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Einladung zum Kurzurlaub

Kolumne: Batke dichtet – Osterzeit ist Spaziergangs-Zeit. In diesem Jahr ist alles anders. Aber ein Zeichen sollten wir doch setzen. Vielleicht mit Eierlikör statt Bier?

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Na, die Schuhe schon geputzt? Ist noch erlaubt, so ein Osterspaziergang. Den macht man ja auch nicht zu nachtschlafender Zeit und läuft Gefahr, in die Falle einer Ausgangssperre zu tappen. Obwohl – im Kreis Vechta ist das Nachtwandeln noch erlaubt, zumindest zu dem Zeitpunkt, als diese Zeilen entstehen. Die Cloppenburger haben die Bürgersteige für die dunklen Stunden bereits hochgeklappt, auch den Emsländern und den Menschen im Osnabrücker Raum ist die Nachtschwärmerei untersagt. Dabei haben sie doch in Osnabrück gerade erst einen Nachtbürgermeister inthronisiert.

Bleiben wir im Hellen, freuen wir uns auf einen entspannten Gang an den Festtagen. Mit einem passenden Goethe-Schnack ist man immer vorn dabei, und so zitiere ich gern aus des Großmeisters Werk "Osterspaziergang" ("Faust I") die letzten vier Zeilen: "Ich höre schon des Dorfs Getümmel./Hier ist des Volkes wahrer Himmel./Zufrieden jauchzt gross und klein./Hier bin ich Mensch, hier darfs ich sein!" Mit dem Getümmel und dem Jauchzen ist das freilich im Moment so eine Sache, und der Dichterfürst hat seine Zeilen wohl in einer nichtpandemischen Zeit verfasst – in einer Zeit also, in der nicht der Mensch der größte Feind des Menschen war.

"Ob wir als Ostermarschierer damals die Welt zu einem besseren und sicheren Ort gemacht haben, weiß ich nicht. Spaß hatten wir jedenfalls, insbesondere beim Bier danach."Alfons Batke, Journalist

Lassen wir das, preisen wir lieber den Spaziergang an sich. Und da ist es selbstverständlich, dass es auch eine eigene Wissenschaft gibt, die sich mit dem Phänomen des Spaziergehens beschäftigt. Es ist die "Promenadologie"; in ihr wird erforscht, wie Spaziergänge unseren Blick auf die Welt verändern können. Nun, das hatten wir in jungen Jahren auch im Sinn, als wir als Ostermarschierer unterwegs waren, gegen die Neutronenbombe demonstrierten und Buttons mit der Aufschrift "Petting statt Pershing" ans Revers des Parkas hefteten.

Genug der Sentimentalitäten. Ob wir als Ostermarschierer damals die Welt zu einem besseren und sicheren Ort gemacht haben, weiß ich nicht. Spaß hatten wir jedenfalls, insbesondere beim Bier danach. Aber das kann man sich ja auch nach einem klassischen Osterspaziergang gönnen, meinetwegen dem Fest entsprechend mit einem kleinen Eierlikör. Wenn wir spazieren, geht auch der Geist auf Wanderschaft. Im "Deutschlandradio Kultur" hieß es jüngst sogar: "Das ziellose Herumspazieren ist Arbeitsverweigerung, Kurzurlaub, eine Demonstration gegen das Effizienz-Diktat des Kapitalismus." Nun – so weit würde ich nicht gehen...


Zur Person

  • Alfons Batke blickt  auf eine über 40-jährige journalistische Laufbahn zurück.
  • Der 65-Jährige lebt als freier Ruheständler in Lohne.

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