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Ein Tag in der Welt von Dungeons and Dragons

Durch die Serie "Stranger Things" hat das Spiel in den vergangenen Jahren an Bekanntheit gewonnen. Auch im Oldenburger Münsterland wächst das Interesse.

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Abgeteilt durch den "DM-Screen": Als Spielleiter beschreibt Mattes Pekeler die Welt und das Geschehen. Die Spieler reagieren dann darauf. Foto: E. Wenzel

Abgeteilt durch den "DM-Screen": Als Spielleiter beschreibt Mattes Pekeler die Welt und das Geschehen. Die Spieler reagieren dann darauf. Foto: E. Wenzel

Die Karte wird ausgerollt, die Würfel ausgepackt, die passende Musik läuft – der Spielleiter Mattes Pekeler beginnt gleich seine Dungeons-and-Dragons-Runde. Was für einige nach Fremdsprache klingt, wird bei anderen pure Begeisterung ausgelöst haben. Das Fanstasy-Rollenspiel hat besonders in den letzten Jahren an Aufmerksamkeit gewonnen. Durch Serien wie "Stranger Things" wurde es aus Nerd-Kreisen erhoben und zu einem bekannten Hobby gemacht. Dabei existiert das "Pen-and-Paper"-Spiel seit 1983. Auch im Oldenburger Münsterland ist das Spiel schon lange angekommen. 

Die 7-köpfige Gruppe um Pekeler trifft sich alle 2 Wochen, um ihre "Kampagne" fortzuführen. Die Mitglieder kommen dabei nicht nur aus Vechta – auch ein Linderner spielt mit. "Es geht hauptsächlich darum, eine Geschichte zu erzählen", erklärt Hauke Bremer, der das Spiel schon seit mehr als 10 Jahren kennt und zurzeit in 2 Gruppen mitspielt. Deswegen handle es sich bei "DnD" weniger um ein Spiel, als ein Spielsystem. Der Aufbau ist immer gleich: Es gibt eine Gruppe Spieler und einen Spielleiter, der die Spieler durch eine mittelalterliche Welt führt. Dort müssen sich die Spieler gegen andere Charaktere oder Monster beweisen – wie etwa Drachen oder den Demogorgon aus Stranger Things.

Statt 3D-Druck: Hauke Bremer hat sich Miniatur-Figuren der Monster selbst gebastelt. Foto: E. WenzelStatt 3D-Druck: Hauke Bremer hat sich Miniatur-Figuren der Monster selbst gebastelt. Foto: E. Wenzel

Eine Runde beginnt immer damit, diese Welt zu beschreiben. "DnD spielt sich hauptsächlich in der Vorstellungskraft ab", erklärt Bremer: "Wenn man das mit einem Computerspiel vergleichen möchte, ist es im Prinzip genau das, nur ohne den Computer." Der Spielleiter, auch Dungeonmaster genannt, ersetzt dann den Algorithmus, der das Spiel erstellt. In der aktuellen Runde ist der "DM" Mattes Pekeler.

Wie aufwändig er das Spiel gestalten will, kann er selbst entscheiden. So plant Pekeler für seine Runde bald ein "Upgrade". Er hat sich vor rund einem halben Jahr einen 3D-Drucker gekauft, mit dem er nun Terrains, Monster und Miniatur-Figuren der Spieler erschaffen kann. Damit sei dem reinen Spiel in der Vorstellungskraft – von Mattes Pekeler als "Theater of mind" bezeichnet – zum Teil ein Ende gesetzt. Durch die Miniatur-Figuren werden Spielszenen wie Kämpfe übersichtlicher. Sie können ganz einfach auf eine Landkarte gesetzt werden, um Distanzen und Positionen darzustellen. 

Die Charaktere der Spieler sind frei wählbar. Sie werden auf sogenannten Character Sheets festgehalten – samt Stärken, Schwächen, Eigenschaften und Hintergrundinformationen. Hier kommt auch der Name "Pen an Paper-Spiel" her. An sich benötigt man für DnD nur das: Stift und Papier. Und Würfel. Denn das Würfelglück ist entscheidend. Wollen die Charaktere eine Aktion starten – etwa einen Drachen angreifen oder einen Tavernenstreit beginnen – müssen sie darum würfeln, wie gut sie die Aktion ausführen. Und da reicht nicht der klassische 6-seitige Würfel, sondern ganze Sets müssen her. Meist kommen 20-seitige Würfel ins Spiel. Würfelt ein Spieler bei einer Attacke eine 20, fällt der Angegriffene aus den Latschen, würfelt er eine 1, schlägt er sich wahrscheinlich selbst ins Gesicht.

Der Reiz am Geschichten-Erzählen

Durch das Sammelsurium an Würfeln entwickelt sich bei DnD-Spielern auch gerne mal eine Sucht zum Würfelkaufen, fällt einem bei einem Blick auf den Spiel-Tisch in Pekelers Runde auf. Aber nicht das Technische mache das Spiel so beliebt, sondern das Kreative: "Was mir an DnD gefällt, ist, dass man eine Geschichte zusammen schreiben kann" – und dass ohne ein Buch schreiben zu müssen, erklärt Bremer.

Auch Pekeler und seinen Mitspieler Corvin Jeltsch-Meszaros reizt das Geschichten-Erzählen. Dabei geht in die Vorbereitung einer Session meist ordentlich Zeit. Mattes Pekeler hat als Spielleiter der aktuellen Runde eine eigene Welt erschaffen, verschiedene Charaktere, die mit den Spielern interagieren und eine grobe Geschichte, die die Spieler durchspielen können. Das Einzige, das er nicht kontrollieren kann, sind die Spieler.

Mattes Pekeler bereitet seinen 3D-Drucker für den Druck vor.  Foto: E. Wenzel
Die DnD-Gruppe benutzt beim Spielen mittlerweile digitale Character Sheets. So haben sie einen Überblick über alle Eigenschaften und Änderungen. Foto: E. Wenzel
Bei einer Attacke würfelt Corvin Jeltsch-Meszaros aus, wie erfolgreich sein Angriff sein wird. Foto: E. Wenzel
Die Gruppe um Mattes Pekeler (rechts) trifft sich fast wöchentlich, um ihre Kampagne weiterzuspielen. Foto: E. Wenzel
Mattes Pekeler bearbeitet seine gedruckten Miniatur-Figuren, um sie danach anmalen zu können. Foto: E. Wenzel

Es kann frustrierend sein, wenn man 10 Seiten Story vorbereitet hat, und die Spieler das Spiel in eine komplett andere Richtung lenken, gibt er zu. Er erinnert sich noch an eine Runde, für die er ein ganzes Tunnelsystem ausgearbeitet hat – die Charaktere sind dann einfach vorbeigelaufen. "Das gehört aber dazu", weiß er. "Als DM musst du improvisieren können", ergänzt Jeltsch-Meszaros, der selbst Gruppen geleitet hat. 

Das Herz des Spiels stamme jedoch ohnehin nicht von der Vorbereitung, sondern vom Rollenspiel. Das ist für neue Spieler auch meist die größte Hürde, erklärt Bremer. Sich vor neuen Personen zu öffnen und zu schauspielern, fällt vielen nicht leicht, weiß auch Ann-Katrin Wernke, die vor einem Dreivierteljahr auf die Gruppe gestoßen ist. Dazu kommt aber auch die Wucht an Informationen, die neue Spieler erlernen müssen. Wernke spielt zurzeit einen Hexenmeister. Die schiere Menge an Zaubersprüchen sei definitiv eine Herausforderung. Mit der richtigen Gruppe sei das aber kein Problem, beruhigt sie.

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