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Erinnern und Mahnen

Kolumne: Auf ein Wort –  Erinnert wird an den Dominikanerpater Laurentius Siemer aus Elisabethfehn.    Er unterstützte Widerstandsgruppen gegen die Nazis und wurde deshalb steckbrieflich gesucht.

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An den öffentlichen Gebäuden weht am Mittwoch (20. Juli) die Deutschlandfahne. Die Beflaggung soll uns, die Bürgerinnen und Bürger des Landes, daran erinnern, dass heute vor 78 Jahren, am 20. Juli 1944, mutige Menschen versucht haben, durch ein Attentat auf Adolf Hitler der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ein Ende zu bereiten. Etliche von ihnen haben den Versuch, der bekanntlich scheiterte, mit dem Leben bezahlt.

Ich halte solche Gedenktage für sinnvoll und wichtig. Wichtig für das Erinnern und für das Mahnen. Unter den Menschen, die sich im Widerstand gegen das Unrechtsregime der Nazis engagiert haben, waren viele, die dies aus christlicher Überzeugung getan haben. Was die Nationalsozialisten Juden, Behinderten und unzähligen Angehörigen anderer gesellschaftlicher Gruppen Schreckliches antaten, das konnten und wollten sie nicht länger hinnehmen.

Ich denke an den evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, an den Jesuitenpater Alfred Delp, an den Seligen Nikolaus Groß, um nur einige zu nennen. Sie wurden im Zusammenhang mit dem Attentat vom 20. Juli verfolgt, inhaftiert und hingerichtet. Mir kommt am heutigen Tag auch der Name meines Mitbruders, des Dominikanerpaters Laurentius Siemer, in den Sinn. Der aus Elisabethfehn im Landkreis Cloppenburg stammende Siemer unterstützte seit 1941 aktiv Widerstandsgruppen gegen die Nazis und ermöglichte ihnen geheime Treffen im Dominikanerkloster in Walberberg.

"Das entschiedene Eintreten gegen erkanntes Unrecht bleibt eine dauerhafte Aufgabe."Pater Karl Gierse

Siemers Rolle im christlichen Widerstand hat sehr eindrücklich der Film "Mit Gott gegen Hitler" aufgezeigt, der im Frühjahr 2020 im "Ersten" gezeigt wurde (auf Youtube ist der Film weiter abrufbar). Den Nazis schien Siemer so gefährlich, dass sie im Sommer 1944 die Menschen per "Steckbrief" aufforderten: "Sucht den Provinzial des Dominikanerordens Josef Siemer, genannt Pater Laurentius, der sich führend an der Vorbereitung des Attentats auf den Führer vom 20. Juli 1944 beteiligt hat!"

Dank des solidarischen Verhaltens der Menschen hier in Südoldenburg konnte Siemer bis zum Kriegsende in Schwichteler und Handorf untertauchen und entging so mit großer Wahrscheinlichkeit seiner Hinrichtung. Siemer starb im Oktober 1956 in Köln. In Erinnerung an diesen christlichen Widerstandskämpfer aus dem Oldenburger Münsterland trägt das Gymnasium in Ramsloh im Saterland seinen Namen. Das entschiedene Eintreten gegen erkanntes Unrecht bleibt eine dauerhafte Aufgabe.

Angesichts des fürchterlichen Angriffskrieges gegen die Ukraine hat es erneut an Bedeutung gewonnen. Die Erinnerung an den 20. Juli 1944, sie ermahnt uns, solchem Unrecht Widerstand entgegenzusetzen, selbst wenn wir dafür den einen oder anderen Nachteil in Kauf nehmen müssen.

Zur Person

  • Karl Gierse ist Prior des Vechtaer Dominikanerkonventes.
  • Er wirkt in verschiedenen Bereichen der Seelsorge in Vechta und im Oldenburger Land.
  • Kontakt unter: redaktion@om-medien.de.

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