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Einsatzkräfte bekommen Hilfe aus der Luft

Die Ortsfeuerwehr Vechta verfügt jetzt über ein neues Quad mit Drohnen-Technik. Das Produkt der Firma Alpha Robotics Germany aus Lohne ist Bestandteil eines kreisweiten Pilotprojektes.

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Quad mit modernster Ausstattung: Stadtbrandmeister Jan-Arthur Müller, Kreisbrandmeister Matthias Trumme, Projektleiter Philipp Hartke und Gruppenführer Simon Kröger (von rechts) wollen die Drohne künftig bei Feuerwehreinsätzen testen. Foto: Speckmann

Quad mit modernster Ausstattung: Stadtbrandmeister Jan-Arthur Müller, Kreisbrandmeister Matthias Trumme, Projektleiter Philipp Hartke und Gruppenführer Simon Kröger (von rechts) wollen die Drohne künftig bei Feuerwehreinsätzen testen. Foto: Speckmann

Die Ortsfeuerwehr Vechta hat ihren Fuhrpark erweitert. In der Halle steht jetzt ein geländegängiges Quad. Mit 91 Pferdestärken, Allradantrieb und Automatikgetriebe unterscheidet es sich kaum von handelsüblichen Modellen, wäre da nicht das Equipment. Das Fahrzeug ist ausgestattet mit einer hochmodernen Drohnen-Technik. Sie soll künftig bei Moorbränden und anderen Großlagen wertvolle Unterstützung aus der Luft leisten.

Der Lieferant kommt aus der Nachbarstadt Lohne. Es ist die Firma Alpha Robotics Germany. Kein Fahrzeugbauer im herkömmlichen Sinne, wie Geschäftsführer Oliver Rasche und Projektleiter Philipp Hartke bei der Präsentation in Vechta betonen. Ihr Fokus liegt auf der Kombination von Drohnen- und Netzwerktechnik, die im Feuerwehrwesen immer mehr an Bedeutung gewinnt und nun in einem Pilotprojekt im Landkreis Vechta zum Einsatz kommt.

Bei dem Quad handelt es sich um einen Prototyp

„Die Drohnen sollten eines Tages zum Standard in der Feuerwehr werden, ebenso wie es der Einsatz von Wärmebildkameras inzwischen geworden ist“, sagt Stadtbrandmeister Jan-Arthur Müller. Er kennt die Problematik bei großen Flächen- oder Gebäudebränden, wenn die Lage aus der normalen Perspektive kaum zu überschauen ist. Da braucht es schon Drehleitern oder Hubschrauber, um sich einen genauen Überblick zu verschaffen.

Ferngesteuerte Löschtechnik: Der taktische Einsatzroboter Alfa Wolf R1“ hat sich schon bei einem Moorbrand bewährt. Foto: SpeckmannFerngesteuerte Löschtechnik: Der taktische Einsatzroboter „Alfa Wolf R1“ hat sich schon bei einem Moorbrand bewährt. Foto: Speckmann

Bisher haben die Vechtaer auf die Drohnengruppe der Kreisfeuerwehr gebaut, die bei größeren Einsatzlagen automatisch ausrückt. Sie ist auch weiterhin enorm wichtig, jedoch im rund 20 Kilometer entfernten Steinfeld stationiert, was bei Einsätzen im Nordkreis zu zeitlichen Verzögerungen führen kann. Darum ist der Stadtbrandmeister froh über die ergänzende Ausstattung vor Ort: „Damit haben wir eine wesentlich schnellere Lageerkundung.“

Bei dem Quad handele es sich um einen Prototyp, erläutert Projektleiter Hartke. Als er die Klappe des rückseitigen Aufbaus öffnet, kommt die hochmoderne Ausstattung zum Vorschein. Die Drohne verfügt über zwei Kameras mit integrierter Wärmebildtechnik. Ihre Reichweite beträgt bis zu zweieinhalb Kilometer. Die Luftbilder werden auf einem Display und einem zusätzlichen Monitor dargestellt. Für den Empfang dienen zwei Antennenkuppeln.

