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Eine Verneigung vor dem Handwerk

Kolumne: Batke dichtet – Sind Wortspiele die neue Marketing-Lücke? Zumindest haben Bäcker und Friseure die Spielerei für sich entdeckt.

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Es fällt in diesen Tagen schwer, den allgemeinen Horror-Szenarien zu entweichen. Die „Bild“, das amtliche Organ für den Weltuntergang, sorgt sich nicht nur um das Wetter („Hitzefaust fliegt auf uns zu“), sondern eröffnet ihren Internet-Auftritt – wenn es nicht gerade ein frisches Knutschbild von Mats Hummels gibt – in schöner Regelmäßigkeit mit dem Sammeltitel „Deutschland in der Krise“. Wenn ich so in die Ukraine schaue oder meinen Blick in die Sahelzone richte oder mir die Feuersbrünste rund um den Globus anschaue, stelle ich mir unter Krise etwas anderes vor.

Sei's drum, vergessen wir für einen Moment das Ungemach auf unserem Planeten. Wenden wir uns lieber erfreulicheren Dingen zu, einem frischen Frühstücksbrötchen zum Beispiel. Okay, die haben preislich ganz schön angezogen, Getreideknappheit, Sie wissen schon, aber unsere Bäcker stehen nicht nur früh auf, sondern sind zum Teil auch sehr kreativ, um die Kundschaft bei der Stange zu halten. Eine Filialkette aus dieser Region ist daran gegangen, Kärtchen zu verteilen, von denen der Begriff „Ährenkunde“ prangt. Vermutlich kann man mit diesem Ticket „Ährenpunkte“ sammeln, am Ende winkt womöglich ein Dinkel-Kefir-Brötchen mit Salbei-Kruste als Belohnung.

„Sollte man dann nicht besonders treue Kunden mit einer Ährenurkunde auszeichnen, und – Ähre wem Ähre gebührt – besonders verdiente Bäcker zu Ährenbürgern küren.“Alfons Batke

Aus dem Namen dieser Kolumne werden Sie leicht herleiten, dass der Autor durchaus ein Freund solcher Wortspielereien ist. Und um im backenden Gewerbe zu bleiben: Sollte man dann nicht besonders treue Kunden mit einer „Ährenurkunde“auszeichnen, und – Ähre wem Ähre gebührt – besonders verdiente Bäcker zu „Ährenbürgern“ küren. Natürlich passieren in diesem ährbaren Handwerk gelegentlich auch Fehler, aber deshalb sollten die Meister nicht gleich zum Äußersten greifen und ihre Lehrlinge unährenhaft entlassen. Das wäre, ährlich gesagt, etwas übertrieben.

Zu Übertreibungen im Wortspielsinne neigt man übrigens auch in einer anderen Branche. Was sich da die Hairschaften aus dem frisierenden Gewerbe einfallen lassen, ist mitunter recht haarsträubend. Man muss schon um einige Ecken denken können, um zu ahnen, dass sich hinter dem „Lockschuppen“ ein Etablissement verbirgt, in dem die Haare gemacht werden, möglicherweise von Scherenakrobaten aus dem Hause „Pony & Clyde“ oder „Klön und Föhn“.

10 Prozent aller Betriebe sucht sich kuriose Namen aus

Etwa 80.000 Friseurbetriebe gibt es in Deutschland, in Sachen „Krehaartivität“ sind die Barbiere der Nation unschlagbar. Fast 10 Prozent aller Betriebe sucht sich Namen aus, die auf eine bestimmte Art Aufmerksamkeit erregen sollen. Sagen wir mal so: Ein gewisses Risiko dürfte bestehen, wenn man sich einen Termin bei „Kopf und Kragen“ holt. Etwas Mut sollte derjenige mitbringen, der sich bei „Haar-a-kiri“ unters Messer legt. Und wer zu „FairSchneiden“ geht, fordert das Schicksal geradezu heraus.

Die Liste mit den mehr oder weniger originellen Namen ist lang, sie reicht von „Tilos Hair Berge“ über „Sahne-Schnitte“, „Locken Roll“, „Well-Kamm“ bis zur „Vielhaarmonie“. Mein persönlicher Favorit ist der offenbar in Küstennähe zu lokalisierende Salon „Steife Frise“. In jedem Fall aber verneigen wir uns in dieser humorlosen Zeit vor dem Handwerk und wissen: Bei den Friseuren ist es „SchEHRENsache“, bei den Bäckern „ÄHRENsache“!


Zur Person:

  • Alfons Batke blickt auf eine über 40-jährige journalistische Laufbahn zurück.
  • Der 66-Jährige lebt als freier Ruheständler in Lohne.
  • Den Autor erreichen Sie unter redaktion@om-medien.de.

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