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Eine Rangliste für alle Fälle

Kolumne: Batke dichtet - Von der Gewürzgurke über die Bundesliga bis zum Corona-Hotspot: Heutzutage gibt es für alles Rankings und Ranglisten. Sie spielen auch in der Vita des Autors eine große Rolle.

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Reden wir mal über Listen. Ich meine jetzt nicht Ihre Einkaufsliste, die Sie sich womöglich für die Shoppingtour zum Wochenende zurechtgelegt haben. Reden wir über Ranglisten - über Rankings, wie es neudeutsch heißt. Geranglistet wird heutzutage alles - von der Qualität der Gewürzgurke bis hin zur Wirksamkeit von Hustenpastillen. Politbarometer ranken Minister und Parteigrößen, Schüler ranken Lehrer. Und gerankt werden natürlich auch Pandemie-Hotspots, die beiden Landkreise des Oldenburger Münsterlands spielten zuletzt vorn mit in der Corona-Bundesliga.

Rankings gehören auch zu meiner Vita. So erinnere ich mich an eine Zeit zu Beginn der 70er Jahre (des vergangenen Jahrhunderts, muss man ja wohl präzise sagen), als 3 Mitschüler und ich emsig darin waren, Hitparaden zu erstellen. Jeder von uns gab Mittwochmorgen seine persönliche Top 20 ab - Mittwoch deshalb, weil dienstagabends bei Radio Luxemburg die aktuelle britische Hitparade abgespielt wurde. Sie lief auf Mittelwelle, das schmale Nordmende-Kofferradio übermittelte neben Slade, T. Rex, Free, CCR oder - Experten aufgepasst! - Dave & Ansel Collins auch noch gratis das Rauschen der Nordsee; aber was soll's, wir waren bestens informiert und unterhalten und konnten den handlichen Empfänger auch schnell unter der Bettdecke verschwinden lassen und Schlaf vortäuschen, wenn die Aufsicht kam.

„Später, mit fortschreitender Pubertät, wendeten wir das Hitparaden-Prinzip auch für die von uns favorisierten jungen Damen an.“Alfons Batke

Einer aus unserem Quartett war gewissermaßen Protokollführer, bei ihm mussten wir unsere persönlichen Ranglisten, die sich natürlich auch noch aus den amerikanischen Billboardcharts vom Samstag sowie den NDR- und WDR-Hitparaden und Hitline International der Hansawelle Bremen speisten, abgeben. Er wertete die Listen aus, am Donnerstag bekamen wir das Ergebnis und hatten unsere eigene Hitparade, die wir natürlich für die private Buchführung abschreiben mussten. Die Fotokopie war zwar schon erfunden, zählte aber seinerzeit noch nicht zum Alltagsstandard.

Später, mit fortschreitender Pubertät, wendeten wir das Hitparaden-Prinzip auch für die von uns favorisierten jungen Damen an. Das mag man insgesamt als arg chauvinistischen Akt bewerten, stellte für uns damals aber kaum einen Verstoß gegen die Europäische Menschenrechtskonvention dar, zumal wir wussten, dass auch ähnliche Hitparaden über uns Jungs im Kreis der Ladys zirkulierten. Schwamm drüber, man hat schon einiges an Unsinn angestellt in seinem Leben, und Fakt ist auch, dass ein Verhältnis mit den von mir persönlich favorisierten Chartstürmerinnen jener Tage nicht nur nicht zustande kam, sondern platonisch blieb.

Für den allgemeinen Ranglisten-Wahnsinn gibt es mittlerweile auch ein Standardwerk, es heißt "Listomanie" und ist gewissermaßen die Bibel für die Listomanen dieser Welt. Der geneigte Leser erfährt alles über die 8 tiefsten Löcher der Erde, die 18 längsten Wörter und die 18 verrücktesten Dinge, die einmal vom Himmel gefallen sind. Und über die 20 gefährlichsten Reiseziele der Welt. Wir atmen auf: Das Oldenburger Münsterland ist nicht dabei. Noch nicht.


Zur Person:

  • Alfons Batke (64) ist Journalist und lebt in Lohne.
  • Den Autor erreichen Sie per E-Mail an die Adresse info@om-online.de.

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