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Eine Rutsche in den Pool, eine Seilbahn in die Schlafecke

Sechstklässler des Albertus-Magnus-Gymnasiums basteln sich ihr Traumzimmer, wie sie es sich für den Lockdown gewünscht hätten. Die Ergebnisse sind 2 Wochen lang in der Spadaka zu sehen.

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7 aus über 50: Simon (von links), Lee-Ann, Anna-Maria, Lisa-Marie, Eske, Hakon und Jan-Luca präsentieren gemeinsam mit vielen anderen Sechtsklässlern des AMG ihre Traumzimmer, die sie sich für Lockdown und Homeschooling gewünscht hätten. Foto: Stix

7 aus über 50: Simon (von links), Lee-Ann, Anna-Maria, Lisa-Marie, Eske, Hakon und Jan-Luca präsentieren gemeinsam mit vielen anderen Sechtsklässlern des AMG ihre Traumzimmer, die sie sich für Lockdown und Homeschooling gewünscht hätten. Foto: Stix

Man kennt die Szene aus ungezählten Berichten über die Arbeit im Homeoffice: Da sitzt man in einer wichtigen Videokonferenz und die Tochter kommt ins Zimmer, weil sie eine Frage hat. Es geht aber auch andersherum: "Ich habe keinen Schreibtisch und deshalb die Videokonferenzen während Corona immer im Wohnzimmer gemacht", erzählt die 11-jährige Lisa-Marie. "Und wenn mein Papa dann reinkam und was gesagt oder gefragt hat und durchs Video gelaufen ist, dann war das immer total komisch."

Lisa-Marie ist eine von rund 60 Schülerinnen und Schülern der Klassen 6b und 6d des Albertus-Magnus-Gymnasiums, die im Kunstunterricht ihre Erfahrungen aus der Corona-Zeit und dem Homeschooling aufgearbeitet haben. "Beide Klassen haben im Homeschooling nicht nur toll gearbeitet, sondern auch viel von ihren Sorgen und Nöten erzählt", sagt Kunstlehrerin Nicola Heidtmann. "Wir haben auch viel darüber geredet, was ihnen während Corona gefehlt hat." Nach der Rückkehr an die Schule haben die Kinder das dann im Kunstunterricht aufgearbeitet und in leere Schuhkartons ein Kinderzimmer gebaut, wie sie es sich in der Coronazeit gewünscht hätten.

Billardtische, Fußballtore und Palmen

Dabei ist natürlich viel Fantasie und auch manches Unrealistische in die Arbeiten eingeflossen. Anna-Maria Höffmann beispielsweise hat sich neben viel freier Fläche gleich einen kleinen Pool in ihr Zimmer gebaut. "Mir haben während der langen Corona-Zeit Tanzen und Schwimmen im Verein gefehlt", schreibt sie dazu auf der Karte, die sie wie viele der Kinder zu ihrem Traumzimmer gestellt hat. Auch Billardtische, Fußballtore und Palmen finden sich bei den Traumzimmern. Und Lee-Ann hat sich einen Kühlschrank gebastelt. "Meine Kuschelecke mit Fernseher vertrieb mir während des Corona-Lockdowns die Zeit", schreibt sie. "Der Kühlschrank in der Ecke darf da natürlich nicht fehlen." Eine Rutsche führt in ihrem Traumzimmer in den Pool, eine Seilbahn in die Schlafecke.

Lisa-Marie hat sich sogar ein zweistöckiges Zimmer gebaut, mit einem schwebenden Hochbett über dem Knautschsessel, einem Fernseher neben dem Bett, tollen Boxen und natürlich einem eigenen Schreibtisch – damit der Vater die Videokonferenzen nicht immer stört. Der Clou aber ist für sie das offene Dach, damit sie nachts in den Sternenhimmel schauen kann. Nicht einmal Regen ist da ein Problem. "Da ist ein magischer Zauber drauf, damit es nicht reinregnet", erklärt sie auf Nachfrage.

Die große Rolle der medialen Welt spiegelt sich in den Wunschzimmern wider

Die vielen Fernseher, die in den Wunsch- und Traumzimmern der Kinder auftauchen, wundern Kunstlehrerin Heidtmann nicht. "Die Kinder wurden in der Coronazeit ja doch sehr stark an die mediale Welt gewöhnt", hat sie festgestellt. Gerade im strengen Lockdwon habe es ja kaum andere Möglichkeiten der Freizeitgestaltung gegeben, und das spiegele sich in den Schuhkartons wider.

Gute 2i Wochen lang sind rund 50 der Schuhkartons mit den Wunschzimmern jetzt in der Schalterhalle der Spadaka Friesoythe zu sehen. Sie geben, besser vermutlich als viele tiefgründige Analysen, Auskunft darüber, wie Kinder die Zeit erlebt, wie sie sie gestaltet haben und was ihnen gefehlt hat. "Wir hoffen alle", so Heidtmann, "dass so etwas nicht wiederkommt."

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