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Es muss nicht immer das Original sein

Gästebuch: Auch wenn die Rolling Stones legendäre Konzerte abliefern, darf es beim Cityfest in Cloppenburg  eine Nummer kleiner sein. Auch mit einer Coverband können Fans auf ihre Kosten kommen.

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Die Waldbühne in Berlin steht noch. Vor ein paar Wochen rockten die Rolling Stones wieder an dieser kultigen Stätte. 1965 gaben Mick Jagger und Co. hier ihr erstes Konzert, welches legendär werden sollte. Am Ende glich die Waldbühne einem Trümmerhaufen. Sie war regelrecht auseinandergenommen worden und über Jahre nicht mehr einsatzfähig. Fast eine Million Euro Sachschaden war entstanden.

"Satisfaction", "Under my thumb" oder "Start me up": All das wurde vor 25 Jahren auch auf dem Cloppenburger Cityfest gespielt. Es waren nicht die Rolling Stones, die vor dem damaligen BUTT in die Saiten griffen, sondern eine sogenannte Coverband mit dem Namen "Stone" aus Bad Oldesloe. Ein treuer Stones-Fan hatte der Mannschaft um Lisa Brüggehagen am Eberborgbrunnen den Tipp gegeben. Und so wurden die fünf Jungs aus dem Norden engagiert. Der Platz rund um den Borg war brechendvoll. Und so lag es nahe, dass sie wiederkommen mussten. Klaus Niemann, der damalige Cityfest-Organisator hatte ein Einsehen. Und diesmal bekamen sie die große Bühne in der Stadtmitte. Keine Waldbühne zwar, aber dafür blieb auch alles heil.

Nun steht endlich (hoffentlich) das Cityfest in Cloppenburg wieder an. Wenn an dieser Stelle auch schon der Stoppelmarkt-Montag besungen wurde und mancher Krokodilstränen vergoss, wenn er nicht teilnehmen konnte, so bildet das Cloppenburger Cityfest doch ein besonderes Alleinstellungsmerkmal für die Kreisstadt. Endlich etwas, was Vechta nicht hat.

"Der Händler rieb sich wahrscheinlich immer noch die Hände ob dieses Coups."Otto Höffmann

Dass das nicht ohne das eine oder andere Getränk geht, versteht sich von selbst. Mick Jagger erzählte vor Wochen auf dem Konzert in Berlin, er habe einmal sieben Pfefferminzlikör hintereinander in Berlin getrunken. Die Folge sei gewesen, dass er plötzlich Deutsch sprechen konnte. Bei den Jungs aus Cloppenburg, die einst das Rolling Stones Konzert in Prag besucht hatten, ging der Wunsch des Schwebens auf den kleinen Rausch nicht Erfüllung. Einen ganzen Tag über waren mehrere Jungs aus Cloppenburg in Prag unterwegs, wobei sie den einen oder anderen Sliwowitz nicht verschmähten. Und ohne den einen oder anderen Spaßmacher während des Konzertes kommt für einen gestandenen Südoldenburger "Lady Jane" nur halb so sexy. Kurz entschlossen kauften die Jungs an einer Straßenecke einem Händler eine Literflasche Sliwo ab. Im Hosenbein verstaut wegen der Kontrolle am Stadion am Eingang schaffte es der gute Tropfen bis zum Sitzplatz. Doch der Inhalt entpuppte sich später als reines Prager Leitungswasser.

Der Händler rieb sich wahrscheinlich immer noch die Hände ob dieses Coups. Der Begeisterung über die Rolling Stones tat das keinen Abbruch. Oben in der Lounge saß der damalige tschechoslowakische Staatspräsident Vaclav Havel, ein glühender Fan der Band und von "Big Mick" besonders begrüßt. Sie haben uns ein Leben lang begleitet. Sie haben unsere Sorgen, unsere Freuden, unsere Lieben und Enttäuschungen, unsere Hoffnungen und all unsere Wünsche mit uns geteilt und wir mit ihnen.

Aber vielleicht tut 's ja auch eine Coverband. "Stone" aus Bad Oldesloe gibt es – jedenfalls laut Homepage – immer noch. Ernüchtert, erprobt und sicherlich auch bereit, wieder nach Cloppenburg zu kommen. Vielleicht gibt die Kreisstadt, vielleicht gibt Cityfest-Chef Lücking, zwar mehr als eine Generation jünger, ihnen für das nächste Jahr nochmals eine Chance. Manch in Ehren ergrautem Senior (und mitergrauter Seniorin) würde das Herz sicher höher schlagen, solange es noch schlägt. Bis dahin: "Miss You" und nicht "Paint it black"!

Die Berichterstattung rund um das Cityfest 2022 wird Ihnen präsentiert von der VR-Bank in Südoldenburg.


Zur Person:

  • Otto Höffmann ist Rechtsanwalt in Cloppenburg.
  • Den Autor erreichen Sie unter der E-Mail-Adresse redaktion@om-medien.de.

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