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"Einmal gewinne ich noch, dann höre ich auf"

Kolumne: Recht hat, wer Recht bekommt – Den "Verlockungen" der Spielotheken zu widerstehen, ist nicht einfach. Wie wäre es mit einem persönlichen Limit für alle?

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Durch die "Jagd" nach dem großen Gewinn riskieren Spielsüchtige vieles in ihrem Leben. Immer mehr „Spieler“ bekommen Probleme und viele landen schließlich aufgrund von Straftaten vor Gericht. Viele Betroffene verschulden sich oft so hoch, dass sie Zigtausende Euro an Schulden haben. Manche der Spielsüchtigen begehen aus der Verzweiflung heraus Straftaten, zum Beispiel Betrugsdelikte oder Diebstähle. Nicht nur finanzielle Folgen, sondern auch Probleme im sozialen Umfeld gehen mit den Spielern Hand in Hand, da sich viele Bekannte von ihnen abwenden.

"Nicht nur im Internet, nein, auch hierzulande gibt es in fast allen etwas größeren Städten mitten in den Einkaufsstraßen Spielotheken, in denen Tag für Tag an den Automaten gespielt wird."Klaus Esslinger

Mit anderen Worten: Glücksspiele können abhängig machen und zu einem hohen Vermögensverlust führen. Beides hängt natürlich miteinander zusammen. So erhöhen manche Menschen sogar noch ihre Spielintensität, wenn sie bereits tief im Minus sind: Sie versuchen damit, eingetretene Spielverluste auszugleichen, oftmals nach dem Motto: „Einmal noch gewinnen, dann höre ich auf“. Ein in der Regel hoffnungsloses Unterfangen.

Denn der Schuldenstand erhöht sich dadurch weiter, was wiederum das Verlangen anfachen kann, weiterzuspielen. Nicht nur im Internet, nein, auch hierzulande gibt es in fast allen etwas größeren Städten mitten in den Einkaufsstraßen Spielotheken, in denen Tag für Tag an den Automaten gespielt wird. Man gewinnt mal, klar ist aber, man verliert am Ende immer.

Im Gericht habe ich weit mehr als einmal Angeklagte gehört und gesehen, die aus lauter Verzweiflung Straftaten begangen haben. So gab es erst kürzlich eine Verurteilung eines 23-Jährigen, der zunächst Verwandte um über 17.000 Euro betrogen hatte, das Geld verspielte und dann einen Überfall auf eine Tankstelle beging und fast 3 Jahre in Haft gehen muss.

Bei solchen Verfahren frage ich mich, ob man es den „Spielern“ nicht zu leicht macht. Wenn man auf der Autobahn Hansalinie von Oldenburg kommend Richtung Oldenburger Münsterland fährt, ist der Turm der Spielothek in Bühren/Schneiderkrug weithin sichtbar und der Besuch ist verlockend. Zunächst wandelt der Besucher durch die gemütlich eingerichteten Räume, bekommt kostenlos seinen Kaffee, kann sich aufwärmen und schließlich versucht er sein Glück, was keines ist, kurzfristig vielleicht einmal, aber am Ende natürlich nicht.

Ich habe einen Vorschlag: Spielkarten mit persönlichen Daten (Ausweis) für alle Automaten anschaffen, die die Ein- und Ausgaben aufzeichnen. Wenn 1000 Euro Schulden drauf sind, endet das „Spiel“ und eine neue Spielkarte gibt es erst nach 3 oder 6 Monaten wieder.


Zur Person:

  • Klaus Esslinger ist Gerichtsreporter und war viele Jahre Lokalchef der Oldenburgischen Volkszeitung.
  • Kontakt zum Autor per Mail an: redaktion@om-medien.de.

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