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Er hilft bereits zum dritten Mal im Überschwemmungsgebiet

Sehr persönliche Ansichten, immer dieselben 10 Fragen: Detlef Franzke aus Vechta engagiert sich für Flutopfer.

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Packt seine Hilfsgüter auf die Ladefläche: Detlef Franzke.   Foto: M. Niehues

Packt seine Hilfsgüter auf die Ladefläche: Detlef Franzke.   Foto: M. Niehues

Und? Wie ging es in letzter Zeit?
Gut, ich hatte viel zu tun. Zu dem Zeitpunkt, als die Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen ausbrach, war ich zufällig als Lkw-Fahrer in der Nähe. Ich habe also selbst gesehen, was dort an Wasser runterkam, und spontan entschlossen, zu helfen. Auch danach habe ich zusätzlich eine Woche Urlaub dort verbracht, um mich einzubringen. Reservistenkameraden und eine Arztpraxis hatten Geld gespendet. Davon hatte ich Lebensmittel, Konserven, Kaffee, Hygieneartikel, Spielzeug und noch mehr gekauft und mein Auto vollgepackt. Beim Infopunkt in Wolpertsheim konnten sich Betroffene melden, die Hilfe brauchten. Darüber bin ich auch an Familien vermittelt worden, habe Wände von Häusern gesäubert und mich handwerklich eingebracht, um die Schäden zu beseitigen. Dieses Wochenende fahre ich zum dritten Mal dorthin. Jetzt mit einem Sprinter voller Material, das dort gebraucht wird. Es gibt verschiedene Spender, die mich unterstützen. Dieses Mal werde ich unter anderem auch Geschirrspüler, Herde und Waschmaschine dorthin bringen können - gebrauchte Geräte, die generalüberholt worden sind. Außerdem habe ich Holzpellets zum Heizen dabei. Viele Freundschaften sind durch den Einsatz im Krisengebiet entstanden.

Was haben Sie sich einmal so richtig gegönnt?
Nichts, auch wegen Corona. Statt Urlaub irgendwo zu verbringen, war ich ja im Flutgebiet im Arbeitseinsatz. Das war aber auf jeden Fall eine besondere Erfahrung, die ich nicht missen möchte.

Wenn Sie König von Deutschland wären: Was gehört als erstes abgeschafft?
Die Bürokratie. Das habe ich noch einmal am Beispiel Flutkatastrophe deutlich erlebt. Wir Helfer wollten das Ufer reinigen. Das war aber aus versicherungstechnischen Gründen nicht gestattet. Und dann wollte es der Nabu verhindern, weil es vielleicht irgendwo besonders bedrohte Tierarten geben könnte. Als wenn die durch das kontaminierte Dreckwasser nicht mehr gefährdet gewesen wären. Letztlich kam schweres Gerät zum Einsatz. Und erlebt habe ich, dass Versicherungen nicht zahlen wollen. Viele Leute waren gegen Starkregenfälle versichert, nicht aber gegen eine Flut. Die Versicherungen reden sich jetzt raus. Das ist eine bodenlose Frechheit.

Welchen Traum werden Sie sich als nächsten erfüllen (können)?
Ich habe eigentlich keine Träume. Ich möchte schon ganz gerne einen eigenen US-Truck haben.

Was tun Sie am liebsten?
Lkw fahren. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Aber ich bin auch gerne Onkel und unternehme viel mit meinem Neffen.

Welche Eigenschaften mögen Sie an sich selbst? Und welche nicht?
Wenn's ums Aufräumen geht, schiebe ich das gerne zu lange hinaus. Positiv ist aber, glaube ich, dass ich mich gerne um meine Mutter kümmere, wenn sie Hilfe benötigt.

Welche TV-Sendung sehen Sie am liebsten?
Großstadtrevier zum Beispiel. Aber auch allgemein deutsche Krimi-Serien wie Alarm für Cobra 11. Trucker Babes gucke ich mir auch gerne an.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal treffen?
Mit Jan Fedder hätte ich mich gerne getroffen. Ich mochte seine besondere Art und seinen Humor. Er war sicherlich kein einfacher Typ. Das machte ihn aber auch wieder interessant.

Was würden Sie gerne einmal wieder essen?
Ich esse alles, bin auf nichts Besonderes fixiert. Wenn ich zum Beispiel im Ausland bin, will ich immer zuerst das Nationalgericht essen.

Welches Thema in den lokalen Medien hat Sie am meisten beschäftigt?
Alles über das Thema Corona. Das hat mich sehr beschäftigt. Aber die Querdenker mag ich nicht.  Ich kann darüber, was die von sich geben, nur mit dem Kopf schütteln.


Zur Person:

  • Detlef Franzke ist 56 Jahre alt, ist ledig und lebt in Vechta.
  • Der gelernte Maurer ist seit knapp 30 Jahren als Berufskraftfahrer tätig.
  • Er ist im Landkreis der Vorsitzende des Bundes der deutschen Berufskraftfahrer.
  • Außerdem engagiert er sich in der Reservistenkameradschaft und ist Mitglied im Vechtaer Bürgerschützenverein und der Katholischen Arbeiternehmer-Bewegung in Vechta.

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