. Rheine sei zwar eine größere Pfarrei als Damme, dafür sei die Gesellschaft schon deutlich säkularer. Er erinnert sich daran, dass ihn und den Rheiner Pfarrer auf dem Weihnachtsmarkt kaum einer erkannt habe. In Damme müsse er nur vor die Tür gehen, scherzt er.

Kaplan: Kirche wird in Zukunft mehr Konkurrenz haben

Der Kaplan ist aber nicht zwingend der Meinung, dass das eine negative Entwicklung sei, erklärt er. "Corona hat offen gelegt, was sowieso schon war." Es handle sich um einen "ehrlichen Prozess", den die Kirche als Herausforderung sehen sollte. "Das Angebot der Gottesbeziehung ist noch da", meint der Pfarrer, aber: "Wir haben es in den letzten 100 Jahren nicht geschafft, zu vermitteln, wie für ein Leben auch Glauben wichtig sein könnte." Und daran müsse die Kirche arbeiten, denn sie werde in Zukunft – wie schon in Rheine – ein Player unter vielen sein. Für Fabian Guhr bedeutet das: "Die Kirche muss konkurrenzfähig werden."

Dafür seien Änderungen nötig. Er spricht unter anderem von dem Umgang mit Scheidungen, verschiedenen Sexualitäten und der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle. "Wir sind nicht mehr glaubhaft, wenn wir von einem all liebenden Gott sprechen und dann jemandem sagen 'Deine Sexualität ist falsch'", erläutert Guhr. Aber auch auf einer organisatorischen Ebene wandle sich die Gesellschaft. In der Jugendarbeit, etwa bei den Messdienern, erwarte die Kirche noch langjähriges Engagement – das gehe laut Guhr gegen den Zeitgeist.

Der Kaplan zählt die Hauptaufgaben der Kirche auf: die Verkündigung und das Leben des Glaubens sowie die Caritas, die Hilfe für Menschen in Not. Er glaubt, dass die Caritas gestärkt werden müsse – vor allem in der Wahrnehmung. Viele wüssten nicht, dass die Caritas von der Kirche getragen werde, berichtet Guhr. Dabei sei die Arbeit durchweg katholisch. "Wir verkünden einen Gott, der sich den Menschen zuwendet", erklärt Guhr. Diese Verkündigung wird durch die Caritas praktisch ausgelebt.

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