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Einsatz für den Klimaschutz: Aktivisten sind zurück auf der Straße

Die erste Demonstration von "Fridays for Future" nach der langen Zwangspause sorgt für Aufsehen in Vechta. Der Aufruf in einer Schule zieht Ärger nach sich.

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Lautstarker Protest auf der Straße: 50 Kinder, Jugendliche und Erwachsene zogen am Freitag durch die Vechtaer Innenstadt. Die nächste Demonstration soll am 24. September, also 2 Tage vor der Bundestagswahl, stattfinden. Foto: Speckmann

Lautstarker Protest auf der Straße: 50 Kinder, Jugendliche und Erwachsene zogen am Freitag durch die Vechtaer Innenstadt. Die nächste Demonstration soll am 24. September, also 2 Tage vor der Bundestagswahl, stattfinden. Foto: Speckmann

Über lange Zeit hatte die Bewegung "Fridays for Future" keine Gelegenheit, ihren Protest in der Öffentlichkeit kundzutun. Die regelmäßigen Demonstrationen auf der Straße fielen den Kontaktbeschränkungen während der Corona-Pandemie zum Opfer. Doch nun konnten die Akteure ihre Botschaften für den Klimaschutz endlich wieder im Kollektiv herausschreien. "Wir sind hier, wir sind laut, weil Ihr uns die Zukunft klaut!", riefen die Teilnehmer bei ihrem Umzug durch Vechta.

Die Beteiligung hätte sicher größer sein können: Nur etwa 50 Kinder, Jugendliche und Erwachsene versammelten sich am Freitagmittag auf dem Platz vor dem Zitadellenpark, um nach einer kurzen Einweisung in die Abstands- und Hygieneregeln zu einem Marsch durch die Innenstadt aufzubrechen. Mit Transparenten und Parolen machten die Klimaschützer auf sich aufmerksam. In den anschließenden Ansprachen ging es ganz konkret um die Herausforderungen in der Klimakrise.

Edda Kröger und Luisa Frank (beide 11) machten mit selbst gebastelten Plakaten deutlich, dass es keinen "Planet B" gibt, "wenn die Erde kaputtgeht". Die beiden Schülerinnen freuten sich, bei der ersten Demo nach der langen Zwangspause dabei zu sein. Nur während der Lockerungsmaßnahmen im vergangenen Sommer hatten einige heimische Akteure in die Pedale getreten und mit einer Fahrradtour für Aufsehen gesorgt.

Sprachrohr der Ortsgruppe: Nils Wolke aus der Gemeinde Essen führte die Demonstration an und fand auch bei der Abschlusskundgebung deutliche Worte. Foto: SpeckmannSprachrohr der Ortsgruppe: Nils Wolke aus der Gemeinde Essen führte die Demonstration an und fand auch bei der Abschlusskundgebung deutliche Worte. Foto: Speckmann

Bis vor etwa 2 Jahren gab es in ganz Deutschland wöchentliche "Fridays for Future"-Demonstrationen für Klimaschutz. Dass dieser Rhythmus durch die Pandemie unterbrochen wurde, machte auch den Aktivisten im Oldenburger Münsterland um ihren Ortsgruppendelegierten Nils Wolke zu schaffen. "Es war eine schwierige Zeit für uns", erklärte der 17-jährige Wirtschaftsgymnasiast aus der Gemeinde Essen.

Durch den Wegfall der Demonstrationen sei der Initiative ein Stück weit die Grundlage entrissen worden. Es sei schwierig gewesen, die Botschaften zu kommunizieren. "Wir mussten uns neu finden", berichtete Wolke. Er und seine Mitstreiter hätten versucht, die Proteste in den Online-Bereich zu verlagern, über den digitalen Weg aber nicht so viel Gehör gefunden wie bei Präsenzveranstaltungen.

Fokus der Öffentlichkeit lag lange nur auf der Pandemie

"Man hat in letzter Zeit gesehen, dass unser Thema nicht mehr so stark in der Öffentlichkeit vertreten war, weil der Fokus mehr auf der Pandemie lag", so Wolke und fügte im selben Atemzug hinzu: "Gleichzeitig hatte die Pandemie aber auch Vorteile." Es habe sich gezeigt, dass die Regierung handlungsfähig sei und auf Krisen reagieren könne. "Plötzlich wurde auf die Wissenschaft gehört, das vermissen wir seit 30 Jahren."

