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Ein verdienter Ehrentag

Kolumne: Batke dichtet – Am 5. Oktober war Welttag der Lehrerinnen und Lehrer. Anlass für ein Plädoyer fürs Paukertum, findet der Autor, der einst selbst 4 Semester in diese Richtung studierte.

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Scheint ein wenig untergegangen zu sein im allgemeinen Trubel um Ampel, Nobelpreise und explodierende Energiekosten, aber trotzdem sollten wir kurz innehalten und ein Ereignis würdigen, das uns alle angeht: Am 5. Oktober war nicht nur der Welt-Seifenblasentag, sondern auch der Welttag der Lehrerinnen und Lehrer – ausgerufen von der UNESCO, immerhin schon seit 1994.

Nicht, dass Sie jetzt denken, die Pädagogen hätten an diesem Tag frei gehabt und die Schule schwänzen können. Nein, die knapp 800.000 Lehrkräfte, die in Deutschland unterrichten, haben – so sie dazu in der Lage waren – routiniert und mutmaßlich motiviert ihren Dienst versehen. Was schwierig genug ist in pandemischen Zeiten, wie auch eine in diesen Tagen veröffentlichte DAK-Studie zeigt. Demnach äußerten 90 Prozent der Lehrkräfte, dass ihre Arbeit unter Corona-Vorzeichen insgesamt schwieriger geworden sei. Bedingt durch das Durchsetzen der verordneten Maßnahmen, den Ausfall von Kollegen und dem eigenen Gesundheitsschutz. 28 Prozent der Befragten berichteten von Symptomen ausgeprägter Erschöpfung.

"Faule-Säcke-Gerede“ ist Quatsch

Der Lehrerberuf hat einen besonderen Tag im Kalender verdient, das steht für mich außer Frage. Das "Faule-Säcke-Gerede" ist Quatsch, auch wenn es vor 25 Jahren von einem späteren Bundeskanzler salonfähig gemacht wurde. Lehrerinnen und Lehrer sind Säulen der Gesellschaft, kaum ein anderer Beruf hat eine ähnlich beeinflussende Strahlkraft. Wenn es gelingt, den alten Seneca-Spruch "Non vitae sed scholae discimus" ("Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir") zu widerlegen, ist der Bildungsauftrag idealerweise erfüllt.

Für viele ist und bleibt der Lehrer- ein Traumberuf. Ich habe selbst 4 Semester in diese Richtung studiert und nach einem 6-wöchigen Praktikum entschieden, dass der Kelch meines Lehrerseins an potenziellen künftigen Schülergenerationen vorbeizugehen hat. Ein weiser Entschluss. Umso mehr gilt mein Respekt jenen Lehrkräften, die mit Elan, Engagement und ruhig auch mit einer gesunden Portion Sendungsbewusstsein ihre Arbeit verrichten und nicht nur als Job begreifen.

"Der Musikkurs – obwohl samstags in der 5. Stunde – war fortan ausgebucht. Ein Chor der guten Laune."Alfons Batke

Vielleicht ist es Altersmilde, vielleicht auch einfach nur ein verklärender sentimentaler Blick zurück: Ich erinnere mich unter dem Strich gern an meine Pauker, die mitunter auch mit launigen Klassenbuch-Eintragungen wie "Starfighter stören den Unterricht" oder "Batke sitzt auf fremdem Fahrrad und klingelt" glänzten oder wie einer meiner Musiklehrer mit stoischem Pragmatismus agierte: Als der Musicus merkte, dass er mit den Geheimnissen des Dominantseptakkords oder dem Wesen der Fuge auf taube Ohren stieß, setzte er sich ans Klavier und brachte uns Küchenlieder wie "Mariechen saß weinend im Garten" oder "Sabinchen war ein Frauenzimmer" näher. Ein durchschlagender  Erfolg: Der Musikkurs – obwohl samstags in der 5. Stunde – war fortan ausgebucht. Ein Chor der guten Laune. Manchmal kamen sogar Mitschüler, die eigentlich Physik hatten.


Zur Person:

  • Alfons Batke (65) blickt auf eine über 40-jährige journalistische Laufbahn zurück. Er lebt in Lohne.
  • Den Autor erreichen Sie unter redaktion@om-medien.de

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