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Es leben die Widersprüche

Kolumne: Das Leben als Ernstfall – Wasser predigen und Wein trinken? Das können wir alle. Widersprüche sind menschlich – und so herrlich vorhersehbar.

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Kennen Sie das, wenn zwei Sachen einfach nicht zusammenpassen? So wie Feuer und Wasser, Lindner und Habeck, Korn und Cappuccino. Das gibt es auch in der Gemeinde Holdorf. Die hat jetzt eine Nachhaltigkeitsmanagerin, die den Ort auf Klimaschutz und so trimmt. Gleichzeitig will die Gemeinde endlich dafür sorgen, dass es genug Parkplätze im Dorf gibt, damit auch alle schön mit ihrer eigenen Blechbüchse bis kurz vor den Laden knattern können. Und an der Industriestraße müssen Bäume dringend weg, damit die Lkw dort Platz haben. Und dann erschließen sie von der Gemeinde noch ein interkommunales Gewerbegebiet, bei der etliche Hektar versiegelt werden. Wir wünschen der noch frisch installierten Nachhaltigkeitsmanagerin schon mal viel Glück beim Auflösen von Widersprüchen so dick wie gordische Knoten.

Andernorts erzählten Lokalpolitiker just zur Landtagswahl gefragt oder ungefragt, wie sehr doch die Atomkraftwerke gebraucht würden. Okay, das ist kein Widerspruch. Das ist schlüssig, weil dieselben Politiker ja jahrzehntelang jedes einzelne Windrädchen mit Zähnen und Klauen verhindert haben. Von Stromtrassen, die die wertvolle Elektrizität von Windkraftanlagen, die nicht bei uns stehen, woanders hinbringen,  wollen wir jetzt gar nicht anfangen. Sankt Florian regiert schließlich nicht nur die Gemeinden hierzulande. Und was wäre wohl, wenn demnächst jemand  die Forderungen ernst nähme und ein modernes AKW ans Ufer des Vechtaer Moorbachs setzte oder die Stollen der Dammer Berge zum atomaren Endlager auswählte?

"Was hätten sie wohl gespart, wenn sie ihre Recyclingzettel per E-Mail verschickt hätten?"Stefan Freiwald

Widersprüche gehören einfach zum Leben dazu. Wer ist schon perfekt? Wir in Südoldenburg sind es sicher nicht. Von wegen, viel grün und viel drauf, so wie es uns der Verbund Oldenburger Münsterland verkauft. Die meisten wählen immer noch schwarz. Okay, die CDU arbeitet daran, dass es weniger werden, aber dass der Verbund überhaupt die Grünen mit seinem Widerspruch, äh Werbespruch, so unterstützt, verwundert uns dann doch etwas.

Widersprüchlich fanden wir auch diese Meldung: Die Uni Vechta benutzt besonders viel Recyclingpapier und ist in diesem Jahr bei einem bundesweiten Hochschul-Ranking auf Platz 1 gelandet. Das geht aus dem aktuellen „Papieratlas“ der Initiative Pro Recyclingpapier hervor. Durch den Einsatz von Recyclingpapier seien deutschlandweit in den vergangenen Jahren zusammen etwa 1600 Gigawattstunden Energie und tonnenweise Wasser gespart worden, hieß es. Was hätten sie wohl gespart, wenn sie ihre Recyclingzettel per E-Mail verschickt hätten? Oder haben sie am Ende etwa das Faxgerät benutzt? Das spart schließlich auch Papier, zumindest das eigene.


Zur Person:

  • Stefan Freiwald (49) ist Redakteur bei OM-Medien und hat ein Büro für Journalismus, PR & Nachhaltigkeit in Vechta.
  • Er lebt mit seiner Familie in Oythe.
  • Sie erreichen den Autor per E-Mail an: redaktion@om-medien.de.

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