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Ein Volksfest im Wandel der Zeit: So feierte man 1985 die Carumer Kirmes

In Bakum findet an diesem Wochenende wieder der "lüttge Stoppelmarkt" statt. Der Heimatverein zeigt bei Youtube alte Aufnahmen der Kirmes und erklärt, wie die Tradition entstanden ist.

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Damals: Der Carumer Pastor Engelbert Frilling (Bildmitte) war – wie hier 1985 – bei jeder Kirmes dabei. Auch <br>Bürgermeister Hermann Rauber (hinter Frilling) hat während <br>seiner langjährigen Amtszeit die Carumer Kirmes gerne  begleitet. Archivfoto vom Heimatverein: Zurborg

Damals: Der Carumer Pastor Engelbert Frilling (Bildmitte) war – wie hier 1985 – bei jeder Kirmes dabei. Auch
Bürgermeister Hermann Rauber (hinter Frilling) hat während
seiner langjährigen Amtszeit die Carumer Kirmes gerne begleitet. Archivfoto vom Heimatverein: Zurborg

1600 Schafe, 346 Schweine, 114 Kühe und 32 Pferde gab es auf dem Viehmarkt in Carum 1893 zu erwerben. Tanzen oder ein Ritt auf dem "Wilden Esel" (einer Schaukel mit Längssitzen) waren erst ab 1896 erlaubt. Mehr als 100 Jahre später wird in dem Ortsteil der Gemeinde Bakum immer noch getanzt – vom 6. bis zum 8. August (Samstag bis Montag) veranstaltet der Kulturverein Carum auf dem St. Johannes Platz wieder Kirmes. Die Tradition knüpft an den Viehmarkt an, heutzutage wird mit Hüpfburg, Autoscooter, Karussell, Dosen werfen und DJ Blake gefeiert.

Über das historische Wissen zum Fest verfügt Hubert Kröger. Als Vorstandsmitglied im Bakumer Heimatverein ist er für alles verantwortlich, was Medien und Digitalisierung angeht. Als das Fest 2020 ausfallen musste, hat er aus altem Film- und Bildmaterial eine Dokumentation über die Kirmes 1985 gemacht. Daraus lässt sich zum Beispiel erfahren, dass die Carumer Kirmes auch "lüttge Stoppelmarkt" genannt wurde, weil sie traditionell ein Wochenende vor dem Stoppelmarkt stattfindet. Ein Video vom Stoppelmarkt 1974 ist unter den zahlreichen Videos des eigenen Youtube-Kanals des Heimatvereins.

Wer sich im Video als Kind entdecken kann, besucht wahrscheinlich nun mit eigenen Kindern die Kirmes

Das Material aus Carum stammt von alten Super-8-Filmen des Vestruper Pfarrers Josef Mayhaus, berichtet Kröger. "Er war ein leidenschaftlicher Hobby-Filmer und Fotograf, der bis zu seinem Lebensende alle technischen Entwicklungen mitgemacht hat." Sein riesiges Archiv von Videokassetten, Super-8-Filmen und Diafilmen ging in den Besitz des Heimatvereins über. "Wir haben den Inhalt aus 15 großen Umzugskisten jetzt auf einem digitalen Server."

Ein Rückblick auf das Jahr 2007 zeigt das Organisationsteam um Marlies Aschern während der Kirmeseröffnung. Unvergessen bleibtbrder langjährige Festwirt Josef Schnecki“ Grave (vorne, zweiter von rechts). Archivfoto vom Heimatverein: RosenbaumEin Rückblick auf das Jahr 2007 zeigt das Organisationsteam um Marlies Aschern während der Kirmeseröffnung. Unvergessen bleibt
der langjährige Festwirt Josef „Schnecki“ Grave (vorne, zweiter von rechts). Archivfoto vom Heimatverein: Rosenbaum

Für die damalige Zeit bot das Schmalfilm-Format eine gute Qualität, heute ist es eine Reise in die Vergangenheit. "Wer im Video als Kind zu sehen ist, besucht wahrscheinlich jetzt mit seinen Kindern die Kirmes", sagt Heimatvereinsvorsitzender Franz-Josef Göttke als Sprecher im Video. Angereichert sind die Videoaufnahmen durch aktuellere Fotos von Georg Rosenbaum und Bilder aus dem Bestand des früheren Fotografen der Oldenburgischen Volkszeitung, Heinz Zurborg, erläutert Kröger.

„Das Fest ist viel bescheidener als der Stoppelmarkt, aber es hat seine Berechtigung.“Hubert Kröger

Der 71-jährige Rentner freut sich, dass mit dem Kulturverein nun jüngere Leute die Tradition der Carumer Kirmes weiterführen wollen. "Das Fest ist viel bescheidener als der Stoppelmarkt, aber es hat seine Berechtigung. Die Geselligkeit und Atmosphäre stehen im Vordergrund", schwärmt der EDV-Spezialist. In seiner ehrenamtlichen Tätigkeit nutzt er die Neuen Medien, um historische Momente aus Bakum und umzu mit der breiten Öffentlichkeit zu teilen.

Mit Erfolg: Ein Video über Hausschlachtungen im vorigen Jahrhundert wurde fast 75.000 Mal angeschaut. Mit den Trends der Zeit zu gehen und auch als Heimatverein Facebook und Instagram für die Öffentlichkeitsarbeit zu nutzen, rentiert sich für die Bakumer. "Ein 15-Jähriger wird nicht Mitglied des Heimatvereins, weil er ein Video von uns auf Instagram sieht", ist sich Kröger bewusst. Aber die Reichweite und das Interesse in den sozialen Medien seien groß. Und von den fast 700 Mitgliedern würden mittlerweile auch immer mehr der jüngeren Generation ab 30 Jahren angehören.

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