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Esel, Lämmer, Hennen: Dieser Bauernhof bietet Besuchern alles

Die Büters aus Vrees halten zahlreiche Tierarten. Trotzdem wollen sie ihren Gästen keine "Kuschellandwirtschaft" vorspielen, sondern zeigen, wo unsere Lebensmittel herkommen.

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Selbstbewusst: Auf ihre Esel können sich Sandra und Wilhelm Büter verlassen. Die Tiere sind zutraulich - und wehrhaft. Foto: Meyer

Selbstbewusst: Auf ihre Esel können sich Sandra und Wilhelm Büter verlassen. Die Tiere sind zutraulich - und wehrhaft. Foto: Meyer

 „Wollen Sie wissen, wie man einen Esel anlockt?“ Wilhelm Büter wartet die Antwort nicht ab und lässt sogleich ein lautes „Brrrrrr“ ertönen. Tatsächlich dauert es nicht lange, bis das erste Grautier um die Ecke trabt. „Esmeralda“ ist die Mutter der Kompanie, ihr folgen Fridolin, Heidi und der jüngste Nachwuchs, Frieda. Wenn die vier auf ihren Bauern zu marschieren, weichen die Schafe zur Seite. Auf der 16 Hektar großen Weide in Vrees haben die Esel das Sagen.

Die Langohren sollen die Schafherde vor dem Wolf schützen. Das hoffen Wilhelm und Sandra Büter jedenfalls. Zum Ernstfall kam es bislang noch nicht. Dass die Gefahr aber latent hoch ist, musste ein anderer Schäfer aus dem Ort zu Wochenbeginn bitter erfahren, als er bei einem Angriff 25 Lämmer verlor (OM Online berichtete). Wilhelm Büter setzt auf die abschreckende Wirkung der Tiere. „So ein Esel ist kilometerweit zu hören“, sagt der Landwirtschaftsmeister. Und außerdem wehrhaft. „Stellen Sie sich niemals hinter ihn. Er trifft genau dorthin, wo er will.“

Hennenhaltung ist das wichtigste Standbein

Auf dem Betrieb hat jedes Tier eine Aufgabe. Die Esel wachen über die Schafe. Diese halten die Weide kurz für die Hühner, mit denen die Bauernfamilie ihr Einkommen erwirtschaftet. 40.000 Legehennen versorgt Büter gemeinsam mit einem aus Syrien stammenden Mitarbeiter. Jeden Morgen lässt er sie aus ihrem Stall nach draußen. Zurzeit geht das allerdings nicht, wegen der Geflügelpest herrscht Aufstallpflicht. Büter ärgert sich darüber, denn er muss seine Eier jetzt von Freiland- auf Bodenhaltung umdeklarieren. Pro Ei zahlt der Handel dafür aber vier bis fünf Cent weniger. Die Regelungen seien in Deutschland strenger, als von der EU vorgeschrieben, bemängelt der Vreeser.

"Die Politik lässt sich monatlich neue Auflagen einfallen und beschleunigt damit den Strukturwandel."Wilhelm Büter

Den großen Hennenstall hat Büter erst vor fünf Jahren errichtet. Die Eier liefert er an Großmärkte. Sie stehen anschließend unter anderem bei Discountern in den Regalen. Dafür gab er die Sauenhaltung auf. Die Entscheidung sei richtig gewesen, sagt er. Was ihn stört ist jedoch erneut die „typisch deutsche“ Bürokratie. Um den Hennen Schutz vor Greifvögeln zu bieten, hat er überall auf seiner Weide flache Überdachungen aufgestellt. Laut Vorschrift müssen sie fünf Quadratmeter groß sein. Ein Kontrolleur nahm es kürzlich ganz genau. „Er maß 4,9 Quadratmeter aus und ich hatte ein Problem.“ Büter kann über solcherart Kleinlichkeit nur den Kopf schütteln. Von der Politik fühlt er sich ohnehin im Stich gelassen. „Die lässt sich fast monatlich neue Auflagen einfallen, die uns behindern und den Strukturwandel beschleunigen.

Der Emsländer hält noch knapp 900 Mastschweine. Es könnten 20 Prozent mehr sein, aber Büter möchte den Tieren zusätzlichen Platz einräumen und damit zeigen, dass sich konventionelle Haltung und Tierwohl nicht zwangsläufig ausschließen. Außerdem bevölkern zwei Kälber, zwei Hunde sowie Kaninchen und Meerschweinchen den Hof. „Ein ganzer Zoo“, sagt der Bauer. Auch das hat einen Grund.

Süßer Schwarzkopf: Die Lämmer sind den Winter über geboren worden. Foto: MeyerSüßer Schwarzkopf: Die Lämmer sind den Winter über geboren worden. Foto: Meyer

Die Büters bauen ihren Betrieb zum außerschulischen Lernstandort aus. „Wir möchten Kindern und Jugendlichen die Land- und Ernährungswirtschaft näher bringen und ihnen vermitteln, wo unsere Lebensmittel herkommen“, erklärt Sandra, die Sozialpädagogik studiert hat und im Vreeser Umweltbildungszentrum mitarbeitet. Dabei gehe es aber nicht darum, den Gästen die eigene Meinung „überzustülpen“, sondern sich kritischen Fragen zu stellen. Mit denen müsse man heute rechnen. Trotzdem sind beide überzeugt, dass sich das Engagement lohnt. Den Menschen sei die Landwirtschaft fremd geworden. Und zwar nicht nur jenen, die in den großen Städten wohnten. Dagegen müsse etwas getan werden.  

Wegen der Pandemie können die Büters schon seit Monaten keine Workshops und Hoferkundungen anbieten. Besonders „Teilzeitbäuerin“ Sandra hofft, dass dies bald wieder möglich sein wird. Die Zwischenzeit wird genutzt, um den Betrieb auf die jungen Gäste zuzuschneiden. Einen alten Stall baut Wilhelm gerade zu einer Art überdachtem Innenhof um, in dem gebastelt und gespielt werden soll.

Fast am meisten freut sich seine Frau aber schon auf die Adventszeit, wenn sie wieder zu vorweihnachtlichen Lesestunden in den Schafstall einladen möchte. „Die Atmosphäre ist unbeschreiblich schön,“ schwärmt sie. Und auf den Mundschutz könne dann hoffentlich auch verzichtet werden.

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