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Einsatz für die Ukraine wird für Luttikhuis zur Berufung

Der Krieg sei eine Katastrophe, die bei den Menschen tiefe Spuren hinterlasse, sagt Lastrups Pastoralreferent. Er sammelt jetzt Geld für seinen 3. Hilfstransport.

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Schwer zerstört: Robert Luttikhuis fotografiert ein getroffenes Gebäude, das bei seinem 1. Besuch noch intakt war. Foto: Luttikhuis

Schwer zerstört: Robert Luttikhuis fotografiert ein getroffenes Gebäude, das bei seinem 1. Besuch noch intakt war. Foto: Luttikhuis

Das Bild des jungen Soldaten, den er bei einem Besuch in dessen Elternhaus antraf, geht Robert Luttikhuis nicht mehr aus dem Kopf. "Er war auf Fronturlaub, ein Hüne von einem Mann, aber völlig verstört." Der etwa 20-Jährige erzählte ihm, dass er auf russische Soldaten geschossen und auch getötet habe. "Er wird diesen Krieg nie wieder loswerden", sagt Luttikhuis mit gesenkter Stimme.

Zweimal ist der katholische Pastoralreferent in diesem Jahr mit Hilfsgütern in die Ukraine gefahren. Beide Reisen haben sich tief in sein Gedächtnis gebrannt. Die Fahrt durch das immer stärker zerstörte Land und die Begegnung mit Menschen, die seit Monaten um ihre Existenz kämpfen, wühlt den Lastruper bis heute auf. Zurzeit bereitet er gemeinsam mit einem Team den 3. Transport vor. Um dafür Geld zu sammeln und um über seine Erlebnisse zu berichten, lädt er am 30. November (Mittwoch) zu einem Bildvortrag in die St.-Petrus-Kirche ein. 

Jede Spende zählt: Die Lebensmittel aus Lastrup wurden zunächst ins Lager gebracht und dann schnell verbraucht. Foto: LuttikhuisJede Spende zählt: Die Lebensmittel aus Lastrup wurden zunächst ins Lager gebracht und dann schnell verbraucht. Foto: Luttikhuis

Luttikhuis hatte beide Male vor allem Lebensmittel an Bord. Eine christliche Gemeinde in Schmerynka, einer Stadt in der Zentralukraine, versorgt damit  Binnenflüchtlinge aus dem von Russland besetzten Osten des Landes. Die gut organisierte Hilfsküche hat den Pastoralreferenten tief beeindruckt. Er hält weiter den Kontakt zu den Verantwortlichen, die jede Spende gebrauchen können. Denn Lebensmittel sind inzwischen entweder knapp geworden oder für viele Menschen kaum noch zu bezahlen. "Außerdem wollen wir die Supermärkte vor Ort nicht leerkaufen." Dass die Ukraine zwar große Mengen Getreide exportiert und damit den Hunger auf der Welt stillt, die eigene Bevölkerung aber auf Mehl aus dem Ausland angewiesen ist, sei zwar paradox. "Aber es ist so".

Auf den Friedhöfen wehen ukrainische Flaggen

Während seiner ersten Fahrt wusste Luttikhuis Gefährten aus der Ukraine an seiner Seite. Die nächste Tour, 6 Wochen später, unternahm er allein. "Das war herausfordernd", gibt er zu. "Es hatte sich einiges verändert. Die meisten Straßensperren waren weg und die Soldaten, die dort Wache hielten, vermutlich an die Front verlegt." Auf Friedhöfen, an denen er vorbeikam, sah er viele ukrainische Flaggen. "Daran erkennt man, dass dort Gefallene beigesetzt sind." 

Auch wenn ihm während der wenigen Tage, die er in dem Kriegsland zubrachte, nichts passierte, habe auch er die Bedrohung gespürt, sagt Luttikhuis. "Die Leute sind in ständiger Anspannung, weil sie wissen, dass jederzeit etwas geschehen kann. Und das macht psychologisch etwas mit ihnen." Der Lastruper hat die Folgen der russischen Angriffe mit eigenen Augen gesehen. "Ein Gebäude, das ich während meiner ersten Fahrt fotografierte, wurde einige Zeit später von Raketen getroffen."  Bekannte schicken ihm auch aktuelle Bilder aus dem befreiten Cherson. Die Zerstörungen sind gewaltig. "Wer glaubt, die Menschen könnten einfach so in ihre Wohnungen zurückkehren, irrt. Die Lebensgrundlage ist komplett vernichtet".  

Bewaffneter Alltag: In der Ukraine ist die Bedrohung überall spürbar, sagt Robert Luttikhuis. Foto: LuttikhuisBewaffneter Alltag: In der Ukraine ist die Bedrohung überall spürbar, sagt Robert Luttikhuis. Foto: Luttikhuis

Und so komme es weiter dringend auf die Hilfe auch aus Lastrup an. Seinen Vortrag wird Robert Luttikhuis durch eigene Fotos und Videomaterial ergänzen. Fragen sind ebenfalls möglich. Jeder Interessierte ist eingeladen. Und wer mag, kann einen Beitrag in eine Spendenbox legen. Sobald der Transport fertig ist, geht es los. Luttikhuis wird wieder hinter dem Steuer sitzen. Der Einsatz ist für ihn zur Berufung geworden. "Und ich bin mir sicher, dass Gott mich unterwegs beschützt".

  • Info: Der Vortrag "Als mich ein Maschinengewehr am Imbisstand begrüßte" beginnt am 30. November (Mittwoch) um 19 Uhr in der St. Petrus-Kirche in Lastrup. Der Einritt ist frei, eine Spendenbox wird aufgestellt.

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