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Entschlacken – Entgiften – Durchspülen

Kolumne: Notizen aus dem wahren Leben – Dass der Mensch viel Wasser trinken muss, ist allgemein bekannt. Doch warum tun sich die Alten so schwer damit?

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Mit dem täglichen Routinegriff befreie ich den dusseligen Mähroboter aus seiner Kuhle, in der er sich, ohne zu lernen, jeden Tag aufs Neue zur Ruhe setzt. Dann ab auf die Terrasse zu Oma und meiner Tante. Beide sitzen bei strahlendem Sonnenschein auf ihren Gartenstühlen bei mindestens 25 Grad und schlürfen mit Schweißperlen im Gesicht ihren geliebten heißen Kaffee. Ein kurzes "Moin" und die strenge Frage „Wo ist euer Wasserglas?“. Die Antwort ist immer die gleiche: „Ach Jung, wir trinken doch Kaffee.“

Ich – unbelehrbar – schleppe wie jeden Tag die Wassergläser an und bestehe auf Austrinken. Mit meinen ewigen Schlaumeier-Vorträgen stoße ich allerdings oft auf ziemlich taube Ohren. „Das Wasser spült eure Nieren durch und vertreibt die schädlichen Reste eurer zahlreichen Medikamente und es kann vor Demenz schützen, wenn das Gehirn ordentlich mit Wasser versorgt wird“, so gebe ich den besorgten Oberlehrer. Einzig das Demenz-Argument zieht manchmal und ich darf nochmal ordentlich nachschenken.

Aber eigentlich weiß ich ja ganz genau, Oma und die Tante haben immer noch Opas Lebensweisheit im Kopf: „Ich häbb all so väle Lüe mit Waoter inne Beine seihn. Aower noch kien einen mit Beier inne Beine.“

"Irgendwie haben es die Senioren nicht so mit dem (Wasser-)Trinken. Ganz anders die jungen Frauen in unseren Einkaufsstraßen im OM."Antonius Schröer

Irgendwie haben es die Senioren nicht so mit dem (Wasser-)Trinken. Ganz anders die jungen Frauen in unseren Einkaufsstraßen im OM. Aus ihren Umhängetaschen ragt immer mindestens eine Literpulle edelsten Wassers. In Büros stehen auf allen Tischen – nie mehr als eine Armlänge entfernt – riesige Wasserflaschen. In unseren Läden haben die Mitarbeiterinnen immer ein gefülltes Glas Wasser hinter der Kasse oder zumindest schnell erreichbar. Sogar Babys und Kleinkinder nuckeln in ihren Buggys fleißig an ihren Minifläschchen. Viel trinken – eine Selbstverständlichkeit für alle.

Aber warum tun sich die Alten so schwer damit? Ich habe das Wassertrinken auch nie gelernt, früher als kleiner Junge bekamen wir beim Essen einen ernsten Blick, wenn wir uns nach Flüssigem sehnten. Wir sollten erstmal essen, das Wasser mache nur den Magen voll – Punkt. Mittlerweile fliegen wir nicht nur zum Mond, sondern wissen, 2 Liter Wasser am Tag sind gut und irgendwie auch besser als der edle Mariacron, den die Alten sich vorm Mittagessen gerne gönnen. Hoffnung geben die News aus England, selbst unser aller Altersvorbild – Ihre Majestät, die Queen – führt seit einiger Zeit neben Duftmarken, Spiegel und Lippenstift immer eine Wasserflasche im Handtäschchen mit sich. Das wertet meine Argumente bei Oma und der Tante enorm auf – danke, liebe Queen! Doch wenn sie mir erzählen, sie hätten gerade getrunken, das leere Glas stünde in der Küche, dann mach ich routiniert den Fingertest und fühle oft einen knochentrockenen Glasboden.

Ein bisschen Schummeln kann man ja versuchen, auch mit über 90. So trage ich weiter täglich gefüllte Wassergläser zu den Senioren und bekomme nachher bestimmt Schimpfe, dass ich darüber geschrieben habe. Aber wenn’s hilft – Prost.


Zur Person:

  • Der Autor Antonius Schröer führt mehrere Modehäuser.
  • Der 61-Jährige verkörpert das Vechtaer Original „Straßenfeger“ im Karneval.
  • Kontakt: redaktion@om-medien.de.

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