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Energiekosten: So sparen die Kommunen

Maßnahmen wie die Reduzierung der Straßenbeleuchtung und der Raumtemperaturen sind in der Diskussion.

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Sprung ins kältere Wasser: Einige Kommunen überlegen, die Wassertemperatur in ihren Hallenbädern zu senken. Im Aquaferrum wurde das bereits versucht. Die Maßnahme führte nach Angaben der Verwaltung zu Kritik von Besuchern. Foto: dpa

Sprung ins kältere Wasser: Einige Kommunen überlegen, die Wassertemperatur in ihren Hallenbädern zu senken. Im Aquaferrum wurde das bereits versucht. Die Maßnahme führte nach Angaben der Verwaltung zu Kritik von Besuchern. Foto: dpa

Straßenlaternen früher abschalten, das Wasser im Hallenbad nicht mehr so stark erwärmen, Duschen in Sporthallen nur noch mit kaltem Wasser laufen lassen: Mit Maßnahmen wie diesen reagieren Kommunen deutschlandweit auf die explodierenden Energiekosten, die überall auch den kommunalen Haushalt belasten. Welche Pläne die Kommunen im Nordkreis haben und welche Maßnahmen schon umgesetzt wurden, hat OM-Medien in den Rathäusern in Erfahrung gebracht.

Barßel: Für 2022 sind Stromkosten in Höhe von 137.900 Euro und Gaskosten in Höhe von 168.500 Euro sowie Kosten für die Straßenbeleuchtung in Höhe von 54.000 Euro im Haushalt eingestellt. „Welche Zahlen für 2023 eingeplant werden, wird im Herbst erörtert werden müssen. Prognosen sind natürlich ein schwieriges Unterfangen“, sagt Bürgermeister Nils Anhuth.

Zur Senkung des Energieverbrauchs seien in den vergangenen Jahren bereits einige Maßnahmen umgesetzt worden. So seien am Schulzentrum ein Blockheizkraftwerk installiert und das Hallenbad energetisch saniert worden und die Dreifeldsporthalle wurde im Rahmen der Sanierung und Modernisierung auf den Stand eines KfW-Energieeffizienzgebäudes gebracht. Zudem werden Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern der IGS und von drei Grundschulen genutzt. All diese Maßnahmen ließen sich auch an den gesunkenen Energieverbräuchen ablesen. So seien die Gasverbräuche am Schulzentrum/Hallenbad von gut 2.000.000 kWh im Jahr 2012/13 auf rund 1.200.000 kWh im Jahr 2018 gesunken. Auch der Stromverbrauch am Schulzentrum sei von 2011/12 bis 2018 von gut 265.000 kWh auf rund 193.000 kWh gesenkt worden. Ein weiteres Beispiel sei die Sanierung der Junker-Harke-Grundschule in Harkebrügge. Nach der Sanierung sank der Gasverbrauch von gut 568.000 kWh im Jahr 2010 auf unter 175.000 kWh in 2018. Bei der Straßenbeleuchtung wurden bereits 1600 der 2000 Laternen auf LED-Beleuchtung umgerüstet. Die aktuellen Schaltzeiten der Straßenbeleuchtung haben sich nach Auskunft von Bürgermeister Nils Anhuth bewährt und sollen beibehalten werden. Weitere Sparmaßnahmen sind bisher noch nicht konkretisiert worden.

Bösel:  Die Gemeinde Bösel bereitet sich nach Angaben von Bürgermeister Hermann Block ebenfalls auf die künftigen knappen Energieressourcen und die steigenden Preise vor. Schon seit Jahren investiere die Gemeinde in energieeffiziente Technik. In der Ortsmitte wird bald die gesamte Straßenbeleuchtung auf LED umgestellt sein, ebenso wie ein Großteil der Beleuchtung in den Schulen. Die Sport- und Schwimmhalle an der Jahnstraße wurde mit energieeffizienten Lüftungsanlagen ausgestattet. Die Oberschule erhält in diesem Jahr eine neue Lüftungsanlage in der Aula.