Die Aufnahmetechnik findet sich auch in einem weiteren Fahrzeug von Alpha Robotics Germany wieder. Dabei handelt es sich um einen Geländewagen, der bereits seit Februar dieses Jahres bei der Ortsfeuerwehr Steinfeld steht. Im Innenraum des VW Amarok befinden sich mehrere fest installierte Monitore. Hier können die Einsatzkräfte die Aufnahmen der Drohne auswerten und daraus weitere Schritte für die Brandbekämpfung ableiten.

Roboter hat sich schon im Einsatz bewährt

Wo es den Kameraden buchstäblich zu heiß wird, kommt das dritte Produkt der Lohner Firma zur Anwendung. Der taktische Einsatzroboter „Alfa Wolf R1“ ist seit Oktober 2019 in einem Trägerfahrzeug bei der örtlichen Feuerwehr stationiert. Die Ausstattung lässt das Herz eines jeden Konstrukteurs höher schlagen: Kettenraubfahrgestell mit elektrischem Antrieb, Hochleistungskameras, Scheinwerfer, Seilwinde und Wasserwerfer. „Das Einzige, was dem Prototypen noch fehlt, ist ein Roboterarm und ein Massenspektrometer zur Erkundung von Gefahrstoffen. Die Serienreife wird in sechs bis acht Wochen erlangt sein“, sagt Hartke.

Nach Angaben der Feuerwehr hat der Roboter schon mehrere Einsätze erfolgreich bewältigt. Kreisbrandmeister Matthias Trumme räumt ein, dass er zunächst etwas skeptisch gewesen sei. Aber der Wasserwerfer mit einer Leistung von 2.000 Litern pro Minute habe ihn beim Moorbrand im April in Lohne überzeugt. Auch bei einsturzgefährdeten oder stark verqualmten Gebäuden wäre die ferngesteuerte Technik von Vorteil. „Sie erleichtert die Arbeit und schützt die Gesundheit der Kameraden“, erklärt der Kommandochef.

Alles im Blick: Kreisbrandmeister Matthias Trumme kann aus dem Einsatzfahrzeug heraus per Joystick den Roboter steuern. Die mitgeführten Kameras liefern Bilder. Foto: SpeckmannAlles im Blick: Kreisbrandmeister Matthias Trumme kann aus dem Einsatzfahrzeug heraus per Joystick den Roboter steuern. Die mitgeführten Kameras liefern Bilder. Foto: Speckmann

Vechtas Bürgermeister Kristian Kater ist von den neu entwickelten Spezialfahrzeugen sichtlich angetan: „Das ist ein Pilotprojekt, das bundesweit Schule machen könnte.“ In seinen Dank bezieht er neben dem Hersteller auch die Feuerwehr Vechta mit ihrem Gruppenführer Simon Kröger ein, unter dessen Leitung bereits eine zwölfköpfige Drohnengruppe gebildet und auch schon auf den Einsatz der neuen Technik vorbereitet worden ist.

Fahrzeuge und Geräte sollen kreisweit eingesetzt werden

Unabhängig von der jeweiligen Stationierung sind die beteiligten Feuerwehren bestrebt, die neuen Fahrzeuge und Geräte kreisweit einzusetzen. Sie werden als Bestandteile des Netzwerkes „Alfa TacticNet“ gesehen. Im Verbund lässt sich auch die Reichweite der Funktechnik steigern. Die Einsatzkräfte sollen sich von verschiedenen Standorten in das besonders leistungsstarke W-Lan-Netz einwählen und somit von den Aufnahmen der Drohnen partizipieren können.

Das gemeinsame Handeln ist ganz im Interesse des Herstellers. Alpha Robotics Germany stellt die Produkte leihweise für den Praxistest zur Verfügung, ist aber natürlich daran interessiert, die Drohnen- und Netzwerktechnik mittelfristig auf dem Markt zu etablieren. „Wir wollen zeigen, dass der Einsatz unserer Technik auf jedem Fahrzeug möglich ist“, sagt der Projektleiter.

In der aktuellen Probephase geht es darum, Erfahrungen zu sammeln, etwaige Schwachpunkte auszumerzen und die Technik weiterzuentwickeln. Die Zusammenarbeit mit den Brandschützern im Kreis Vechta liegt dabei nahe. Die kurzen Wege erleichtern die Kommunikation. Rasche und Hartke, selbst Mitglied in der Ortsfeuerwehr Lohne, können sich sogar persönlich vom Einsatz überzeugen: „Wir haben hier den direkten Draht!“

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