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Erschreckend hohe Zahlen über häusliche Gewalt

Kolumne: Recht hat, wer Recht bekommt – Insgesamt ist die Wahrscheinlichkeit, im Oldenburger Münsterland Opfer einer Straftat zu werden, gering. Ganz anders sieht das jedoch bei häuslicher Gewalt aus.

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Das Oldenburger Münsterland ist – wie in den Vorjahren auch – im Landesvergleich eine sichere und lebenswerte Region. Die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Straftat zu werden, war in den letzten 5 Jahren noch nie so gering, das erklärte die Polizei in ihrem Jahresbericht. Das war allgemein gemeint. Das beruht auf der Häufigkeitszahl, die beschreibt, wie viele Straftaten auf jeweils 100.000 Einwohner anfallen.

Die Zahl liegt hier mit 3799 Straftaten pro 100.000 Einwohner für beide Landkreise Vechta und Cloppenburg zusammen niedriger als im Vorjahr. Das mag man als erfreulich bezeichnen. Völlig anders sieht das allerdings bei der „häuslichen Gewalt“ aus. Im Jahr 2021 wurden insgesamt 733 Fälle im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta nach der neuen Definition registriert, davon 657 Fälle mit Opfern.

"Die meisten Betroffenen werden Opfer einer vorsätzlichen einfachen Körperverletzung."Klaus Esslinger

Wie wenig der Fälle vor dem Strafgericht der Amtsgerichte landen, ist mir als Gerichtsreporter schleierhaft. Ich kenne zwar eine Reihe von Gründen, die dürfte es aber nicht geben. Zum Hintergrund: Gewalt in Partnerschaften äußert sich als Stalking, Bedrohung, sexueller Übergriff, Körperverletzung, Vergewaltigung, Freiheitsberaubung bis hin zu Mord und Totschlag. Die meisten Betroffenen werden Opfer einer vorsätzlichen einfachen Körperverletzung. Bundesweit sind das 86.812 Personen, das sind über 60 Prozent der angezeigten Fälle.

Es folgen Bedrohung, Stalking und Nötigung in 32.477 Fällen und gefährliche, beziehungsweise schwere Körperverletzung oder Körperverletzung mit Todesfolge, insgesamt 17.236 Fälle. Bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung in Partnerschaften sind die Opfer zu über 98 Prozent weiblich, bei Stalking und Bedrohung in der Partnerschaft sind es 89 Prozent. Der Anteil männlicher Opfer ist bei vorsätzlicher, einfacher Körperverletzung mit 20,5 Prozent sowie bei Mord und Totschlag mit 23,6 Prozent vergleichsweise am höchsten.

Ein weiterer Fall von Straftaten ist die Kinderpornografie. In den letzten Jahren sind im Bereich der Kinderpornografie in der Inspektion Cloppenburg/Vechta steigende Fallzahlen zu verzeichnen – so auch im letzten Jahr. Die Fallzahlen sind insbesondere durch eine steigende Anzahl automatisierter Meldesysteme, die schnelle Verbreitung der Medien durch Kurznachrichtendienste sowie die fortschreitende Digitalisierung erklärbar, so die Polizei. Auch in diesen Fällen bedürfte es weitere Aufklärungen und darauf folgende Ermittlungen und Strafgerichts-Urteile.


Zur Person:

  • Klaus Esslinger ist Gerichtsreporter und war viele Jahre Lokalchef der Oldenburgischen Volkszeitung.
  • Kontakt zum Autor über redaktion@om-medien.de.

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