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Einsatzleitstelle Vechta erhält moderne Technik

Nach einem Grundsatzbeschluss des Kreistages war der Weg dafür frei. Unter anderem wurde der Ablauf bei Notrufen standardisiert und ein GPS-Tracking der Fahrzeuge eingeführt.

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Zu Gast in der Einsatzleitstelle: (vorne) Jürgen Franz (Disponent), Mechtild Vornhusen-Habe, Thorsten Deters (Disponent, hintere Reihe, von links), Christoph Reinke, Holger Böckenstette und Alfred Dinkelmann (Leiter der ELS Vechta) freuen sich über die neuen technischen Möglichkeiten. Foto: Kessen

Zu Gast in der Einsatzleitstelle: (vorne) Jürgen Franz (Disponent), Mechtild Vornhusen-Habe, Thorsten Deters (Disponent, hintere Reihe, von links), Christoph Reinke, Holger Böckenstette und Alfred Dinkelmann (Leiter der ELS Vechta) freuen sich über die neuen technischen Möglichkeiten. Foto: Kessen

Die Einsatzleitstelle (ELS) des Landkreises Vechta hat aufgerüstet: In den vergangenen 2 Jahren wurden zahlreiche neue Software-Systeme und Arbeitshilfen für die Mitarbeiter installiert, die die Arbeit in der Leitstelle einfacher und effizienter gemacht haben.

Vorausgegangen war ein Grundsatzbeschluss im Kreistag aus dem Jahr 2019. Dort wurde entschieden, dass die ELS nicht an die Großleitstelle Oldenburger Land angeschlossen werden sollte. Damit war der Fortbestand der ELS Vechta gesichert und Investitionen für die Zukunft konnten angeschoben werden.

Inbetriebnahme des neuen Gebäudes frühestens 2023

Dabei stand aber nicht nur die technische Ausrüstung zur Debatte,  denn auch das Gebäude der ELS an der Oldenburger Straße 27 in Vechta ist stark sanierungsbedürftig. Der Landkreis entschied sich für einen Neubau, der zusammen mit der Feuerwehrtechnischen Zentrale auf einem Areal neben der Ortsfeuerwehr Vechta entstehen soll.

Eine Inbetriebnahme des Gebäudes könnte nach derzeitigem Stand Ende 2023 erfolgen. So lange wollten die Verantwortlichen der ELS aber nicht auf modernere Technik warten: "Wir arbeiten stetig an der Verbesserung der Qualität, auch noch am jetzigen Standort", betont Kreisrat Holger Böckenstätte.

Standardisierte Notrufabfrage wurde eingeführt

Deswegen wurde den 12 "Disponenten" bei der ELS Vechta, die im Jahr etwa 24.000 Fälle bearbeiten, eine standardisierte Notrufabfrage an die Hand gegeben. "Das ist quasi ein Fahrplan für die Disponenten, der bei einem Notruf abgearbeitet wird", sagt Mechtild Vornhusen-Habe, Sachgebietsleiterin für Feuerschutz und Rettungswesen beim Landkreis Vechta. Früher habe es die 5 W-Fragen gegeben – heute würden die Disponenten mithilfe der standardisierten Notrufabfrage durch das Gespräch führen.

„Wir gewährleisten damit die optimale Hilfeleistung – es werden keine Ressourcen verschwendet, aber auch nicht zu wenig Hilfe veranlasst.“Mechtild Vornhusen-Habe, Sachgebietsleiterin für Feuerschutz und Rettungswesen beim Landkreis Vechta

"Die Disponenten klicken sich mithilfe der Antworten des Anrufers durch das System", erläutert Vornhusen-Habe. Am Ende gebe es eine Handlungsempfehlung des Systems, zum Beispiel 2 Rettungswagen zu alarmieren. "Es gibt 36.000 Kombinationen aus Rettungsdienst, Feuerwehren und Polizei", macht sie die Vielfalt der möglichen Handlungen deutlich.

"Wir gewährleisten damit die optimale Hilfeleistung – es werden keine Ressourcen verschwendet, aber auch nicht zu wenig Hilfe veranlasst." Zudem sei es nun weniger entscheidend, welcher Disponent das Telefonat führt, denn am Ende stehe immer dasselbe Ergebnis. "Wir brauchen aber trotzdem weiterhin gut geschulte Mitarbeiter", ist sich die Sachgebietsleiterin sicher.

Bei vielen Verletzten sollen Patienten besser verteilt werden

Schon standardmäßig wird bei der ELS das System "IVENA" eingesetzt. "IVENA ist ein niedersachsenweites Krankenhaus-Zuweisungssystem", erklärt Christoph Reinke, der ärztliche Leiter Rettungsdienst des Landkreises. Die erste Diagnose am Einsatzort werde der örtlichen Leitstelle durchgegeben; diese weist den Patienten über IVENA einem Krankenhaus zu.

Eine Besonderheit bei der ELS Vechta ist nun die Erweiterung von IVENA um das Modul "MANV", das für "Massenanfall von Verletzten" steht. "Dieses Modul soll die Krankenhaus-Zuweisung bei einer Vielzahl von Verletzten erleichtern", erklärt Reinke. Dafür sei im Vorfeld mit den umliegenden Krankenhäusern "in enger Zusammenarbeit" abgeklärt worden, wie viele Patienten sie in einem solchen Fall maximal versorgen könnten. "Das System berechnet im Ernstfall dann freie Kapazitäten und schlägt geeignete Krankenhäuser zur Verteilung der Verletzten vor." 

Weitere Neuerungen wurden eingeführt

Vorher hätten die Disponenten bei einem solchem Szenario immer eine manuelle Bettenabfrage bei den Krankenhäusern durchführen müssen. "Das hat immer viel Zeit gekostet, die jetzt wegfällt", freut sich Reinke. Von einem "MANV" spreche man je nach Schwere der Verletzung ab 5 bis 7 Verletzten, seit der Einführung Ende 2020 sei dies im Landkreis Vechta jedoch noch nicht vorgekommen. "Es ist aber nur eine Frage der Zeit", ist Reinke überzeugt.

Eine weitere Neuerung ist das GPS-geführte Tracking der Rettungswagen. Damit können die Disponenten immer das nächste verfügbare Rettungsmittel zum Einsatz schicken. Außerdem wurde ein neues Planungsmodul eingeführt, wodurch anstehende Krankentransporte von einem System und nicht mehr händisch geplant werden.

Böckenstette: "zukunftsfähig aufgestellt"

Die Verantwortlichen aus dem Kreishaus sind zufrieden mit den Investitionen: "Wir haben uns zukunftsfähig aufgestellt", findet Böckenstätte. Und Vornhusen-Habe ergänzt: "Es kann optimale und angemessene Hilfe gewährleistet werden, unabhängig vom Fall oder dem Disponenten." 

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