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Einkaufshelden erfahren große Wertschätzung

Die Junge Union und ihre Helfer haben in der Corona-Krise schon viele tausend Einkäufe getätigt. Im Interview spricht der Vechtaer Kreisvorsitzende Matthias Möller über die erfolgreiche Aktion.

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Einkauf für ältere und vorerkrankte Mitbürger: Matthias Möller, Vorsitzender der Jungen Union im Landkreis Vechta, freut sich über das Engagement der vielen Helfer. Foto: Speckmann

Einkauf für ältere und vorerkrankte Mitbürger: Matthias Möller, Vorsitzender der Jungen Union im Landkreis Vechta, freut sich über das Engagement der vielen Helfer. Foto: Speckmann

Die Corona-Pandemie stellt die Gesellschaft vor große Herausforderungen. Im alltäglichen Leben tun sich viele Probleme auf. Hier setzt die Junge Union (JU) im Landkreis Vechta an. Sie bietet bereits seit Mitte März ihre Hilfe bei Einkäufen an, damit insbesondere ältere und erkrankte Mitmenschen keine zusätzlichen Risiken eingehen müssen. Im Interview spricht der Kreisvorsitzende Matthias Möller aus Vechta über das Engagement der selbst ernannten Einkaufshelden, die Reaktionen aus der Bevölkerung und Pläne für die Zeit nach der Krise.

Herr Möller, Sie und Ihre Mitstreiter engagieren sich nun schon seit rund drei Monaten. Wie ist das Gefühl, ein Einkaufsheld zu sein?

Es war vielen jungen Menschen ein echtes Bedürfnis, älteren und vorerkrankten Mitbürgern in der Krise zu helfen. Das gesellschaftliche Leben war in den vergangenen Monaten ziemlich auf Eis gelegt. In Zeiten, in denen vieles nicht mehr so wichtig war, wie es vor ein paar Monaten noch erschien, war es ein gutes Gefühl, etwas richtig Sinnvolles zu tun und damit einen Anteil daran zu haben, dass alle gut durch die Krise kommen. Die Aktion hat in einer Zeit, in der physische Distanz das höchste Gebot war, viel emotionale Nähe zwischen Helfern und Hilfesuchenden geschaffen und zugleich praktische Hilfe geleistet.

Können Sie abschätzen, wie vielen Menschen bereits durch die Aktion geholfen wurde?

Bundesweit haben sich bereits in den ersten Wochen 10.000 Menschen auf der Heldenbörse, einer eigens eingerichteten Homepage der Jungen Union Deutschlands als Einkaufsheld registriert. In ganz Deutschland wurden also viele tausend Einkäufe erledigt. In Vechta hatten wir in den ersten Wochen teilweise jeden Tag Aufträge, zuletzt jedoch häufig nur noch ein paar Aufträge pro Woche. Mittlerweile kommen kaum noch Aufträge. Es haben sich aber auch einige langfristige Patenschaften gebildet. Hier bekommen wir nicht mit, ob immer noch Einkäufe erledigt werden. Die Junge Union Vechta war aber auch längst nicht die einzige Organisation, die Einkäufe und andere Dienste angeboten hat: Messdiener, Betriebe, private Initiativen, Bürgerstiftungen – viele Menschen im ganzen Landkreis haben in den vergangenen Monaten ein beeindruckendes Engagement gezeigt.

Handelt es sich ausschließlich um Einkäufe von Lebensmitteln oder übernehmen Sie auch andere Dienste?

Die Heldenbörse-Aktion der Bundes-JU wurde bald erweitert – neben Einkaufsdiensten haben auch circa 150 Näher Masken genäht. Im Landkreis Vechta lag der Fokus jedoch auf der Hilfe beim Einkaufen.

Wer gehört zu Ihrer Zielgruppe, wer nimmt die Angebote in Anspruch?

Überwiegend haben natürlich ältere Menschen und Vorerkrankte oder solche, die mit vorerkrankten Menschen in einem Haushalt wohnen, die Hilfe in Anspruch genommen. Auch haben wir aber Personen in Quarantäne unterstützt. Es ist aber natürlich auch nicht immer so einfach, mit den Zielgruppen in Kontakt zu kommen – insbesondere über die Online-Börse, da die Zielgruppe das Internet eher wenig nutzt. In Großstädten haben viele Helfer Aushänge in Mehrparteienhäusern gemacht, um ihren Nachbarn zu helfen. Auch das ist im Landkreis Vechta eher weniger möglich.

