Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Erst ein Streit, dann eine Schlägerei, jetzt der Prozess

Tatort ist ein Campingplatz in Visbek; Tattag der 22. September 2019. Ein 39-Jähriger aus Litauen soll damals lebensbedrohlich verletzt worden sein; ein 36-Jähriger muss sich deshalb verantworten.

Artikel teilen:
Archivfoto: Pundt

Archivfoto: Pundt

Weil er einen Landsmann (39) bei einer Schlägerei lebensbedrohlich verletzt haben soll, ist ein 36-jähriger Litauer jetzt vom Schöffengericht des Amtsgerichtes Vechta zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und 10 Monaten verurteilt worden. Die Strafe selbst ist zur Bewährung ausgesetzt. Der 36-Jährige muss außerdem 5000 Euro Schmerzensgeld an sein Opfer zahlen.

Die Schlägerei soll am 22. September 2019 auf dem Campingplatz in Engelmannsbäke/Visbek stattgefunden haben. Zunächst sollen sich die Kontrahenten stundenlang gegenseitig beleidigt haben. Dann habe der 36-Jährige mit der Faust ins Gesicht seines Gegners geschlagen. Als der zu Boden ging, habe der Mann weiter auf den 39-Jährigen eingeprügelt und mit den Füßen ins Gesicht getreten. Das Opfer habe dabei lebensbedrohliche Verletzungen erlitten, wie eine Oldenburgerin Rechtsmedizinerin in ihrem Gutachten in der Verhandlung erklärte.

Camping-Platz-Bewohner sagen als Zeugen aus

Der von einem Berliner Verteidiger vertretene Angeklagte sagte zunächst nicht aus. Das Opfer schilderte als Zeuge den Hergang der Schlägerei. Der Angeklagte habe ihm mit einem Auto den Weg versperrt, sei ausgestiegen, habe ihn verprügelt und als er am Boden gelegen habe, mit den Füßen mehrfach ins Gesicht getreten.

Sechs Bewohner des Campingplatzes, die mit mehreren anderen Bewohnern das Geschehen verfolgt hatten, sagten als Zeugen aus, dass der Streit vorab mehrere Stunden gedauert habe. Dabei habe das spätere Opfer ein Messer in der Hand gehabt und sich nackt gezeigt.  

Die Schlägerei sei von vielen Campern verfolgt worden. Einer der Zeugen erklärte: "Die Tat ist 3 Jahre her. Die brutale, aggressive Art mit den Tritten und Schlägen auf den Kopf werde ich nie vergessen." Die übrigen Zeugen berichteten weitgehend übereinstimmend, dass der Angeklagte aggressiv auf das Opfer eingeschlagen und auf den Kopf getreten habe.

Der Angeklagte will bedroht worden sein

Der Berliner Verteidiger gab schließlich eine Erklärung für den Angeklagten ab. Sein Mandant habe das Opfer geschlagen, aber nicht an den Kopf getreten habe. Er und seine Frau haben sich vor dem 39-Jährigen gefürchtet, denn er habe gedroht, das Paar umbringen zu wollen. Die Frau des Angeklagten bestätigte das als Zeugin.

Der Staatsanwalt glaubte den Zeugen und beantragte eine Freiheitsstrafe von 2 Jahren und eine Schmerzensgeldzahlung von 4500 Euro an das Opfer. Der Nebenkläger sprach von einem Tathergang, der als versuchter Totschlag einzustufen sei. Das Opfer sei von September 2019 bis März 2020 schwer krank gewesen und habe mehrere Operationen hinter sich.

Der Verteidiger des Angeklagten indes sprach sich für einen Freispruch aus. Sein Mandant habe in Notwehr gehandelt und Angst um seine damals schwangere Frau gehabt.

Das Gericht sah keine Notwehr und wählte eine Freiheitsstrafe auf Bewährung, damit der Angeklagte, der einen Job hat, das Schmerzensgeld zahlen könne. Außerdem kommen auf den Verurteilten noch weitere Kosten zu. Das Gericht ordnete eine monatliche Ratenzahlung an.

Das Opfer ausgenommen, wohnen alle Beteiligten bis heute auf dem Campingplatz.

So verpassen sie nichts mehr. Mit unseren kostenlosen Newslettern informieren wir Sie über das Wichtigste aus dem Oldenburger Münsterland. Jetzt einfach für einen Newsletter anmelden!

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Erst ein Streit, dann eine Schlägerei, jetzt der Prozess - OM online