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Eine Saarländerin führt Regie im Alkoholfreien Zelt

Uni-Dozentin Vanessa Mertins sorgt mit ihrer Initiative für frischen Wind in dem traditionsreichen Restaurationsbetrieb. Für ihre Studierenden ist es ein ideales Forschungsgebiet.

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Ein fruchtiger Cocktail auf die Premiere: Professorin Dr. Vanessa Mertins opfert ihre Semesterferien für die Organisation des Alkoholfreien Zeltes auf dem Stoppelmarkt. Foto: Speckmann

Ein fruchtiger Cocktail auf die Premiere: Professorin Dr. Vanessa Mertins opfert ihre Semesterferien für die Organisation des Alkoholfreien Zeltes auf dem Stoppelmarkt. Foto: Speckmann

Die Berichterstattung rund um den Stoppelmarkt 2022 wird Ihnen präsentiert von der Volksbank Vechta.

Professorin Dr. Vanessa Mertins durchlebt anstrengende Tage und Wochen. Sie steht mit Gedanken an den Stoppelmarkt auf und geht mit ihnen auch wieder ins Bett. Von erholsamem Schlaf ist zurzeit keine Spur. Alles dreht sich um den Betrieb des Alkoholfreien Zeltes. In dieses Projekt steckt die Dozentin der Universität Vechta während der Semesterferien ihre ganze Kraft und Energie.

Dass sich Mertins auf der Westerheide engagiert, ist keineswegs selbstverständlich, zumal der Stoppelmarkt absolutes Neuland für die 44-Jährige ist. Im saarländischen Saarlouis beheimatet, kannte sie Nordwestdeutschlands größtes Volksfest bis vor Kurzem nur vom Hörensagen. Im Gegensatz zu vielen Kollegen ihres Lehrstuhls war ihr der Trubel fremd. Aber das sollte sich in diesem Sommer schlagartig ändern.

„Das kann nicht sein, das darf nicht sein“, sagte sich die Diplom-Volkswirtin, als sie aus der Zeitung vom drohenden Aus des Alkoholfreien Zeltes erfuhr. Schließlich hatte sie hier vor der Corona-Pandemie mehrere Forschungsprojekte mit Studierenden durchgeführt. Um diese Plattform zu retten, startete sie in eine Rettungsaktion. Es entstand eine Initiative, die sich um den Standplatz bewarb und den Zuschlag von der Stadt Vechta erhielt.

Neue Gestaltung: Der Zeltbereich ist aus der Not heraus verkleinert worden. Die neue Terrasse kommt den Besuchern bei dem sonnigen Wetter entgegen. Foto: SpeckmannNeue Gestaltung: Der Zeltbereich ist aus der Not heraus verkleinert worden. Die neue Terrasse kommt den Besuchern bei dem sonnigen Wetter entgegen. Foto: Speckmann

Von der Eisdiele und Imbissbude zum Alkoholfreien Zelt

Die Professorin für Betriebswirtschaftslehre, Fachgebiet Management Sozialer Dienstleistungen, macht keinen Hehl daraus, dass Gastronomie nicht zu ihrer Kernkompetenz zählt. In ihrer Jugend habe sie in einer Eisdiele serviert und in einer Imbissbude gestanden. Aber solche Jobs reichen nicht, um gleich wie ein Profi einen Restaurationsbetrieb führen zu können. Deswegen müssen Mertins und ihre Mitstreiter bei der Premiere zunächst Erfahrungen sammeln und auch Fehler in Kauf nehmen.

Die Initiative hat dem Alkoholfreien Zelt ein neues Gesicht gegeben, ohne die traditionsreiche Geschichte komplett auszublenden. Der alte Schriftzug prangt noch über am Giebel des Zeltes. Davor befindet sich eine große Terrasse mit runden Tischen und Liegestühlen sowie einer Spielecke für Kinder. Es ist eine Oase für alle Altersgruppen. Hier kann sich die ganze Familie niederlassen und abseits der lauten und teilweise überfüllten Festzelte eine Ruhepause gönnen.

