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Eine Frechheit oder praktische Lösung?

Gästebuch: Im Unglücksfall Hilfe zu leisten, kann bei fehlender Kompetenz für Ärger sorgen. In einem solchen Fall keine Hilfe zu leisten, ist folglich nicht das Problem. Was war in Emstek passiert?

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Wer bei Unglücksfällen nicht Hilfe leistet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe verurteilt. Das Strafgesetzbuch nennt eine solche Tat „unterlassene Hilfeleistung“. Das klingt einfach.

Aber was ist mit dem Menschen, der im Eingangsbereich eines Supermarktes stürzt, sich Hals und Beine bricht und dringend Hilfe braucht. Der kann sich nicht vom Fleck bewegen und man kann ihn auch nicht wegtragen. So geschehen im Eingangsbereich eines Supermarktes in Emstek. Der verletzte Mensch liegt im Eingangsbereich und versperrt den Zutritt. Wie schlängele ich mich am besten vorbei, um meine Geschäfte im Geschäft zu erledigen? Eine Frechheit oder praktische Lösung?

Viel Schimpf und Schande ist ausgeschüttet worden über diejenigen Zeitgenossen, die ihren Einkauf unter solchen Umständen weiter ungestört erledigen wollten. Das sei eine Rücksichtslosigkeit sondergleichen, schimpften viele. Die besonders Empörten verglichen die Einkaufswilligen mit Gaffern, die sich entlang der Autobahn an Verletzten ergötzen, kurz ein Foto schießen und dann weiter brausen.

"Eine Dreiviertelstunde lang setzten die Kundinnen und Kunden ihren Einkauf fort und setzten Supermarkt vor Rücksichtnahme."Otto Höffmann

Doch ist das gerecht? Da liegt der verletzte Mensch zwischen Tür und Supermarkt und leidet. Das Rote Kreuz ist alarmiert. Man hofft auf schnelle Hilfe. Natürlich kann der Kunde oder die Kundin jetzt vor dem Supermarkt warten und hoffen, dass schnell professionelle Hilfe kommt. Oder man schlängelt sich vorbei. Denn – wie gesagt – bewegen darf man eine derart verletzte Person ohne Risiko nicht. Schließlich könnte Schlimmeres eintreten. Andere haben auch gefordert, die verletzte Person abzudecken, ein Tuch also als Sichtschutz aufzustellen. Aber hier ist doch keiner gestorben. Hier war jemand verletzt. Man brauchte Zeit. Die Menschen mit einem gebrochenen Arm im Eingangsbereich eines Supermarktes würde man ja auch nicht verdecken, verhüllen oder sonst wie vor den anderen verbergen.

Geschlagene 45 Minuten dauerte es, bis in Emstek professionelle Hilfe eintraf. Eine Dreiviertelstunde lang setzten die Kundinnen und Kunden ihren Einkauf fort und setzten Supermarkt vor Rücksichtnahme.

Der eigentliche Skandal ist aber doch, dass es mitten im Oldenburger Münsterland eine Dreiviertelstunde dauert, bis ein Rettungswagen kommt. Gottlob war es kein Herzinfarkt, Schlaganfall oder plötzlicher Herzstillstand, der hier zu behandeln war. Wie man als Bürgerin oder Bürger auf einen solchen Unglücksfall reagiert, sollte jeder selbst entscheiden. Niemand muss sich in übertriebener Betroffenheit ergehen. Und wenn ein Rettungswagen unterwegs ist, muss ich es nicht auch noch durch Behandlungsversuche verschlechtern. Also: keine unterlassene Hilfeleistung. Aber viel zu lange Wartezeit. Und künftig bitte ein paar Empörungsgrade weniger.


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