Welche Schutzvorkehrungen treffen die Helfer, damit die Abstands- und Hygieneregeln bei der Übergabe und Bezahlung der Ware gewährleistet sind?

Hier haben wir uns an den allgemein üblichen Schutzvorkehrungen orientiert, wie sie jedem von uns im alltäglichen Leben bekannt sind. Meist läuft die Übergabe so, dass alle Personen Maske tragen, Hände desinfizieren und die Ware zunächst vor die Tür oder in die Garage gestellt wird. Nach dem Klingeln nimmt der Helfer dann Abstand zu Tür und wartet bis der Auftraggeber öffnet. Der Geldaustausch erfolgt dann über einen Teller oder Plastikschälchen.

Ist es mit den Mitgliedern aus den eigenen Reihen überhaupt möglich, alle Aufträge und Wünsche zu bedienen?

Ob es möglich gewesen wäre, kann ich nicht beurteilen. Zum Glück mussten wir das aber auch nicht. Bereits in den ersten Tagen nach Beginn der Aktion Ende März haben sich mehr als zwei Dutzend freiwillige Helfer gemeldet, die nicht aus unseren Reihen kommen. Über 100 Personen haben unseren Beitrag auf Facebook geteilt. Das hat uns unglaublich positiv überrascht und zeigt abermals das tolle Engagement im Landkreis. Vielen Dank an alle!

Wie sind die Rückmeldungen der Betroffenen?

Die Wertschätzung ist insgesamt überwältigend. Man merkt den Hilfesuchenden echte Dankbarkeit an. Häufig bekommen wir von den Helfern die Rückmeldung, dass die Auftraggeber noch einmal darum bitten, sich auch noch einmal bei uns als Junge Union zu bedanken. Das ist uns schon manchmal etwas unangenehm, da wir ja – wie bereits erwähnt – teilweise nur die Anrufe und Mails entgegennehmen und die Aufträge vermitteln. Die Hauptarbeit machen diejenigen, die einkaufen.

Haben Sie sich eine Frist gesetzt, bis wann die Dienste im Kreis Vechta noch angeboten werden sollen?

Eine Frist gibt es nicht. Wir merken aber, dass die Anfragen weniger werden und die Leute auch gerne wieder selbst einkaufen. Ehrlich muss man aber auch sagen, dass viele Helfer wieder arbeiten und ihren Hobbys nachgehen dürfen. Da fällt es uns nicht mehr so leicht, Helfer zu finden.

Der gesellschaftliche Nutzen der Aktion ist unumstritten. Erhoffen Sie sich für die Junge Union und die Partei auch Pluspunkte in der Wählergunst?

Pluspunkte in der Wählergunst erhoffen wir uns dadurch nicht. Wir weisen auch immer wieder daraufhin, dass wir teilweise lediglich die Mittler sind und auch viele Personen Einkaufsdienste übernehmen, die mit der Union gar nichts zu tun haben. Diese würden sich auch gar nicht in dem Projekt engagieren, wenn es dabei um Pluspunkte in der Wählergunst ginge.

Können Sie sich vorstellen, dass die Einkaufshelden einen Anstoß für Projekte über die Corona-Krise hinaus geben?

Es wäre schön, wenn die dauerhaften Patenschaften, die sich während der letzten Monate entwickelt haben, fortgeführt werden. Als Junge Union haben wir jedoch noch kein konkretes Projekt geplant. Man kann sich aber vieles vorstellen. Ich habe aus meinem Umfeld auch von anderen Projekten gehört. Stipendiaten der Konrad-Adenauer-Stiftung sind beispielsweise mit Senioren in Kontakt getreten, um Brieffreundschaften zu schließen.


  • Info: Hilfsbedürftige Menschen und ehrenamtliche Helfer können sich per E-Mail info@ju-vechta.de, per WhatsApp unter 1525-8968624 oder auf den Facebook- und Instagram-Seiten der Jungen Union, Kreisverband Vechta, melden. Die Heldenbörse der Jungen Union Deutschlands ist zu finden unter www.die-heldenboerse.de.

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