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Ein Überholvorgang mit schweren Folgen

Kolumne: Recht hat, wer Recht bekommt – Nach einem schweren Unfall stand ein junger Fahrer jetzt vor Gericht. Der Angeklagte hatte ein Ehepaar schwer verletzt – und entschuldigte sich in aller Form.

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Vor dem Jugendgericht des Amtsgerichts Vechta gab es aktuell eine Verhandlung über einen schweren Verkehrsunfall, der die Folgen und Auswirkungen für die Beteiligten mehr als deutlich machte.

Am 27. Dezember 2021 um 18.30 Uhr ereignete sich der Unfall auf der Bundesstraße 214 zwischen Holdorf und Steinfeld. Es gab Schwerverletzte und ein mustergültiges Verhalten des Verursachers sowie Zeugen, die noch lange an den Tag denken werden.

Unfallhergang: Der heute 20-Jährige beschönigte nichts

Ein zu der Zeit 19-jähriger Mann hatte in Holdorf eingekauft und war auf der Fahrt nach Steinfeld. Vor einer langgestreckten Rechtskurve überholte er einen Sattelzug, einen VW-Lieferwagen und einen weiteren Sattelzug, die alle drei um die 60 bis 80 Stundenkilometer jeweils im Abstand von  50 Metern unterwegs waren, und prallte dann frontal mit dem aus der Gegenrichtung kommenden Personenwagen zusammen, der mit einem Ehepaar besetzt war. Der überholende Angeklagte wurde mittelschwer, das Ehepaar schwer verletzt. Der Sachschaden belief sich auf weit mehr als 20.000 Euro. Die Straße wurde mit Schlagabfällen verschmutzt. Alle Beteiligten waren zur Verhandlung als Zeugen geladen und kamen auch, ein Fahrer war sogar aus Rumänien angereist.

Der Verursacher beschönigte nichts, er erklärte in seiner Aussage, dass er die Strecke gekannt und gedacht habe, dass er den Sattelzug, das letzte Fahrzeug, habe überholen können. Es sei um 18.30 Uhr dunkel gewesen und er habe nicht gedacht, dass vor dem Sattelzug noch zwei Autos fuhren und er daher nicht würde einscheren können. Da habe er plötzlich die Scheinwerfer des entgegenkommenden Personenwagen gesehen, habe versucht, auf die Berme auszuweichen, dabei aber auch die Mauer eines angrenzenden Bauernhofs gesehen.

Der junge Autofahrer nahm kurz nach dem Unfall Kontakt zum Paar auf

Dieser Unfallhergang wurde von allen Beteiligten als Zeugen bestätigt, die allerdings darauf hinwiesen, dass man vor einer solchen Rechtskurve, die in eine Linkskurve überging, überhaupt nicht hätte überholen dürfen. Der junge Autofahrer, der nicht so schwer verletzt wurde, nahm gleich nach den ersten Tagen Kontakt zu dem verletzten Ehepaar auf. Er schrieb der im Krankenhaus befindlichen Frau einen Brief und in der Verhandlung sprach er das Ehepaar an, entschuldigte sich in aller Form für sein Verhalten, das er erst im allerletzten Moment habe kommen sehen. Die Ehefrau hatte 2 Monate im Rollstuhl verbringen müssen, der Ehemann und Fahrer erklärte, dass er noch immer noch arbeiten könne.

Rein rechtlich gesehen sah die Staatsanwaltschaft eine Straßenverkehrsverletzung und eine fahrlässige Körperverletzung des Angeklagten und zog den Führerschein des Mannes im Mai dieses Jahres ein. In der Beurteilung eines Urteils gegen den jetzt 20-Jährigen waren sich der Staatsanwalt, der Verteidiger des Angeklagten und die Jugendrichterin schnell einig. Der junge Mann wurde wegen der Straßenverkehrsgefährdung, der fahrlässigen Körperverletzung als Heranwachsender nach dem Jugendrecht zu 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Der mögliche Erlös von 800 Euro ist an die schwer verletzte Frau als Schmerzensgeld zu zahlen. Zugleich erhielt der Angeklagte ein Fahrverbot von 3 Monaten, das durch die erfolgte Einziehung des Führerscheins allerdings erledigt war.


Zur Person:

  • Klaus Esslinger ist Gerichtsreporter und war viele Jahre Lokalchef der Oldenburgischen Volkszeitung.
  • Kontakt zum Autor erhalten Sie per E-Mail an redaktion@om-medien.de.

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