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Engagement ist Hobby, kein Zwang

Beim 2. politischen Themenabend des Friesoyther  Bildungswerkes berichten Malin Knelangen, Sönke Baumdick, Jan-Gert Roter und Johann Wimberg über ihr gesellschaftliches Engagement in jungen Jahren.

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Es gibt sie noch, die jungen Leute, die sich gesellschaftlich und politisch engagieren. 3 davon äußerten sich am Mittwoch beim 2. politischen Themenabend des Bildungswerks Friesoythe vor über 60 Zuhörerinnen und Zuhörern zu der Frage, warum sie ihre Freizeit der Tätigkeit in Verbänden, Vereinen oder politischen Gremien opfern.

Wobei das Wort "Opfern" nach Ansicht von Malin Knelangen aus Sedelsberg fehl am Platze ist. "Das ist kein Zwang", sagt die 17-jährige Schülerin. "Das ist eher mein Hobby." Sie setzt sich für den Erhalt des Saterfriesischen ein, ist seit 3 Jahren in der Jungen Union (JU), sitzt seit 2019 im JU-Kreisvorstand und engagiert sich in der Landjugend Sedelsberg. "In der Politik wird geredet, in der Landjugend packt man an", beschreibt sie die Unterschiede. Den Grund für ihr vielfältiges Engagement fasst sie in einem Satz zusammen: "Ich will was bewegen."

"In der Kommunalpolitik kann ich mein persönliches Umfeld gestalten. Diese Möglichkeit habe ich sonst nirgendwo."Jan-Gert Roter, jüngstes Mitglied im Friesoyther Stadtrat

Dieses "Bewegen-wollen" hat sie mit den anderen Protagonisten des Abends gemeinsam. "In der Kommunalpolitik kann ich mein persönliches Umfeld gestalten", sagt etwa Jan-Gert Roter, der seit 2018 als jüngster Ratsherr im Friesoyther Stadtrat sitzt. "Diese Möglichkeit habe ich sonst nirgendwo."

Für Sönke Baumdick, der wie die beiden anderen in vielen unterschiedlichen Bereichen ehrenamtlich arbeitet, hat Engagement zudem etwas mit Haltung zu tun. "Ehrenamtliches Engagement ist immer auch gesellschaftliches Engagement, sein eigenes Umfeld gestalten zu wollen ist automatisch auch ein politisches Engagement", befand er.

Wie kann man junge Leute motivieren?

Auch bei Landrat Johann Wimberg, der als 4. Teilnehmer auf dem virtuellen Podium saß, stand der Wunsch, sich einbringen zu wollen, am Anfang seines Engagements. Wimberg war mit 21 in den Friesoyther Stadtrat und später zum jüngsten Bürgermeister Niedersachsen gewählt worden. "Er ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich das Engagement in der Jugend später entwickeln kann", befand Moderator Carsten Bickschlag, Redaktionsleiter der Nordwest-Zeitung in Friesoythe.

Im Zentrum des Themenabends stand indes die Frage, wie man junge Leute heute dazu motivieren kann, sich – wie und wo auch immer – zu engagieren. Ein schwieriges, aber kein neues Thema, sagte Wimberg. "Die Frage gab es auch vor 30 Jahren." Er beobachte eine Hinwendung zu projektorientiertem Engagement, aber wenig Interesse an einer langfristigen Bindung, etwa für ein politisches Mandat.

"Junge Leute sind die Meinung der Zukunft, Deine Meinung ist wichtig."Malin Knelangen, Schülerin

Roter und Baumdick unterstrichen übereinstimmend, dass es am Engagement der jungen Menschen nicht mangele. "Da muss man sich ja nur Fridays for Future anschauen“, sagte Roter. "Man muss sie nur gezielt ansprechen." Baumdick vermisst dabei niedrigschwellige Angebote und brachte eine Rathaussimulation ins Gespräch, bei der Jugendliche ein eigenes Thema in Eigenregie entwickeln und umsetzen können.

Knelangen nahm sich selbst und andere engagierte Jugendliche in die Pflicht. "Man muss mit gutem Beispiel vorangehen und sein eigenes Engagement kommunizieren", forderte sie. Man müsse von der Vorstellung wegkommen, dass man nur mit Lebenserfahrung etwas sagen dürfe. "Junge Leute sind die Meinung der Zukunft, Deine Meinung ist wichtig", formulierte sie ihren Anspruch.

Dass auch die Meinung jüngerer Leute gehört wird, bestätigten Roter und Baumdick aus ihrer Erfahrung im Rat. "Wir begegnen uns da auf Augenhöhe", versicherte Roter. Er sei am Anfang sehr zurückhaltend gewesen, wisse jetzt aber, dass jeder seine Beiträge leisten und Fragen stellen könne. "Die eigene Perspektive wird gebraucht", hat auch Baumdick festgestellt. "Und es ist gut, dass man die einbringen kann."

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