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Eine Generation von Nichtschwimmern wächst heran

Experten warnen: Weil Schwimmbäder geschlossen sind, verpasst ein ganzer Jahrgang das Seepferdchen. Wie sieht es zum Beispiel in Dinklage aus?

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Mutig ins kühle Nass: Ehrenamtliche und Hauptamliche helfen Kindern, schwimmen zu lernen. Momentan allerdings bleiben alle auf dem Trockenen. Symbolbild: dpa

Mutig ins kühle Nass: Ehrenamtliche und Hauptamliche helfen Kindern, schwimmen zu lernen. Momentan allerdings bleiben alle auf dem Trockenen. Symbolbild: dpa

Mit Stolz präsentieren Vorschulkinder oder Grundschüler das Abzeichen, wenn sie das Seepferdchen geschafft haben. Der "Frühschwimmer", wie das Seepferdchen auch heißt, gilt für Kinder und deren Familien als erster Schritt auf dem Weg dahin, dass die Kleinen schwimmen können. Und das, obwohl viele Experten und Schwimmmeister betonen, dass der Nachwuchs mindestens das Bronze-Abzeichen braucht, um sich wirklich sicher im kühlen Nass bewegen zu können.

Doch egal ob Bronze oder Seepferdchen: Diese Abzeichen zu erlangen, ist für viele Kinder in den vergangenen Monaten in weite Ferne gerückt. Der Grund: die Schließung der Schwimmbäder und der Ausfall von Schwimmunterricht in Folge der Corona-Pandemie.

Für Achim Wiese, Sprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), war das im November vorigen Jahres Grund zur Sorge, dass wegen der Pandemie eine Generation von Nicht-Schwimmern heranwachsen könne. So berichtete er damals der Deutschen Presse-Agentur.

Auch vor Corona war nicht alles im grünen Bereich

Dabei war auch vor Corona beim Thema Schwimmfähigkeit im Kindesalter nicht alles im grünen Bereich. Bereits im Jahr 2017 hatten 23 Prozent der Mädchen und Jungen am Ende der Grundschule nicht ein Mal das Seepferdchen. Ganze 59 Prozent hatten den Freischwimmer ("Bronze") nicht gemacht oder nicht geschafft.

Und wie sieht es jetzt, Anfang 2021, zum Beispiel in Dinklage aus? Gibt es einen riesigen Rückstau bei den Plätzen für Schwimmkurse? "Das kann ich nicht einschätzen", sagt Meik Slak. Er ist Bademeister im Dinklager Schwimmbad H₂O. Wie groß der Rückstau wirklich sei, sei unklar, meint er. Nicht zuletzt deshalb, weil die meisten Eltern ihre Kleinen bei einem Besuch im Schwimmbad anmeldeten. Der aber fällt derzeit natürlich aus. Er gibt sich aber optimistisch: Gemeinsam mit seinem Kollegen Michael Dyck wolle er "das Möglichste tun", um allen Kindern Schwimmunterricht zu ermöglichen.

"Die Wartelisten werden länger", sagt Laura Rohe. Sie ist bei der Dinklager DLRG die "technische Leitung Ausbildung". Heißt: Sie verantwortet das Schwimmtraining für die Anfänger.

Im März 2020 hatten sie einen Durchgang von Kindern, die kurz vor dem Ablegen des Seepferdchens standen. Doch wegen der Pandemie musste der Kurs abgebrochen werden. Er wurde bisher noch nicht wieder aufgenommen. Das waren damals 60 Kinder, 40 weitere stehen bisher auf der Warteliste. So berichtet es die 24-jährige Rohe, die ein Duales Studium im Bereich Kunststofftechnik absolviert.

Doch die letzten Anmeldungen in Dinklage seien im Oktober 2020 hereingetrudelt, kurz vor Beginn des "Lockdown light", dessen verschärfte Version bis heute anhält. Rohe sagt, die DLRG in Dinklage rechne daher damit, dass es "eine weitere Welle von Anmeldungen" geben werde, sobald sich Lockerungen bei den Schutzmaßnahmen andeuten. Erst dann dürfte auch der Schwimmunterricht wieder etwas stärker in den Bereich des Möglichen rutschen.

Mehr Nachfrage, weniger Trainer

Sollten also im Frühjahr oder Sommer 2021 wieder Schwimmkurse angeboten werden, wird es in Dinklage eine höhere Nachfrage nach Plätzen geben. Kann die DLRG dem gerecht werden?

Rohe, der ihre eigene Begeisterung für die Arbeit der DLRG anzumerken ist, gibt eine nachdenkliche Antwort. Insgesamt habe die Jugendarbeit der Dinklager Ortsgruppe darunter gelitten, als sie jahrelang für das Training nach Holdorf ausweichen mussten, weil in den Jahren 2014 bis 2018 das Dinklager Schwimmbad H₂O umgebaut wurde.

Nun sei es so, dass potentielle Schwimmtrainer selbst seit dem vergangenen Frühjahr keine Ausbildung mehr hätten absolvieren können. Die Folge: Einer erhöhten Nachfrage nach Kursen stehen keinesfalls mehr, eher weniger Ehrenamtliche gegenüber, welche das Schwimmtraining leiten können.

Wie kann dieser Rückstau aufgelöst werden? Das könne die DLRG „nicht alleine kompensieren“, sagt Rohe. Sie glaubt, viele Kinder würden zunächst ein Jahr später schwimmen lernen. Zugleich betont Rohe, in Dinklage wolle man mit den Eltern der Kinder zusammenarbeiten. Manche Übungen sollten schon zuhause gemacht werden, um Kursstunden im Schwimmbad effizient nutzen zu können.

Dazu könne gehören, den ersten Schritt der Ausbildung, die „Wassergewöhnung“ zuhause zu machen. Auch zusätzliche Öffnungszeiten, wie sie der Deutsche Schwimmverband einfordert, könnten ein Teil der Lösung sein, glaubt Rohe. Gespräche mit der Stadt Dinklage in dieser Sache stünden aber noch aus.

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