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Ethiker sieht das Recht auf „aktive Tötung“ als „Kulturbruch“

Der Ethiker Stefan Kliesch spricht bei der "Ü60-Männergruppe" in Garrel über das Urteil zum Recht auf das selbstbestimmte Sterben. Er sieht darin eine "Kultur des Tötens".

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Aufmerksame Zuhörer: Stefan Kliesch referierte auf Einladung der Gruppe Mann ü 60 über ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes. Foto: Looschen

Aufmerksame Zuhörer: Stefan Kliesch referierte auf Einladung der Gruppe Mann ü 60 über ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes. Foto: Looschen

Als einen „Kulturbruch“ bezeichnete Stefan Kliesch vom Landescaritasverband in Vechta das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom Februar des Jahres 2020. Das Urteil räumt ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben ein und gewährt das Recht, sich das Leben zu nehmen. Dafür darf die Hilfe anderer in Anspruch genommen werden.  Aus der Kultur des Begleitens für Menschen in lebensbedrohlichen Situationen werde eine „Kultur des Tötens“. meint der Ethiker. Stefan Kliesch folgte einer Einladung der Gruppe "Mann Ü60".

Das Urteil und seine Bedeutung seien noch nicht bei den Menschen angekommen, beobachtet der Theologe und Ethiker, der Caritaseinrichtungen und deren Mitarbeiter berät. Seit Februar 2020 bleibt die Hilfe zum selbstbestimmten Suizid straffrei. Menschen hätten sogar ein Recht auf Hilfe.

Katholische Kirche lehnt begleiteten Suizid ab

Bislang hätten Gesellschaften immer das Leben geschützt und begleitet, in keiner Gesellschaft gab es eine aktive Tötung. Das fünfte Gebot „Du sollst nicht töten“ werde in Frage gestellt. Jetzt gebe es ein Grundrecht auf den ärztlich begleiteten Suizid. Zwar gebe es das Urteil, aber noch kein gesetzliches Verfahren, das vom Bundestag zu beschließen ist. Dafür lägen fünf Entwürfe vor. Alle enthielten die Pflicht zu einer Beratung und das Einhalten einer Frist nach der Beratung.

Die neue Lage unterscheide sich wesentlich von der Beendigung lebenserhaltender Maßnahmen, die schon jetzt möglich ist. Die katholische Kirche spreche sich deutlich gegen den begleiteten Suizid aus und setze stattdessen auf ein menschenwürdiges Sterben. Palliativmedizin und Hospize seien geeignete Möglichkeiten der Begleitung.

Jeder einzelne sei gefordert, dafür seine Stimme zu erheben, zumal die Kirche als Institution in eine große Vertrauenskrise geraten sei und immer mehr zu einer Minderheit werde. Stefan Kliesch empfahl das Ausstellen einer Vollmacht, die einer Vertrauensperson das Recht gebe, im Sinne des Betroffenen zu entscheiden. „Sterben ist Teil eines guten Lebens“, sagte der Ethiker. Man müsse nicht dem Leben mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben geben. Diese christliche Einstellung müsse von vielen vertreten und bezeugt werden. Allerdings würde diese Position in weiten Kreisen der Bevölkerung Unverständnis und sogar Protest hervorrufen.

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