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Etwas Blaues, Altes, Neues und Geliehenes: Welche Traditionen zur Trauung gefragt sind

Ob es der 22.02.2022 ist oder ein anderes Datum, bei Hochzeiten wird viel Wert auf Traditionen gelegt. Der Friesoyther Hochzeitsexperte Frank Hanneken erzählt, welche besonders beliebt sind.

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Das blaue Strumpfband ist Tradition beim Heiraten. Monika Bührmann von Brautmoden Hanneken zeigt eines der Modelle, das wie das weiße Brautkleid auch heute noch bei vielen Hochzeiten einfach dazugehört. Foto: Stix

Das blaue Strumpfband ist Tradition beim Heiraten. Monika Bührmann von Brautmoden Hanneken zeigt eines der Modelle, das wie das weiße Brautkleid auch heute noch bei vielen Hochzeiten einfach dazugehört. Foto: Stix

Der 22.02.2022 naht und mit ihm viele Hochzeiten. Eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab, dass Schnapszahl-Daten im Februar bei vielen niedersächsischen Standesämtern sehr gefragt sind. Ein Grund: Das Datum ist leicht zu merken, weil es ein kalendarisches Palindrom ist. Sprich: Er liest sich von vorn wie von hinten genau gleich. Auf den nächsten Palindrom müssen wir zudem lange warten. Es ist der 03.02.2030.

Die Standesämter im Nordkreis von Cloppenburg können den Andrang allerdings nur bedingt bestätigen. In allen vier Gemeinden liegen keine Anfragen für den 02.02.2022 vor. Am 22. Februar möchte in Bösel ein Paar standesamtlich heiraten, in Friesoythe gibt es vier Anfragen.

Hochzeitsbranche im Aufwind, aber noch nicht auf Normalniveau

Ein Grund dafür kann sein, dass die Corona-Pandemie aktuell keine unbeschwerten großen Feste ermöglicht. Allerdings spüre die Hochzeitsbranche wieder Aufwind, berichtet Frank Hanneken. Die Paare würden für 2022 zuversichtlich planen, was für Erleichterung bei den Ausstattern sorge. "Es ist noch nicht wieder auf Normalniveau, aber erholt sich."

Hanneken betreibt seit über 17 Jahren mit seinen Eltern das gleichnamige Friesoyther Braut- und Abendmodengeschäft. Der Experte kann sich den ausbleibenden Ansturm auf die Februar-Termine einfach erklären; viele Paare möchten im Sommer und am Wochenende heiraten. Er erinnert sich an den Andrang auf den 08.08.2008, ein Freitag. "Das war der Oberknaller, wir hatten 100 Hochzeiten an einem Wochenende." Als Ausstatter sei vor allem die Termintaktung für Änderungen eine Herausforderung gewesen. 

Brauch zu D-Mark-Zeiten: Schuhe mit Münzen zahlen

Auch die Traditionen und Bräuche rund um die Hochzeit sind Teil des täglichen Geschäfts für das alteingesessene Familienunternehmen. Eine Folge im hauseigenen Podcast haben die Hanneken dem Thema gewidmet. Und sie deuten Bräuche kreativ um, verrät Frank Hanneken.

Wieder geht es um Daten: Freitag, der 13. soll im Volksglauben Unglück bringen. Vor einigen Jahren habe das Team begonnen, an den Tagen Zettel an die Kundinnen zu verteilen. Darauf ist ein Glückspfennig befestigt und darüber steht "Viel Glück", erklärt Hanneken.

Die Pfennige seien zum Großteil noch von einer alten Hochzeitstradition über gewesen. Zu D-Mark-Zeiten war es üblich, dass Bräute ihre Hochzeitsschuhe mit angespartem Kleingeld bezahlten. Da sei schon mal ein Karton voll Münzen zusammengekommen. Woher der Brauch stammt, ist nicht bekannt. Die Braut sollte damit ihre Sparsamkeit symbolisieren. Das habe sich in Cent-Zeiten nicht mehr fortgesetzt, berichtet Hanneken. Aber die Erinnerung daran bleibe mit dem neuen Brauch lebendig. 

Etwas Blaues ist das gefragte Strumpfband

Heute immer noch Tradition ist dagegen, ein Strumpfband zu tragen, weiß Hanneken. Dazu gehöre zumeist, dass der Ehemann seiner Frau das Strumpfband mit den Zähnen auszieht. Zudem sei es üblich, dass der Bräutigam das Strumpfband als Pendant zum Brautstrauß in die Menge der Junggesellen werfe. Oder es werde versteigert, um Geld für die Flitterwochen zu erhalten. 

Wenn das Strumpfband blau ist, wird noch eine andere Tradition erfüllt. Die Braut soll etwas Blaues, Altes, Neues und Geliehenes bei sich tragen. Der englische Brauch sei wohl einer der bekanntesten Hochzeitsbräuche, vermutet Hanneken. Die Farbe Blau solle dabei Treue symbolisieren.

Üblich sei auch der Schleiertanz. Dafür verkaufe das Friesoyther Geschäft extra große und günstige Schleier. Denn der Schleier werde entweder zerrissen oder über das Brautpaar beim Tanzen gespannt, damit Gäste Geld reinwerfen können.

Wobei: Wenig bleibe für immer. Das gelte vielleicht auch für Schleiertanz, Strumpfband und Co.: "Andere Generationen haben andere Vorstellungen", sagt der Experte und versichert, sich darauf stets einzustellen. 

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