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Erstes Projekt für den Holdorfer Bürgerpark gestartet: Oberschüler bauen ein Backhaus

Auf der jetzigen Pferdewiese am Ostring soll der Park entstehen. Bei Schritt eins sind nun alle Klassen der Georg-Kerschensteiner-Schule mit dabei.

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Hatten Spaß bei der Arbeit: Agit Polat (links) und Enis Morina von der 9b der Holdorfer Georg-Kerschensteiner-Schule. Foto: Böckmann

Hatten Spaß bei der Arbeit: Agit Polat (links) und Enis Morina von der 9b der Holdorfer Georg-Kerschensteiner-Schule. Foto: Böckmann

Das Erste von vielen möglichen Projekten für den neuen Bürgerpark in Holdorf läuft erst seit ein paar Tagen. Doch als Josef Kampers den Schülerinnen und Schülern der 9b der Georg-Kerschensteiner-Schule am Mittwochvormittag zusieht, gerät der 2. Vorsitzende des Heimatvereins völlig in Schwärmen. "Dieser Platz könnte der Center Court für Holdorf werden", spricht Kampers im Tennis-Jargon und konkretisiert: "Dieser Ort ist doch ideal gelegen. Er könnte ein Ort der Begegnung für alle Holdorfer werden, wo jung bis alt promenieren können – wenn er mit Leben gefüllt wird."

Ein Ort für alle Holdorfer – das soll der künftige Bürgerpark nach den Vorstellungen der Gemeinde und der Politik auf der ehemaligen Hofstelle Johanning werden. Einige Pläne für die Fläche am Ostring sind schon sehr konkret. Viele Ideen sind bei der Gemeinde eingegangen. Weitere Vorschläge werden entgegengenommen.

Alle 15 Klassen sollen an mindestens einem Schultag mitmachen

Beim ersten Projekt bauen nun die Holdorfer Oberschüler komplett in Eigenregie ein Backhaus. In dieser und der nächsten Woche sind Schüler mit den Maurer- und Lehmarbeiten für den Feldbackofen beschäftigt. Im kommenden Frühjahr soll in 2 Wochen der Feldbackofen mit Holz verkleidet werden. Dann soll ein Backhaus entstanden sein, wie es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert auf den Höfen ausgesehen hat. Alle 15 Klassen sollen in die Arbeit eingebunden werden – jeweils an mindestens einem ganzen Schultag.

Unterstützt werden die Schüler von den Archäotechnikern Thorsten Helmerking und Bernard Haarmeyer. Sie arbeiten als Freelancer unter anderem für den Verein "Naturpark Dümmer", in dem auch die Gemeinde Holdorf Mitglied ist. Der Naturpark zahlt daher die Personalkosten. Die Kommune gibt derweil das Geld für das Material.

Mit welcher Akribie und welchem Enthusiasmus die Schüler den Ofen mauern – davon ist Thorsten Helmerking begeistert und etwas überrascht zugleich. "Die Schüler sind total penibel. Sie lernen das Mauern von der Pike auf. Wenn etwas nicht passt, dann reißen sie die Steine eben wieder ab." 

Die Holdorfer Oberschüler bauen gemeinsam ein Backhaus: Daran beteiligt war in dieser Woche auch die 9b - sehr zur Freude von Heimatforscher Josef Kampers (vorne links), Schulleiter Raimund Haskamp (hinten Mitte) und Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug (vorne rechts). Foto: BöckmannDie Holdorfer Oberschüler bauen gemeinsam ein Backhaus: Daran beteiligt war in dieser Woche auch die 9b - sehr zur Freude von Heimatforscher Josef Kampers (vorne links), Schulleiter Raimund Haskamp (hinten Mitte) und Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug (vorne rechts). Foto: Böckmann

Dadurch dauern die Arbeiten zwar länger, als wenn Helmerking und Haarmeyer selbst Hand anlegen würden – doch es gehe nicht ums Tempo, sondern um die detailgenaue Umsetzung, sagt auch Schulleiter Raimund Haskamp. "Die Schüler sollen auch in 20 oder 30 Jahren noch stolz berichten können, dass sie dieses Backhaus selbst gebaut haben." Und: Es soll noch in 100 Jahren stehen.

Rektor Haskamp räumt ein, dass sich die Schüler unter dem Projekt zunächst wenig vorstellen konnten. Doch das Feedback der Jugendlichen sei bislang äußerst positiv. Selbst etwas zu erleben und zu erforschen, mit den Händen zu werkeln und auch rechnen zu müssen – dies alles sei, gerade auch in Corona-Zeiten, "eine willkommene Abwechslung". Er könne sich vorstellen, im Bürgerpark künftig auch weitere Projekte umzusetzen, zum Beispiel einen Obstgarten anzulegen, sagt der Rekort. Die Fläche sei zu Fuß schnell von der Schule aus zu erreichen. Das biete "enormes Potenzial".

Hofstelle Münzebrock soll 2022 in den Bürgerpark versetzt werden

Die Idee zum Backhaus-Bau hatte Holdorfs Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug. Es sei ein "großartiges Gemeinschaftsprojekt" zwischen Gemeinde, Oberschule und dem beratenden Heimatverein. Und: Es sei der erste Schritt von 3 derzeit bereits bekannten Vorhaben für den neuen Bürgerpark. Schritt 2: Holdorf möchte ein Heimat-, Vereins- und Kulturzentrum errichten, wofür die Hofstelle Münzebrock 2022 in den Bürgerpark  versetzt werden soll (Translozierung). Schritt 3 sei die Gestaltung des Bürgerparks selbst – dafür sei die Gemeinde weiterhin für Ideen offen, wirbt Kruge. Sie suche schließlich auch noch ein Planungsbüro.

Bislang wurden Bürgermeister Dr. Krug einige Anregungen gemeldet. Zum Beispiel für einen Rollator-Parcours für Senioren plus Fitnessgeräte, einen Freerunning-Park für Kinder, für einen Baumlehrpfad mit einheimischen und exotischen Arten oder für einen Gedankenweg mit Stelen. Klar ist für Krug: ein Stück der Pferdewiese solle erhalten bleiben.

Alle Pläne sollen auf einer Bürgerversammlung vorgestellt werden, wie der Bürgermeister betonte. Das ist auch ein wichtiges Anliegen von Heimatforscher Kampers. "Wir werden nicht jede Idee erfüllen können, aber wir wollen den Bürgerpark mit Leben füllen." Dafür müssten die Holdorfer mitgenommen werden, "sonst sind sie unzufrieden", glaubt Kampers.

Noch eine Pferdewiese, bald ein Bürgerpark: Das ist die Grünfläche am Ostring in Holdorf. Foto: VollmerNoch eine Pferdewiese, bald ein Bürgerpark: Das ist die Grünfläche am Ostring in Holdorf. Foto: Vollmer

Bürgermeister Dr. Krug beziffert die Kosten für die Transloszierung der Hofstelle Münzebrock auf 1,2 Millionen Euro, für den Bürgerpark auf 1,1 Millionen Euro. Das Gute: Die Projekte werden zu zwei Drittel aus dem Städtebauförderprogramm "Lebendige Zentren" bezuschusst. Bis 2023 sollen laut Krug dann alle Vorhaben abgeschlossen sein.

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