Ein großer Vorteil sei der Anschluss der großen Wärmeabnehmer in Bösel (Hallenbad, Rathaus, Oberschule, St.-Martin-Schule, Sporthallen, Schießhalle, Vereinsheim SV Bösel und Feuerwehr) an eine Biogasvernetzung. Dies mache die Gemeinde unabhängiger vom Erdgas. So sei aktuell auch noch nicht beabsichtigt, das Hallenbad teilweise zu schließen oder die Wassertemperatur zu senken. Die Gemeinde stelle aber derzeit, so Bürgermeister Block, die Möglichkeiten der Energie- und Kosteneinsparungen für die anstehenden Gremiensitzungen zusammen. Insbesondere müsse überlegt werden, ob die in den letzten Jahren erhöhten Beleuchtungszeiten für die Straßen und Wege wieder reduziert werden sollen. Auch die Raumtemperatur in Büros, Klassenräumen, Sporthallen sowie die Wassertemperatur im Hallenbad könnten in Zukunft an die Mindestvorgaben angepasst werden: „Hier werden das Land Niedersachsen wie auch der Bund sicherlich neue Regelungen schaffen.“

Auf weite Sicht möchte die Gemeinde weiter in energieeffiziente Technik investieren. Das Thema Klimaschutz soll vorangetrieben werden. Block hofft, noch in diesem Jahr einen Klimaschutzmanager einstellen zu können.

Friesoythe: Auch die Stadtverwaltung in Friesoythe befasst sich mit den Möglichkeiten, Energie einzusparen. „Im laufenden Betrieb ist das aber gar nicht so einfach“, heißt es dazu. „Schließlich haben wir schon seit Jahren viele Maßnahmen umgesetzt, um den Strom- und Gasverbrauch zu reduzieren.“ Dass die Verbräuche in Schulen und Sporthallen während der Ferien fast „auf 0“ zurück gefahren werden, sei schon seit Jahren üblich. Bei der Beleuchtung habe sich die kontinuierliche Umrüstung auf LED-Technik bereits sehr gut bemerkbar gemacht. Die Straßenbeleuchtung aber soll zudem in den nächsten Monaten zeitlich reduziert werden. Auch die Heizungsanlagen der städtischen Gebäude werden aktuell noch einmal überprüft.

Ein „Energiefresser“ sei das Schwimmbad Aquaferrum. Hier fallen Verbräuche von jährlich 120.000 kWh an Strom und 1,5 Millionen kWh an Gas. Für 2022 wird mit Gesamtkosten von 300.000 Euro gerechnet. Die Kosten hätten sich im Vergleich zum Vorjahr, als das Bad coronabedingt aber auch lange geschlossen war, verfünffacht. Zudem habe man bereits versucht, im Aquaferrum die Temperaturen etwas herunterzufahren: „Die leicht reduzierte Wassertemperatur hat bereits zu Kritik geführt, obwohl eine Wassertemperatur von 28 Grad vor Jahren noch eher hoch war für ein Hallenbad.“

Bürgermeister Sven Stratmann hat eine nachhaltige Gesamtausrichtung der städtischen Immobilien und aller Energieverbraucher im Stadtgebiet im Blick: „Für das Schwimmbad haben wir bereits beschlossen, ein Zukunftskonzept zu entwickeln, das uns wegführt von fossilen Brennstoffen. “

Saterland: Thomas Otto, der Bürgermeister der Gemeinde Saterland, sieht seine Gemeinde mit Blick auf den Umgang mit Energie gut aufgestellt. „Wir machen nichts, was wir nicht in der Vergangenheit auch gemacht haben“, sagt er. Die Wärmedämmung der öffentlichen Gebäude sei längst erfolgt, ebenso die Umstellung auf LED-Straßenlaternen. Die seien in den Sommermonaten ohnehin komplett ausgestellt, ob man die Straßenbeleuchtung in den Herbst- und Wintermonaten reduziere, müsse der Stadtrat entscheiden. Auch beim Hallenbad in Ramsloh ist die Gemeinde gut aufgestellt. Dort hilft (wie berichtet) eine auf künstlicher Intelligenz basierende, vorausschauende Regelung der Lüftungsanlagen, Einsparpotenziale auszuschöpfen. Dadurch spart das Bad jetzt 20 Prozent der für die Lüftung erforderlichen Energie ein. Zudem wurde die Wassertemperatur von 31 auf 29,5 Grad gesenkt.

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