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Eine Ode an die Stimmungslieder

Kolumne: Batke dichtet – Jedes Jahr laufen dieselben Weihnachtslieder auf und ab. Besonders schwer ist es aber, seine Lieblingslieder zu benennen, ohne Wörter aus einer anderen Sprache zu verwenden.

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Glauben Sie mir. Ich werde mich verdammt konzentrieren müssen bei dem, was ich jetzt schreibe. Eigentlich tue ich das ja immer, aber heute eben besonders. Denn es gilt, Reaktionen aus der Leserschaft zu berücksichtigen, die höflich andeuten, dass zu viele Begriffe aus einer fremden Sprache in meinen Aufsätzen auftauchen. "Dabei haben wir doch auch so viele schöne Wörter", schreibt etwa Sabine K. aus D. Und Udo W. aus V. entrüstet sich: "Die wollen doch gar nichts mit uns zu tun haben. Warum sollen wir dann sabbeln wie die."

Mit "die" meint Herr W. offensichtlich Menschen eines jenseits des Ärmelkanals zu verortenden Königreichs, das unlängst die Mitgliedschaft in der EU gekündigt hat, deren Sprache aber zumindest in Bruchstücken weiterhin Bestandteil unseres Alltags ist. Nun gut, gehen wir die Aufgabe also mit höchster Konzentration an, denn eigentlich wollte ich heute mal über die Flut an vorweihnachtlichen Liedern schwadronieren, von denen ich als Radiohörer in diesen Tagen heimgesucht werde.

Und gerade in diesem Moment, als ich es schreibe, jagt mein Heimatsender das Lied durch den Äther, das inhaltlich Jahr für Jahr an das letzte Weihnachtsfest erinnert und von einer Gruppe vorgetragen wird, die einst – ich schreibe es mal lautmalerisch – als "Wemm" bekannt war. Der Komponist erzählte einmal, dass das Lied, natürlich mit einer anderen Titelzeile, eigentlich für Ostern vorgesehen war, ein Produzent aber der Meinung gewesen sei, dass mit der weihnachtlichen Variante mehr Kohle zu machen sei. Und so sprudeln die Tantiemen weiterhin kräftig und wir werden es bis zum Feste sicherlich noch hundertfach hören, egal ob im Auto, im Kaufhaus und garantiert auf jeder Weihnachtsfeier.

"Und Sie, verehrte kritische Leser, werden einräumen müssen, dass in diesem Text kein einziges Wort der Sprache vorkommt, die auf der erwähnten Nordseeinsel gesprochen wird."Alfons Batke

Wie gesagt, ich muss konzentriert bleiben, auch wenn es darum geht, mein Lieblingslied aus dieser vorfestlichen Zeit zu benennen, ohne dass ich Wörter aus einer anderen Sprache verwende. Nun, es handelt sich um das Lied vom kleinen Trommler (mit dem markanten Singsang "par ram pam pam pam"), ich mag es besonders gern in der Version eines bekannten amerikanischen Sängers, der mit bürgerlichem Namen Robert A. Zimmerman heißt und der 2016 den Nobelpreis für Literatur erhielt. Der Herr mit der schnarrenden Stimme ist mittlerweile 81 und konzertiert noch immer in aller Welt.

Es gibt auch schöne Lieder auf Deutsch für die erwartungsvolle Zeit, wie zum Beispiel "Wenn die Zeit kommt" ("Drum will ich Weihnachten zu Hause sein") von den Wingenfelder-Brüdern, die ja auch bekannt sind als Mitglieder einer Combo, die sich nach dem aus einer amerikanischen Fernsehserie bekannten Pferd, das im Schlachthaus landet, benennt. Meine Bestenliste wäre unvollständig, würde ich zwei adventliche Lieder nicht erwähnen, die jedem vorweihnachtlichen Kirchgang eine unverwechselbare Note geben. Bei "Tauet, Himmel, den Gerechten" muss man einfach mit einstimmen. Und bei "Macht hoch die Tür, die Tor macht weit" muss man, welch göttliche Fügung, in diesen Wochen auch immer ein wenig an die Fußball-WM denken.

Puh – genug konzentriert. Und Sie, verehrte kritische Leser, werden einräumen müssen, dass in diesem Text kein einziges Wort der Sprache vorkommt, die auf der erwähnten Nordseeinsel gesprochen wird. War doch f***in' isi!


Zur Person: 

  • Alfons Batke blickt auf eine über 40-jährige journalistische Laufbahn zurück.
  • Der 66-Jährige lebt als freier Ruheständler in Lohne.
  • Den Autoren erreichen Sie unter redaktion@om-medien.de.

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