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Ein Stolperstein für einen Menschen mit Rückgrat

Vor der katholischen Kirche St. Ludger in Neuscharrel erinnert seit Mittwochabend ein Stolperstein an Pfarrer Heinrich Fresenborg, der für seine Kritik an den Nazis ins Konzentrationslager Dachau kam.

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Gunter Demnig, der die europaweite Stolperstein-Aktion vor über 25 Jahren ins Leben rief, verlegt den Stolperstein für Heinrich Fresenborg vor dem Eingang der St.-Ludger-Kirche in Neuscharrel. Foto: Stix

Gunter Demnig, der die europaweite Stolperstein-Aktion vor über 25 Jahren ins Leben rief, verlegt den Stolperstein für Heinrich Fresenborg vor dem Eingang der St.-Ludger-Kirche in Neuscharrel. Foto: Stix

Ein Stolperstein vor dem Eingang der St.-Ludger-Kirche in Neuscharrel erinnert seit Mittwochabend an den früheren Neuscharreler Pfarrer Heinrich Fresenborg. Er war am 18. September 1941 von der Gestapo verhaftet worden, weil er mit deutlichen Worten die Euthanasiemaßnahmen der Nazis verurteilte und sie als das bezeichnete, was sie waren: Mord. Bis zum 28. März 1945 saß der Geistliche dafür im Konzentrationslager Dachau in der Lagerbaracke 26, dem sogenannten Priesterblock.

Der vom Heimatverein Neuscharrel in Auftrag gegebene Stein für Heinrich Fresenborg ist Teil der von dem Künstler Gunter Demnig in den 1990er Jahren ins Leben gerufenen Stolperstein-Aktion, mit der die Erinnerung an Verfolgte und Opfer des NS-Regimes wach gehalten werden soll. "Fresenborg gehört zweifelsohne zu den in diesem Sinne denkwürdigen Personen", betonte Werner Fuhler vom Heimatverein bei seiner Begrüßung.

Der Stolperstein erinnert an Pfarrer Heinrich Fresenborg, der wegen seiner deutlichen Kritik an der Euthanasiepolitik der Nazis verhaftet und ins KZ Dachau gebracht worden war. Foto: StixDer Stolperstein erinnert an Pfarrer Heinrich Fresenborg, der wegen seiner deutlichen Kritik an der Euthanasiepolitik der Nazis verhaftet und ins KZ Dachau gebracht worden war. Foto: Stix

Das unterstrich auch Karl Sieverding, der dem gleichen studentischen Verband angehört, bei dem auch Fresenborg Mitglied war. In Zeiten, in denen dunkle Wolken am Himmel der katholischen Kirche aufgezogen sind, sagte er, sei es wohltuend, "wenn Geistliche als Vorbilder für Mut, Zivilcourage und Humanität ins Feld geführt werden können".

Der Friesoyther Bürgermeister Sven Stratmann bezeichnete die Installation des 1. Stolpersteins im Stadtgebiet als "besonderen Moment". Fresenborg habe Haltung bewiesen und sei damit ein Vorbild. "Wir brauchen Menschen mit Rückgrat", betonte er.

Auch Pastor Christoph Winkeler unterstrich für die katholische St.-Marien-Gemeinde Friesoythe die Standhaftigkeit Fresenborgs. In einer Zeit, in der man die Existenz Gottes gut hätte bezweifeln können, so Winkeler, habe Fresenborg den Mut gehabt, sich zu Gott und den Menschen zu bekennen. "Das ist Grund genug", sagte Winkeler, "seiner zu gedenken und den Stein zu setzen."

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