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Es war so schön, als man sich noch traf...

Es wäre so schön gewesen: An diesem Wochenende hätte in Cloppenburg, so die Planung im Jahreskalender, das Cityfest steigen sollen. Beim Gedanken daran kommt auch Wehmut auf.

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Gute Idee, sagt der hungrige Gast, gehen wir am Wochenende zum Griechen. Artemisteller oder Mykonosplatte und Zaziki vorweg. Rufst Du bei Milto an wegen Tischreservierung? Pardon, ich meine doch bei Dio, dem Nachfolger des verstorbenen Kultgriechen. Einen Tisch? Sonst noch Wünsche? Das gesamte Wochenende ist ausgebucht.

An einem ganz normalen Wochenende total ausgebucht? Wo gibt’s denn sowas? Wieso normal? Es ist doch Cityfest-Wochenende, da sind wir immer ausgebucht, schon ein Jahr vorher, sagt Lisa. Sie, Peggy, Markus und die anderen laufen sich schon warm. Hier steht 
die Zeit still, auch wenn sie brennt.

Cityfest-Wochenende, natürlich. Eine merkwürdige Stimmung liegt über der Stadt, verhalten, unwirklich, schwebend wie auf einem anderen Stern. Dabei ist es doch der Höhepunkt des Jahres.

„O'zapft is“, ruft es von den Tischen des Bernays. Doch auch die Lederhose der Bedienung will keine wirkliche Stimmung aufkommen lassen. Ein einsamer Weißbiertrinker schaut verdrossen in sein Glas, und selbst der Chefredakteur ordert Wasser still. Cappuccino läuft gut, sagt Ela.

„Doch wo sind der Cloppenburger von Berndt, die Käsestange von Barlage, der Grappa von Benedetti?“Otto Höffmann

Maike Schlömer vom Hotel Schlömer feiert Cityfest en 
miniature im Innenhof. Bernd Höne vom „Margaux“ trommelt für sein Cityfest-Menü: Drei Gänge für 29 Euro. Klaus Fleming von „Flemings“ lockt mit eigner Cityfest-Karte; Tipp: Pfifferlinge satt. Und bei Terra de Vino gibt’s den Kräuter-Capo auch cityfestgerecht in kleinen Fläschchen. Doch wo sind der Cloppenburger von Berndt, die Käsestange von Barlage, der Grappa von Benedetti? Der Gast verfällt in Schwermut; vielmehr schwer als Mut.

Doch da schweben Leichtigkeit und Befreiung heran. Der Ex-Bürgermeister sonnt sich im Altenteil und freut sich über die Befreiung vom donnerstäglichen Freibier-Anstich. Der Ex-Erster Stadtrat muss nicht schon wieder jedes Getränk testen. Das Ordnungsamt ist erlöst von dem Nachmessen der Thekenlängen zwecks Nachforderung von Gebühren. Der städtische Bauhof schiebt Langeweile, während der Kämmerer die Verluste aus fehlenden Gebühren beweint.

Und selbst die ehrwürdige Münsterländische Tageszeitung, sonst doch eher ein Ort und Hort der Seriosität, lässt die Leinen der Setzer (“Säzzer“) los und veröffentlicht tapfer die Cityfest-Juxanzeigen („Gabi grüßt alle, die mich kennen“ und „Hallo, Ihr Bumsfidelen aus dem Büro“). Die eine oder andere Anmerkung des Setzers gratis.

Was waren das noch für Zeiten. Was können wir nur tun, um damit fertig zu werden? Es war so schön, als man sich noch traf. Kommt wieder, sagt Dio, auf einen Ouzo kannst Du ja kurz vorbeikommen. Na denn! Yammas!


Zur Person:

  • Otto Höffmann ist Rechtsanwalt in Cloppenburg.
  • Den Autor erreichen Sie unter der E-Mail-Adresse redaktion@om-medien.de.

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