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Ein "Outing" für Füchtels Orgel

Kolumne: Auf ein Wort – Wussten Sie, dass in der Klosterkirche eine digitale Orgel steht? Doch nicht irgendeine, sondern eine ganz besondere.

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Etliche wissen es. Viele ahnen es. Nun soll endlich für alle die Wahrheit auf den Tisch! (Vergleich Johannes 8, 32b) Wer bei einem Besuch der Füchteler Dominikanerkirche den Blick schweifen lässt, der entdeckt irgendwann einen schön gestalteten Orgelprospekt. Zugegeben, mit dem Prospekt der Passauer Domorgel kann er es nicht aufnehmen. Aber er umfasst immerhin 37 echte Orgelpfeifen unterschiedlicher Größe in ansprechendem Gehäuse.

Die Wahrheit ist: Dieser Orgelprospekt ist "fake"! Die Pfeifen sind – wenn diese Anleihe erlaubt ist – potemkinsche Pfeifen, die eine Pfeifenorgel vortäuschen, wo es keine Pfeifenorgel gibt. Hinter der Fassade verbirgt sich eine Batterie von Lautsprecherboxen, die das, was die Organisten in Manuale und Pedal des Spieltisches hineingeben, erklingen lassen.

Das Instrument, das den Gesang der Füchteler Gottesdienstbesucherinnen und -besucher seit mehr als dreißig Jahren auf wunderbare Weise begleitet hat, ist eine digitale Kirchenorgel! "Und das ist gut so!" (K. Wowereit)

Für echte Orgelpfeifen fehlt schlichtweg der Platz

Dem anspruchsvollen Vechtaer Publikum angemessen, ist es natürlich nicht irgendeine digitale Kirchenorgel. (Achtung: Werbeblock!) Es ist ein Produkt der "Allen Organ Company", welche in Pennsylvania/USA die feinsten digitalen Kirchenorgeln der Welt baut. Quasi ein "Rolls Royce" unter den digitalen Instrumenten (Ende des Werbeblocks!)

Bei vielen Produkten hat frau/man heute den Eindruck, dass sie schneller zum "alten Eisen" gehören als früher. Ein Smartphone ist 3 Jahre nach dem Kauf fast eine Antiquität. Bei der Spülmaschine lohnt sich angeblich nach 5 Jahren die Reparatur nicht mehr. Da sind dreißig Jahre zuverlässige musikalische Begleitung schon eine beachtliche Leistung. In letzter Zeit zeigte "Allen I" aber doch immer häufiger Schwächen. Sie verweigerte Töne und Register oder unterlegte die schönen Kirchenlieder mit unpassendem Brummen.

"Orgelprofis rümpfen bei elektronischen Orgeln schnell die Nase und behaupten, dass sie den Unterschied auf Meilen hören können."Pater Karl Gierse

So soll "Allen I" in den nächsten Wochen durch "Allen II" ersetzt werden. Die Dominikaner haben sich wieder für eine digitale Orgel entschieden, denn für eine "echte" Pfeifenorgel fehlt schlicht der Platz und – falls es den denn gäbe – das Geld! Orgelprofis rümpfen bei elektronischen Orgeln schnell die Nase und behaupten, dass sie den Unterschied auf Meilen hören können. Schau’n wir mal, was dreißig Jahre Fortschritt im digitalen Bereich und in der Lautsprecher-Technik bringen!

Wenn es nach "Allen Organ Company" geht, müssen Sie, liebe/r Leser/in, in Zukunft nicht mehr "wer weiß wohin" fahren, um eine Arp Schnitger-Orgel oder eine Cavaillé-Coll-Orgel zu hören. Das wird Ihnen alles vor Ort in Füchtel geboten! Herzliche Einladung! Der Eintritt ist frei! Spende erbeten!


Zur Person:

  • Karl Gierse ist Subprior des Vechtaer Dominikanerkonventes.
  • Er wirkt in verschiedenen Bereichen der Seelsorge in Vechta und im Oldenburger Land.
  • Kontakt: redaktion@om-medien.de

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