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Eine Corona-Erkrankung kann gravierende Spätfolgen haben

Das bedeutet beispielsweise, dass Sprache, Gedächtnis oder die Merk- und Handlungsfähigkeit beeinträchtigt sein können. Mit der Behandlung dieser Auswirkungen hat die Neuro-Reha-Vechta viel Erfahrung.

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Warnen vor neurologischen Corona-Spätfolgen (von links): Jörg Dommershausen (Reha-Manager und -Coach), Kathrin Billo und Stephan Benhamza (beide Euro-Reha-Vechta). Foto: Heinzel

Warnen vor neurologischen Corona-Spätfolgen (von links): Jörg Dommershausen (Reha-Manager und -Coach), Kathrin Billo und Stephan Benhamza (beide Euro-Reha-Vechta). Foto: Heinzel

Sars-CoV-2 heißt das Virus, Covid-19 ist die Erkrankung. So weit, so klar. Noch weitgehend unbekannt sind mögliche Spätfolgen auch eines milden Krankheitsverlaufes ohne Symptome. Denn auch dann können drohen neurologische Ausfälle wie nach einem Schlaganfall oder einem Schädel-Hirn-Trauma. 

Was das bedeutet, wissen die Mitarbeitenden der Neuro-Reha-Vechta aus ihrer täglichen Praxis. Die Sprache, das Gedächtnis, die Merk- und Handlungsfähigkeit, die Belastbarkeit, der Geschmack – kurz alle Exekutivfunktionen können beeinträchtigt sein. Exekutivfunktionen? Das meint alle kognitiven Fähigkeiten, die für die Kontrolle und Selbstregulierung des eigenen Verhaltens erforderlich sind. „Das Problem an neurologischen Erkrankungen ist, dass sie nicht immer sichtbar sind“, sagt Jörg Dommershausen von der Neuro-Reha-Vechta. „Durch Covid hat das Thema an Brisanz gewonnen“, fährt er fort, denn das Leben der Betroffenen ändere sich oft gravierend und grundlegend. Ihr altes, gewohntes Leben könnten sie nicht mehr fortführen.

Individuelle Therapien führen zu mehr Selbstständigkeit 

Hier hat die Neuro-Reha-Vechta mit Geschäftsführer Stephan Benhamza in Langförden viel Erfahrung. Die Einrichtung ist ein Reha-Zentrum für die neurologische Intensiv-Therapie von Menschen, die nach einer erworbenen Hirnschädigung an Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen sowie weiteren kognitiven und motorischen Veränderungen leiden. Kathrin Billo arbeitet dort als Case-Managerin und Jörg Dommershausen ist Reha-Manager, der Unfallopfer betreut. Es gehe ihnen darum, ihren Patienten den Eintritt in ein möglichst „normales“ Leben zu ermöglichen, und zwar beruflich und privat. Geregelt sind die Rahmenbedingungen im Sozialgesetzbuch und der UN-Behindertenrechtskonvention von 2008.

„Das Ziel ist es, dass man mit seinem Leben wieder klarkommt“, erklärt Dommershausen. Und um dabei einen nachhaltigen Behandlungserfolg zu erzielen, müsse die Therapie eine individuelle „Hilfe zur Selbsthilfe“ sein. 

Ohne genau Diagnose keine gute Therapie

Doch bevor über eine Therapie eine Teilhabe ermöglicht werden kann, muss die Krankheit erst einmal diagnostiziert werden. „Die Menschen schämen sich teilweise“ und versuchten ihre Symptome, welche oben beschrieben wurden, zu kaschieren, sagen die 3Experten. Daher seien 2 Dinge sehr wichtig: zum einen eine vernünftige Diagnostik und zum anderen eine größere Sensibilität in der Gesellschaft. Es sei wichtig, die Symptome frühzeitig zu erkennen und anschließend durch einen Facharzt eine Diagnose durchführen zu lassen.

„Es gibt immer ein vorgelagertes Ereignis“, sagt Jörg Dommershausen. Dabei kann es sich um einen Unfall oder eben eine Infektion handeln. Problematisch seien vor allem die Fälle, bei denen die Patienten dieses Ereignis auf den ersten Blick gut überstanden haben. In Bezug auf Covid-19, sagen die Experten, sei es anfangs – wie bei einer Grippe – noch normal, etwas schlapper zu sein. Dieser Zustand sollte aber nach einer Woche verschwunden sein.

2 bis 3 Wochen nach Krankheitsende müsse eine deutliche Verbesserung zu merken sein. Generell gelte für Betroffene, dass es wichtig sei, Mut zu fassen und sich nicht zu schämen. Mit seinen Symptomen solle man zu seinem Arzt gehen und dort klar sagen „Ich habe Angst, dass ich ein neurologisches Problem habe.“ Letztlich ordne dann der Facharzt eine Untersuchung an und erstelle einen Bericht mit Therapieempfehlung. Denn um eine solche Erkrankung richtig zu diagnostizieren, bedürfe es eines Spezialisten.

Bei neurologischen Ausfällen sofort zum Arzt gehen

Das betreffe natürlich auch die Behandlung. „Es braucht eine hohe Therapiefrequenz“, schildert Kathrin Billo die Herangehensweise, um den neurologischen Spätfolgen zu begegnen. Die „Reizwiederholungsdichte“ müsse hoch sein. Dabei gehe es  auch darum, die Neuroplastizität zu nutzen, um Nervenstränge umzubauen und umzustrukturieren. Die Case-Managerin vergleicht dies mit einer unterbrochenen Stromleitung, die durch die Therapie wiederhergestellt wird. Dafür bedarf es einer straff strukturierten Therapie, die aber auch einiges an Eigenleistung des Betroffenen erfordert. Je eher die Krankheit erkannt werde, desto bessere Heilungschancen gebe es. 

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