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Ein Wohnwagen wird zur guten Grillstube

Koch Mores Aad aus Visbek lebt seinen Traum: Der syrische Flüchtling hat sich in Vechta mit einem Imbiss selbstständig gemacht.

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Vom Wohn- zum Imbisswagen: Das Campinggefährt wurde aus den Niederlanden exportiert und umgebaut. Foto: Ferber<br>

Vom Wohn- zum Imbisswagen: Das Campinggefährt wurde aus den Niederlanden exportiert und umgebaut. Foto: Ferber

Mores Aad ist kein Typ, der in der Küche Gas gibt. Der Visbeker setzt auf Grillkohle. Spezielle Grillkohle. Die verleihen seinen Spezialitäten - ob nun Hähnchenspieß, Lammfleisch oder Aubergine - eine besondere Duft- und Geschmacksnote. Wer braucht da Currywurst oder Bulette?

2015 nach Deutschland gekommen

Doch die Zubereitung seiner Speisen ist nicht die einzige Besonderheit, die der 46-Jährige zu bieten hat. Dass es Mores Grill seit Anfang des Jahres Beim alten Flugplatz 15 in einem Vechtaer Gewerbegebiet gibt, ist keine Selbstverständlichkeit. Denn Mores Aad stammt aus syrischem Kriegsgebiet, aus Homs, kam 2015 im Zuge der "großen Welle" nach Deutschland, später nach Visbek. Dort lernte er Franz-Josef Lamping von der Flüchtlingshilfe kennen. "Er hat damals bei mir gewohnt", erklärt Lamping. "Dann konnte seine Familie nachkommen und wir haben eine Wohnung in Visbek gefunden."

Seine Heimat musste Mores Aad verlassen, seinen Traum aber hat er mitgenommen. "Die meisten seiner syrischen Freunde haben Arbeit gefunden, als Lkw-Fahrer, Schweißer oder haben bei Amazon angefangen. Mores hatte immer den Traum, er will ein eigenes Restaurant haben. Er hat verschiedene Praktika in Restaurants gemacht, aber da war keiner bereit, ihn vernünftig anzustellen", berichtet Franz-Josef Lamping. Dabei habe er in Syrien selbst ein Restaurant gehabt, zudem 25 Jahre als Koch im Libanon gearbeitet, ergänzt Mores Aad, zweifacher Vater, für den Ehefrau Nawal Malaab (35) zwischendurch die Übersetzung übernimmt.

Die zart-gegrillten Hähnchenspieße zählen zu seinen Favoriten: Franz-Josef Lamping (hinten) verbindet einen Besuch in Mores Grill meist mit einem Essen. Inhaber Mores Aad (vorne) hat aber noch mehr Speisen zur Auswahl. Foto: FerberDie zart-gegrillten Hähnchenspieße zählen zu seinen Favoriten: Franz-Josef Lamping (hinten) verbindet einen Besuch in Mores Grill meist mit einem Essen. Inhaber Mores Aad (vorne) hat aber noch mehr Speisen zur Auswahl. Foto: Ferber

Es habe ihn stets beeindruckt, schildert Franz-Josef Lamping, dass Mores Aad immer davon gesprochen habe, dass er etwas Eigenes haben wolle - auch wenn alle anderen ihn ein bisschen belächelt hätten. "Er hat mir immer Bilder auf seinem Handy gezeigt, wie man Essen zubereiten, was man alles machen kann."

Stellplatz bei einem Lebensmittelhändler

Eines Tages habe sich dann die Möglichkeit ergeben, einen Wohnwagen aus Holland zu bekommen. Der wurde in Eigenregie entsprechend umgebaut, mit Grill, Fritteuse und anderem Küchen-Equipment ausgestattet. In unmittelbarer Nähe eines Vechtaer Lebensmittelhändlers fand sich ein mietbarer Stellplatz - inklusive Parkmöglichkeiten für die Gäste.

Die stammen im Übrigen vorwiegend aus den umliegenden Firmen und Betrieben, aber auch - dank Mund-zu-Mund-Propaganda - mittlerweile aus Dinklage oder Lohne. Für Ortsunkundige indes liegt Mores Grill ziemlich versteckt. Zu den Öffnungszeiten - Montag bis Samstag von 11 bis 20 Uhr - sind indes auch Bestellungen als Selbstabholer möglich.

Erst wenn die Grillkohle die richtige Temperatur hat, kommen die Spieße zum Einsatz – die Schutzhandschuhe die ganze Zeit. Foto: FerberErst wenn die Grillkohle die richtige Temperatur hat, kommen die Spieße zum Einsatz – die Schutzhandschuhe die ganze Zeit. Foto: Ferber

Die Speisekarte - im Imbisswagen hängt sie auf Deutsch und Arabisch aus - ist überschaubar gehalten, bietet neben gegrillten Hauptgängen auch Sandwiches und Vorspeisen wie den Humusteller. Alles werde frisch zubereitet, versichern Mores Aad und Franz-Josef Lamping, die beide von einer sehr guten Unterstützung durch das Jobcenter auf dem Weg in die Selbstständigkeit sprechen.

Neuerdings verfügt Mores Grill auch über ein Vordach, zudem soll der ganze vordere Bereich noch geschlossen werden, "sodass die Leute auch im Winter hier sitzen können", erklärt Franz-Josef Lamping. Dabei gelten die üblichen coronakonformen Abstandsregeln, drinnen zudem Mund-Nasenschutz. Das Aroma der Grillkohle lässt sich aber auch damit erschnuppern.

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