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Emsteker Detektive entlarven "Fake-News"

Drei Tage spüren Neuntklässler der Oberschule im Rahmen eines Planspiels falschen Zahlen, Bildern und Fakten nach. Nicht immer ist die Lüge einfach zu erkennen.

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Recherche: Gibt es weitere Quellen, in denen die Angaben bestätigt werden? Dafür werden verschiedenen Suchmaschinen genutzt. Foto:  Vorwerk

Recherche: Gibt es weitere Quellen, in denen die Angaben bestätigt werden? Dafür werden verschiedenen Suchmaschinen genutzt. Foto:  Vorwerk

Mr. Bean ist tot. Das zumindest verkündet ein Nutzer im Internet auf dem Video-Portal "TikTok", und die Nachricht lässt die Neuntklässlerin aus Emstek nicht los. Weilt der Schauspieler Rowan Atkinson tatsächlich nicht mehr unter uns? Eine schnelle Google-Recherche ergibt, dass sich der Brite bester Gesundheit erfreut. Eine Falschmeldung also – oder wie es seit Donald Trump allerorts genannt wird: "Fake-News".

Während der amerikanische Ex-Präsident in erster Linie echte Nachrichten in den Bereich der Märchen verortete, gibt es bewusst gestreute Falschmeldungen aus verschiedenen Gründen, und jeder kann darauf hereinfallen. Um junge Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren, hat die Oberschule Emstek in Zusammenarbeit mit der örtlichen Bücherei ein dreitägiges Planspiel gestartet, in dem die Jugendlichen zu "Fakehuntern" werden sollen, die bewusst platzierte Lügen aufdecken.

Ein Pressesprecher, den es nicht gibt

Mit ihrem Lehrer Alexander Pape und Büchereileiterin Ulla Moormann haben sich die Schüler auf einem eigens eingerichteten Nachrichtenportal angemeldet. Die Büchereizentrale Schleswig-Holstein hat dieses Programm entwickelt, und die Gestaltung könnte so oder ähnlich überall im Netz zu finden sein. "Norddeutschland bekommt noch einen Feiertag" wird dort beispielsweise getitelt. Nach dem Reformationstag soll unter anderem in Niedersachsen auch der Buß- und Bettag wieder arbeitsfrei sein. Dazu wird auch der Pressesprecher der Deutschen Vereinigung für christliche Religionen, namentlich zitiert, und auch die vermeintliche Aussage eines Sprechers des Hamburger Senats wird veröffentlicht. Aber kann das stimmen? 

Zu schön, um wahr zu sein. Den Pressesprecher Heiner Goosage gibt es genauso wenig, wie die Deutsche Vereinigung für christliche Religionen. Eine klare Falschmeldung. Aber warum sollte jemand so etwas streuen? In so einem Fall vermutlich, um Klicks zu generieren. Nutzer sollen animiert werden, die Schlagzeile anzuklicken und werden so auf eine Internetseite gelockt, auf der Werbung zu finden ist. Je mehr Menschen auf dieser Seite landen, desto häufiger klingelt die Kasse. 

Das ist noch die harmlosere Variante, denn mit gezielten Falschmeldungen können auch Menschen in ein schlechtes Licht gerückt werden. Das kann als Mobbing im privaten Bereich geschehen, im großen Stil können aber auch Wahlen beeinflusst werden. Oft reicht es, um ein nicht auf Fakten basiertes Meinungsbild zu festigen. Woher am Ende die Information kommt, spielt nach kurzer Zeit keine Rolle mehr. Nach dem Motto: "Das habe ich irgendwo gehört."

Rückwärtssuche für Fotos nutzen

Am ersten Tag des Planspiels stehen der Datum-Check, die Bilderüberprüfung und die Quellenkontrolle an. In Gruppen sind die "Detektive" im Internet unterwegs, um den Wahrheitsgehalt abzuklopfen. Beim Foto zum Bericht "Stadion von Holstein Kiel doch für die 1. Bundesliga geeignet" fällt dies noch leicht, denn zu sehen ist ein Baseball-Stadion mit beeindruckenden Ausmaßen. Die für jedermann zugängliche Seite www.tineye.com hilft dabei. Das vorgelegte Foto kann mit Tablet oder Smartphone fotografiert werden, und in den Ergebnissen ist zu sehen, in welchem Zusammenhang zu welcher Zeit es bereits veröffentlicht wurde.

Dass Zucker plötzlich ein Heilmittel sein soll, lässt ebenfalls aufhorchen. Zweifel an dieser Studie kommen auf, als im Impressum die Fixsuess AG Zucker auftaucht. Der Autor wird nicht genannt, und es fehlen Angaben zur Datenschutzgrundverordnung. In der Summe ist die Nachricht also eher als unseriös einzustufen, weil Quellenangaben fehlen, die die eigene Überprüfung ermöglichen würden. Dass Donald Trump als US-Präsident 2012 dem Versandriesen Amazon mit höheren Steuern gedroht haben soll, ist schnell widerlegt. Damals hatte Barack Obama gerade erst seine zweite Amtszeit angetreten.

2. Weltkrieg begann mit "Fake-News"

Fake-News sind nicht neu und beileibe keine Erfindung von Donald Trump. Schon vor Jahrhunderten fanden gezielte Falschmeldungen den Weg in Politik und Gesellschaft. Der 2. Weltkrieg begann mit "Fake News", als zunächst über das Radio verbreitet wurde, dass der Sender Gleiwitz von polnischen Männern überfallen worden sei. Es war aber eine Inszenierung durch die SS, mit der Hitler seinen Angriff auf Polen rechtfertigte.

Eine reißerische Aufmachung alleine lässt noch nicht auf "Fake-News" schließen, denn auch seriöse Medien müssen ihre Beiträge den Lesern schmackhaft machen. Supernews-SH ist als Name vielleicht nicht der größte Geniestreich, er könnte aber auch für ein Portal mit gut recherchierten Nachrichten stehen. Das Planspiel zeigt an drei Tagen eindrucksvoll, dass es für die Nutzer sozialer Medien - egal welchen Alters - nicht immer einfach ist, Wahrheit und Lüge voneinander zu trennen. Die Jugendlichen wissen nun aber wenigstens, mit welchen Werkzeugen sie "Fake News" enttarnen können.

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