Die offene Terrasse mit den Getränke- und Imbissständen sei aus der Not heraus geboren, weil in der kurzen Vorbereitungszeit nicht mehr ausreichend Zeltfläche zu bekommen gewesen sei, berichtet Mertins. Aber bei dem sonnigen Wetter kommt ihr der alternative Aufbau nun sogar entgegen. Für das nächste Jahr könne sie sich eine noch betontere Strandatmosphäre mit Sand und Wasserbecken vorstellen.

Sogar die Familie ist zur Unterstützung angereist

„Ich bin total stolz darauf, was unser Team hier in der Kürze der Zeit aufgestellt hat“, sagt Mertins. Ihr Dank gilt allen Helfern, darunter aktuelle und ehemalige Studierende sowie Ehrenamtliche, die sich über Jahrzehnte um den Zeltbetrieb gekümmert hatten. Sie konnten das Angebot aus Personalnot nicht mehr aufrechterhalten, standen ihren Nachfolgern aber nun mit Rat und Tat zur Verfügung.

Sogar die Familie aus dem Saarland ist angereist. Sie hat ihr Quartier am Alfsee bezogen, fährt jeden Tag mit der Bahn oder dem Auto nach Vechta, um sich nach Kräften in das Projekt einzubringen. Mertins´ Ehemann ist Werkzeugmachermeister und damit bei technischen Aufgaben eine wichtige Stütze. Ihre beiden Töchter, 5 und 8 Jahre, sind Feuer und Flamme. Sie bieten sogar Limonade am Eingang des Standes an.

In kulinarischer Hinsicht hat sich im Alkoholfreien Zelt eine Menge getan. Auf Klassiker wie etwa Kotelett mit Kartoffelsalat will Mertins nicht ganz verzichten. Aber sie möchte auch neuen Trends folgen. Sie selbst zieht die vegetarische Küche vor. Nun gibt es Chili sin Carne und andere fleischlose Gerichte. Die Neuheiten haben sich auf dem Markt aber wohl noch nicht ausreichend herumgesprochen. In den ersten Tagen wandern viele Essensreste in den Abfall. Was hingegen sehr gut läuft, sind alkoholfreie Cocktails.

„Hier bieten sich ganz viele Möglichkeiten, mit Bürgern in Dialog zu kommen, den Transfer in die Gesellschaft zu fördern und auch neue Ideen zu sammeln.“Professorin Dr. Vanessa Mertins, Dozentin für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Vechta

Die Uni-Dozentin sieht die Präsenz auf dem Stoppelmarkt als große Chance für ihre Forschungsarbeit. „Hier bieten sich ganz viele Möglichkeiten, mit Bürgern in Dialog zu kommen, den Transfer in die Gesellschaft zu fördern und auch neue Ideen zu sammeln“, sagt sie. Womit sich die Studierenden sonst nur theoretisch beschäftigten, könnten sie hier anhand von verschiedensten Instrumenten in der Praxis ausprobieren. „Das ist wie eine Schülerfirma im ganz großen Stil“, erklärt die Diplom-Volkswirtin.

Am Stoppelmarkt-Montag will Mertins eine Aktion in Kooperation mit der Suchtberatungsstelle des Katholischen Vereins für Soziale Dienste Vechta (SKM) starten. Zielgruppe sind alkoholisierte Marktbesucher. Sie können zunächst schätzen, wie viel Promille sie im Blut haben. Anschließend erfolgt ein Atemalkoholtest. Die Erfahrung zeigt, dass die eigene Wahrnehmung häufig von der Realität abweicht.

Eine andere zugleich entscheidende Frage ist, wie sich die eigene Bilanz zum Marktende darstellt. Die Initiatorin hofft auf eine Fortsetzung des Projektes 2023. Dann könnte es zusätzliche Kundschaft aus dem Saarland geben. Mit ihren geposteten Fotos vom Stoppelmarkt hat Mertins die Neugier bei Freunden geweckt. „Ich bin mir sicher, nächstes Jahr nehmen viele Menschen einen weiten Weg auf sich“, sagt die Uni-Dozentin lächelnd.

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