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Es muss nicht heute sein, aber Anlass gibt es genug: zu Besinnung und Umkehr

Kolumne: Auf ein Wort – Der Buß- und Bettag mag vom Namen her leicht verstaubt wirken. Aber seine Bedeutung ist wichtig.

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Eine Mitarbeiterin des Diakonischen Werkes erzählt beim Kaffee nach dem Gottesdienst, wie sie vor Kurzem einen ihrer Söhne zum Fußballtraining brachte und noch ein bisschen zum Zuschauen blieb. Sie setzte sich auf die Bank zu den Ersatzspielern. Neben ihr ein etwa 6-jähriger Fußballer, wie alle mit kurzer Sporthose. Als sie zur Seite schaut, fällt ihr die große, unschöne Narbe an seinem Bein auf. Sie fragt ihn: "Was ist dir denn da passiert, wie hast du dich so verletzt?" Der Junge antwortet: „Ach, da hat mich eine Kugel gestreift.“ Er kommt aus Syrien.

Es ist der Mitarbeiterin anzumerken, wie sehr sie diese Antwort schockiert hat. Sie sagt: "Da verstehe ich doch, dass Eltern sich mit ihren Kindern in ein wackeliges Boot setzen, um ihr Heimatland zu verlassen …" Schockierend nah rücken mir die Kriege in weit entfernten und in näheren Ländern dieser Welt durch alltägliche Begegnungen. Durch die Medien tun sie es sowieso, aber mit einem Menschen zu sprechen, der mittendrin war und dessen Leben seitdem nicht mehr das alte ist, das ist noch etwas anderes.

Der Buß- und Bettag, den evangelische Christen heute feiern, er war schon immer ein Tag, an dem Krisen und Notlagen in den Blick gerückt wurden. Die Landesfürsten riefen Buß- und Bettage aus, wenn die Gefahr eines Krieges da war oder eine Naturkatastrophe. Es ging um Umkehr und darum, Gott um Hilfe anzuflehen. Genau damit kann ich in unserer Zeit viel anfangen. Allerdings geht es nicht mehr nur um die Not in meiner Region oder in meinem Land. In der globalisierten Welt hat alles mit allem zu tun und jeder mit jedem.

"In der globalisierten Welt hat alles mit allem zu tun und jeder mit jedem."Kreispfarrerin Martina Wittkowski

Unser Gas kam noch bis vor Kurzem aus Russland, unsere Mobiltelefone aus China, das Getreide für afrikanische Länder kommt aus der Ukraine … Menschen aus Syrien, aus Ruanda und der Ukraine leben in meiner Nachbarschaft und in meiner Gemeinde. Es ist nicht meine individuelle Schuld, dass Kriege und Klimakatastrophen Menschen zwingen, ihre Heimat zu verlassen. Aber ich habe meinen Anteil daran. Bin darin verstrickt, weil wir in der westlichen Welt jahrzehntelang verschwenderisch mit Energie und Waren umgegangen sind, ohne genau hinzuschauen, woher sie kommen und unter welchen Bedingungen sie hergestellt werden.

Die Schäden für Umwelt, Klima und Menschen haben wir nicht ernst genommen. Jetzt holen die Folgen uns ein. Ein Sinneswandel ist angesagt. Umkehr von einer verschwenderischen nur auf uns bezogenen Lebensweise. Der "Buß- und Bettag" wirkt von seinem Namen her leicht verstaubt. Aber seine Bedeutung "Umkehr und Gott um Hilfe anflehen", die brauche ich als Anstoß mehr denn je. Es muss nicht heute sein, aber Anlass gibt es genug: mich zu besinnen, über meine Verantwortung nachzudenken, Gott um Vergebung und seine Hilfe zu bitten, neue Wege einzuschlagen. Warum nicht heute, am Buß- und Bettag, damit anfangen?


Zur Person:

  • Martina Wittkowski ist Kreispfarrerin im evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Oldenburger Münsterland.
  • Sie erreichen die Autorin unter: redaktion@om-medien.de.

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