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Eine Hessin im Oldenburger Münsterland

Kolumne: Generation Z zeigt's Ihnen – Von Hessisch zu Plattdeutsch. Von den Kasseler Bergen ab ins Flachland. Eine Hessin erzählt von ihren Eindrücken im Oldenburger Münsterland.

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Wir haben den 15. Mai 2021, ich mache mich mit Sack und Pack auf den Weg ins Oldenburger Münsterland – meine neue Heimat für die nächsten Jahre. Für meinen neuen Job verlasse ich Marburg – eine Stadt in Mittelhessen, in der ich die letzten Jahre gewohnt, studiert und gefeiert habe. 4 Stunden Autofahrt liegen vor mir. Ich bin aufgeregt, traurig und glücklich zugleich. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt, aber dafür muss ich gleichzeitig auch Familie und Freunde verlassen.

Meine erste banale und doch aufregende Aktivität nach dem Ankommen: ein Besuch im Supermarkt. An der Kasse begrüßt mich die Verkäuferin mit "Moin". Ein Klassiker hier, wie ich schnell feststelle. Hinter meiner Maske musste ich grinsen, klingt irgendwie sympathisch. Auch bei der Arbeit ist das morgendliche "Moin" allgegenwärtig. Schnell habe ich mir diese Art der Begrüßung angewöhnt. Kann man das schon vorbildliche Anpassung nennen?

Auch die landschaftlichen Unterschiede wurden mir schnell bewusst. In Marburg musste ich mit einem Fahrstuhl in die "Oberstadt" fahren, um in die Fußgängerzone zu kommen – hier hingegen ist alles "platt". Apropos "platt": Auch an die niederdeutsche Sprache musste ich mich erst einmal gewöhnen. "Plattdüütsch" mag vielleicht nicht mehr so verbreitet sein wie früher, dennoch fällt es mir als gebürtige Kasselänerin sofort auf. Als Kasselänerin darf man sich übrigens nur bezeichnen, wenn der Geburtsort Kassel ist und mindestens ein Elternteil ebenfalls dort zur Welt gekommen ist. Ein ungeschriebenes Gesetz quasi. Jede Region hat eben so ihre eigenen kleinen Traditionen. Auch das schnelle Duzen ist im OM offensichtlich gang und gäbe. "Wie jetzt?!", frage ich mich. "Darf ich wirklich jeden duzen?" Fragen wie diese beschäftigten mich am Anfang.

"Eines habe ich bereits aus den ersten Monaten mitgenommen: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt"Lisa Bernhardt

Was mir im Oldenburger Münsterland auch sehr aufgefallen ist, ist die Verbundenheit der Menschen mit ihrer Heimat. Etwas sehr Schönes, wie ich finde. Oft wird Heimatliebe, ob es nun um die eigene Stadt, Region oder das Land geht, als etwas negativ Behaftetes angesehen. Ich habe jedoch den Eindruck, dass sich Menschen, die sich in ihrer Region wohlfühlen, mehr engagieren und die angebotenen Aktivitäten und Möglichkeiten in vollen Zügen nutzen.

Mein Fazit nach 2 Monaten: Jede Region hat ihre Besonderheiten. Für mich gibt es hier noch viel zu erleben und zu lernen. Ob es nun der sagenumwobene Stoppelmarkt, die Thülsfelder Talsperre oder neue Redewendungen auf Plattdeutsch sind. Eines habe ich bereits aus den ersten Monaten mitgenommen: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Denn wenn ich mich nicht getraut hätte, für meinen neuen Job alles hinter mir zu lassen, hätte ich diese Region wahrscheinlich nie so intensiv kennengelernt, wie ich es hoffentlich noch weiter tun werde. Und jetzt sag ich: "Op Weddersehn, bis zum nächsten Mal!" Oder wie man auf Hessisch sagen würde: "Guude!"


Zur Person:

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