Die Bewegung sieht sich als verlängerter Arm der Wissenschaft. Ihr Ziel ist klar formuliert: Die Erderwärmung muss entsprechend des Pariser Klimaabkommens auf 1,5 Grad vor dem vorindustriellen Niveau begrenzt werden. Dazu sollte nach Auffassung der Ortsgruppe auch die Stadt Vechta ihren Beitrag leisten. Sie müsse entsprechende Maßnahmen zur Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes ergreifen.

Dass die EU-Kommission in diesen Tagen angekündigt hat, bis zum Jahr 2050 klimaneutral werden zu wollen, betrachtet "Fridays for Future" als Schritt in die richtige Richtung. Die angekündigten Maßnahmen gehen den Klimaschützern aber nicht weit genug. Sie kämen viel zu spät und zu langsam. "Das reicht aus wissenschaftlicher Sicht nicht aus. Das hätte schon vor Jahren kommen müssen. Wir hängen der Zeit hinterher", sagte Wolke.

Engagiert und mutig: Lina Kröger aus Lutten. Foto: SpeckmannEngagiert und mutig: Lina Kröger aus Lutten. Foto: Speckmann

Sorgenvolle Blicke auf die Situation im Rheinland

Klima-Aktivistin Imke Meyer aus Lohne blickte mit sorgenvoller Miene auf die Folgen des jüngsten Starkregens in Deutschland. Im Rheinland geboren und aufgewachsen, erinnerte die heute 16-Jährige an die vielen Todesopfer und Vermissten. "Solche extremen Wetterereignisse werden immer häufiger durch den Klimawandel. Deswegen müssen wir etwas tun, um die Auswirkungen einzudämmen", forderte die Schülerin.

Auch Lina Kröger, eine weitere Hauptaktivistin aus dem Landkreis Vechta, wandte sich in der Abschlusskundgebung mit eindringlichen Worten an die Öffentlichkeit. Sie hatte im Vorfeld versucht, junge Menschen zur Teilnahme an der Demo zu gewinnen und sich dabei Ärger in ihrer Schule eingehandelt. Grund war eine "etwas verunglückte Werbung", erklärte die 18-Jährige aus Lutten, ohne auf die Ereignisse näher eingehen zu wollen.

Unentschuldigtes Fehlen in der Schule

Nach Informationen von OM online hatte die Schülerin des Gymnasium Antonianum ohne vorherige Rücksprache das schuleigene Intranet benutzt, um einen Aufruf an alle Schüler und Lehrer zu schicken. Daraufhin gab es prompt eine Reaktion von Rektorin Inge Wenzel: "Bei allem Verständnis für das eigentliche Anliegen ist das Vorgehen in keiner Weise zu tolerieren, zumal an diesem 16. Juli 2021 wichtige schulische Angelegenheiten, zum Beispiel der per Erlass dringend notwendige Probealarm, durchgeführt werden."

Im weiteren Verlauf der schulinternen Mitteilung hob die Schulleiterin hervor, dass sie gerade im Seminarfach "Klima" die Unterstützung zu zahlreichen nachhaltigen und dem Klimaschutz zuträglichen Aktionen zugesagt habe. "Wir nehmen uns als Umweltschule des Themas an, aber nicht in Konfrontation!" Abschließend wies Wenzel die Schülerschaft darauf hin, dass die Teilnahme an der Demonstration "ein unentschuldigtes Fehlen darstellt, das Konsequenzen haben wird".

Dieses auch an anderen Schulen bestehende Risiko nahmen einige junge Leute offenbar bewusst in Kauf. Sie bleiben wegen der Klimaschutz-Aktion dem Unterricht fern. Für das Engagement gab es vor Ort ein Lob, als das Mikrofon für interessierte Teilnehmer geöffnet wurde. "Auf den Fehltag könnt Ihr stolz sein!", erklärte Rainer Wördemann aus Vechta und ergänzte: "Dass Ihr ungehorsam seid, gehört zu Fridays for Future."

"Wir hören nicht auf, bis die Politik handelt", versicherten die Vertreter der Ortsgruppe. Sie kündigten zum Abschluss der Veranstaltung die nächste Aktion an und riefen Interessierte dazu auf, sich im Organisationsteam zu engagieren. Die Aktivisten aus dem Oldenburger Münsterland wollen sich am Globalen Klimastreik am 24. September, also 2 Tage vor der Bundestagswahl, beteiligen.

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