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Erlösung im Park-Paradies?

Kolumne: Batke dichtet ... und sieht hierfür den parkenden Pkw-Fahrern beim Lohner Krankenhaus zu. Von ihnen gibt es viele. Deshalb soll ein Parkhaus her.

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Der geneigte Leser dieser Kolumne wird sich daran erinnern, dass es im letzten Aufsatz nicht besonders forsch zur Sache ging. Es wurde das Live-Erlebnis eines 4-stündigen Staus nachgezeichnet. Und auch in der folgenden Abhandlung, verehrte Follower, habe ich kaum Bewegendes zu bieten. Er geht um das Parken – also im weitesten Sinne um das Abstellen eines Gefährts. Die Straßenverkehrsordnung lehrt uns: „Wer sein Fahrzeug verlässt oder länger als 3 Minuten hält, der parkt.“

Parken an sich ist kein komplexer Vorgang; es bereitet sogar Spaß, wenn ausreichend Platz vorhanden ist. Doch die weiter anwachsende Motorisierung trübt häufig die Freude am Parken – nicht nur in unseren Metropolen. Parkraum kann auch bei uns im ländlichen Südoldenburg knapp sein. Wie beispielsweise tagtäglich bei uns in Lohne zu besichtigen ist. Ich wohne an der Franziskusstraße, nur einen Steinwurf vom Franziskus-Hospital entfernt und werde tagtäglich Augenzeuge parkbedingter Dramen. Da ist es mitunter nicht verwunderlich, wenn der Blutdruck vor der Visite im Krankenhaus oder im Ärztehaus noch einmal kräftig nach oben schießt.


Morgens geht es besonders heftig zur Sache, und es ist im Reigen der Piloten mit VEC-, CLP-, OS-, DH-, OL- oder neuerdings auch wieder BSB-Kennzeichen interessant zu beobachten, wenn unterschiedliche Park-Mentalitäten aufeinanderprallen. Und das mit dem Aufeinanderprallen ist insbesondere in Stoßzeiten durchaus wörtlich zu nehmen. Beim Gang durch die Reihen der abgestellten Autos wird schnell deutlich, dass die markierte Fläche, die für ein Fahrzeug vorgesehen ist, häufig nur als Empfehlung begriffen wird.

Gut, dass wir in Lohne weise Stadtmütter und -väter haben, die dem automobilen Volk ein opulentes Parkhaus hinstellen werden. Da kann Vechta aber einpacken. Im Februar wird es losgehen mit dem Parkhaus auf dem Parkplatz, schon im August soll das wuchtige 4-Millionen-Euro-Werk errichtet sein. Stellflächen für 302 Autos auf 7 Etagen – es wird ganz schön wuselig werden im Bauch der Mega-Haltestelle. Vor allem, weil die vornehmlich ältere Kundschaft sich erst einmal an das klaustrophobische Ambiente gewöhnen muss.


Ob ich mich auf das neue Park-Paradies freue, wollen Sie wissen? Nein. Ich mag keine Parkhäuser. Und wenn ich am Fenster im Obergeschoss unseres Heims stehe, wird es mir den Blick auf den Friedhof versperren. Das ist zwar nicht unbedingt mein Sehnsuchtsort, ich meine auch eher die Friedhofsmauer, vor der sich Deutschlands putzigster Kreisel befindet. Und diejenigen, die mit ihren schweren Karossen zurücksetzen müssen, wenn sie es durch den Kreisverkehr schaffen wollen, werden es auch im Parkhaus schwer haben. Tragödien sind garantiert. Schon in der Zeit des Parkhaus-Baus droht rund um das Krankenhaus der Park-Infarkt.

Wollen wir hoffen, dass die protzige Hochgarage nicht alsbald so leer steht wie die Innenstadt. Im Zusammenhang mit einem neuen Großklinikum darf man die Sinnhaftigkeit des Park-Projekts durchaus in Frage stellen. Als Lohner würde ich mich freuen, wenn erst einmal etwas weggeräumt (Ruine Zur Linde) wird, ehe ein neuer Kasten in die Landschaft gepflanzt wird. Schwacher Trost: Wenigstens müssen keine Bäume gefällt werden.


Zur Person:

  • Alfons Batke ist Journalist und lebt in Lohne.

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