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Erkenntnisse eines Indianerhäuptlings

Kolumne: Notizen aus dem wahren Leben – Männer sind als eine der Hauptspezies auf diesem Planeten auf eine ganz besondere Art und Weise von der aktuell noch grassierenden Pandemie betroffen.

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Reden wir von Männern. Als Experte bin ich seit fast 66 Jahren mit diesem Thema befasst. Es ist unerschöpflich und – viele werden dies bestätigen – nicht selten unergründlich.

Nun sind Männer als eine der Hauptspezies auf diesem Planeten auf eine ganz besondere Art und Weise von der aktuell noch grassierenden Pandemie betroffen. Sie reagieren ganz unterschiedlich. Manche stecken den Kopf in den Sand, tauchen ab und sind seit Monaten irgendwie von der Weltoberfläche verschwunden. Andere schöpfen aus dem Desaster heraus urplötzlich neue, ungeahnte Energien.

Alles verständlich. Hätte man mir vor fast 60 Jahren die Karl-May-Bücher weggenommen und gesagt, „du darfst nicht mehr Cowboy und Indianer spielen“, würde ich heute vielleicht im Homeoffice krumme Nägel gerade schlagen. Oder lustige Worte erfinden, um den Begriff „Indianer“ politisch korrekt zu verbrämen. Dabei fand ich schon damals die Position eines Indianerhäuptlings als durchaus erstrebenswert.

„Heute leiden Männer daran, dass man Fußballstadien zusperrt, die Schützenausmärsche absagt oder in den Kneipen nur noch mit 2 Metern Abstand am Tresen sitzen kann.“Andreas Kathe

Heute leiden Männer daran, dass man Fußballstadien zusperrt, die Schützenausmärsche absagt oder in den Kneipen nur noch mit 2 Metern Abstand am Tresen sitzen kann. Da kann sich auch nach 16 kühlen Blonden kein anständiges Gespräch über Gott und die Welt entwickeln.

Und so hocken nun viele grübelnd zu Hause, erschrecken die Ehefrauen oder sonstige nahe Angehörige mit ihrem Dasein. Möglich auch, dass sie mit einem scholzomatigen Grinsen immer wieder aufs Neue Sätze einüben, mit denen sie sie sich selbst beruhigen, die aber außerhalb ihres eigenen Universums niemand versteht oder für bare Münze hält.

Den Nachbarn überfallen, um der Corona-Depression zu entgehen

Nun, es geht auch anders. Wie man kraftvoll aus einer Pandemie aufersteht, beweist aktuell jemand wie Wladimir Putin. Der mittlerweile knapp 70-jährige Herrscher aller Russen hat umgesattelt. Anstatt wie früher in Sibirien Bären zu schießen oder auf struppigen Kosakenpferden durch die Steppe zu galoppieren, überfällt er heute seine friedlichen Nachbarn. Er hat für sich den richtigen Weg gefunden, um der totalen Corona-Depression zu entgehen. Wenn man schon selbst nicht mehr die Muskeln spielen lassen kann, müssen Panzer auffahren und Raketen fliegen.

Sein Kumpel im Geiste, Xi Jinping, der nur unwesentlich jünger ist, hat sich ein sportliches Deckmäntelchen übergeworfen. Freundlich grinst er vor künstlichem Schnee. Seine eigentliche Spielwiese ist die Unterdrückung jeder freiheitlichen Regung. Der Rest der Welt – erstarrt. Und muss erst einmal Worte finden für diese anarchische Form des Umgangs miteinander, die man doch für längst überwunden hielt.

Ja, ja, die Männer. Dass es auch anders geht, zeigt Deutschland. Während hier schon seit geraumer Zeit Frauen dafür gesorgt haben, dass die Bundeswehr auf gar keinen Fall nach außen hin einen Krieg anzündelt – was ich für sehr sympathisch halte –, müssen die Männer nach innen das Haus richten. Mir scheint, sie haben Probleme mit den richtigen Putzmitteln und ihrer Aufräumstrategie.

Es klopft, die beste Ehefrau von allen streckt mir ein Buch entgegen: „Hier, komm‘ mal auf andere Gedanken!“ Ja, ja, ich ahnte es schon: Karl May, Winnetou – Band 1. Männer eben.


Zur Person:

  • Der Journalist Andreas Kathe lebt in Dinklage. Lange Jahre war er Redakteur und Redaktionsleiter der OV.
  • Den Autor erreichen Sie unter: redaktion@om-medien.de.

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