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Eltern wollen sich in Vechta mehr Gehör verschaffen

Der Stadtelternrat der Kindertagesstätten in der Stadt Vechta möchte nicht nur den Zeigefinger heben, sondern an der Lösung von Problemen aktiv mitwirken. Die ersten Ansätze sind positiv.

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Die Arbeit wird auf mehrere Schultern verteilt: Vorsitzende Miriam Rehling und ihre beiden Stellvertreterinnen Nicola Brennecke und Marion Hermes stehen in ständigem Austausch. Ihr Ziel ist es, den Eltern der Kindertagesstätten in der Stadt Vechta mehr Gehör zu verschaffen. Foto: Speckmann

Die Arbeit wird auf mehrere Schultern verteilt: Vorsitzende Miriam Rehling und ihre beiden Stellvertreterinnen Nicola Brennecke und Marion Hermes stehen in ständigem Austausch. Ihr Ziel ist es, den Eltern der Kindertagesstätten in der Stadt Vechta mehr Gehör zu verschaffen. Foto: Speckmann

Bei der jüngsten Demonstration gegen den Entwurf des neuen Kita-Gesetzes hat der Stadtelternrat der Kindertagesstätten eine originelle Idee. Der Vorstand um Vorsitzende Miriam Rehling baut einen Protestzug aus Spielfiguren vor dem Vechtaer Rathaus auf und plakatiert seine Forderungen an einer Wand aus Kartons. Die Aktion sorgt für Aufsehen, und sie ist beispielhaft für das neue Engagement, das die Elternvertreter aus der Kreisstadt an den Tag legen. Sie wollen sich in Zukunft verstärkt für die Arbeit in den Betreuungseinrichtungen einsetzen.

"Das Kindeswohl steht an zentraler Stelle", unterstreicht die Vorsitzende. Dabei denkt sie nicht nur an den pädagogischen Gedanken, der nach Auffassung der Kritiker in der landesweiten Novelle zu kurz kommt. Auch in anderen Bereichen gibt es Handlungsbedarf, insbesondere mit Blick auf die Öffnungsstrategien in der Corona-Pandemie. Hier wollen sich die Elternvertreter bei der Entwicklung von Lösungen aktiv einbringen.

Neue Satzung soll Kontinuität in die Arbeit bringen

Der Stadtelternrat der Kindertagesstätten hat sich in den vergangenen Wochen breiter aufgestellt. Anstatt die Arbeit auf die Vorsitzende zu fokussieren, werden die Aufgaben jetzt auf mehrere Schultern verteilt. Dabei sieht Miriam Rehling ihre beiden Stellvertreterinnen Nicola Brennecke und Marion Hermes auf Augenhöhe. "Die Hierarchie gibt es nur auf dem Papier. Wir werden das unkompliziert halten", sind sich die 3 Mütter einig.

Neben der Vergrößerung des Vorstands haben die Elternvertreter eine Satzung verfasst. Sie beschreibt die Arbeit und Ziele des Gremiums und soll für mehr Kontinuität sorgen. An dem stabilen Gerüst können sich dann auch nachfolgende Mitglieder orientieren. Schließlich herrscht aufgrund der jährlichen Neuwahlen von Elternvertretern in den 15 Kindertagesstätten auf Stadtebene auch im obersten Gremium eine hohe Fluktuation.

"Eine gute Kita braucht aktive Eltern."Miriam Rehling, Vorsitzende des Stadtelternrates der Kindertagesstätten der Stadt Vechta

"Wenn man in der Kindertagesstätte ist, kennt man sich noch nicht aus", weiß Nicola Brennecke aus persönlicher Erfahrung. Sie habe den Eindruck gewonnen, dass die Beteiligung in einzelnen Einrichtungen in der Vergangenheit etwas stiefmütterlich gewesen sei und wünscht sich daher eine verstärkte Mitwirkung. "Ihr könnt eure Anliegen formulieren und weitertragen, man kann ins Gespräch kommen und Lösungen finden", so der Appell an alle Eltern.

"Eine gute Kita braucht aktive Eltern", betont Miriam Rehling, die als Stadtelternratsvorsitzende im städtischen Ausschuss für Familie, Gesundheit und Soziales sitzt. Doch um die gewünschten Bedingungen in den Betreuungseinrichtungen zu erreichen, sei eine deutlich stärkere Mitsprache und Einflussnahme erforderlich. Der Stadtelternrat verstehe sich hier als Bindeglied zwischen Elternschaft sowie Leitung und Trägern der Kindertagesstätten und auch als Gesprächspartner für Verwaltung und Politik.

Marion Hermes lobt den Austausch und Informationsfluss, der in den vergangenen Monaten zwischen den Vertretern von Elternrat, Verwaltung und Familienbüro entstanden ist: "Da haben wir ein gutes Miteinander gefunden." Dieses Netzwerk soll in Zukunft noch weiter ausgedehnt werden. So schwebt dem Vorstand eine Kontaktaufnahme zu Elternräten von umliegenden Kommunen vor, zumal sich die Interessen in vielen Bereichen überschneiden. "Wir können voneinander lernen", sind die Vechtaer überzeugt.

Pandemie wirft viele Fragen in der Betreuung auf

Außerdem strebt der Stadtelternrat eine Zusammenarbeit mit Vertretern der Jugendarbeit an. Hier würde sich die Bildung eines runden Tisches anbieten, um über den Aufbau von neuen Angeboten nachzudenken, etwa im Bereich der Psychomotorik. Außerdem könnte es um die Frage gehen, wie sich der Übergang von der Kindertagesstätte in die Schule verbessern lässt, damit die Heranwachsenden keine Ängste entwickeln.

An Themen mangelt es den Verantwortlichen wahrlich nicht, allein schon mit Blick auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie: Welche Lösungen bieten sich zur weiteren Öffnung der Einrichtungen an? Wie können noch mehr Kinder an der Betreuung teilhaben? Lässt sich die Situation durch verstärktes Testen und Belüften verbessern? Wäre ein Aufenthalt in kleinen Gruppen auch im Freien, also wie bei Waldkindergärten möglich? Solche Fragen beschäftigen die Elternvertreter in diesen Tagen.

Tatsächlich könne das Angebot besser sein

Für den Stadtelternrat ist die Pandemie wie ein Trigger, der verschiedenste Themen rund um das Betreuungsangebot sichtbar macht und verstärkt. Nicht immer sei die Situation auf Stadtebene so zufriedenstellend, wie sie zuweilen von der Verwaltung dargestellt werde. So würden viele Wünsche bei der Vergabe von Betreuungsplätzen nicht in Erfüllung gehen. Auch die pädagogischen Ansätze müssten in einigen Einrichtungen noch stärker sichtbar gemacht werden. Es gehe darum, die Kinder nicht nur unterzubringen, sondern auch Bildungsarbeit zu leisten.

"Wir wollen als Stimme der Elternschaft und der Kinder noch stärker gehört werden", lautet die Ansage des neu formierten Vorstands. Aber für Miriam Rehling und ihre Mitstreiter geht es nicht darum, einfach nur den Zeigefinger zu heben und Forderungen aufzustellen. Sie wollen ihre Ideen beisteuern, sich gemeinsam Gedanken machen und somit zu einer lösungsorientierten Arbeit in den Kindertagesstätten beitragen. Die ersten Schritte auf diesem Weg machen Mut und Hoffnung, aber ihnen ist auch klar: "Es gibt viel zu tun!"

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