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Ein Musikverein möchte wieder zu hören sein

Kein großes Seekonzert, keine Auftritte, keine Einnahmen, kein persönlicher Kontakt: Die Corona-Krise wirkt sich vielfältig auf das Holdorfer Orchester aus.

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Musiker durch und durch: (von links) Maria Schulte, Jan Platte und Norbert gr. Schlarmann. Foto: Böckmann

Musiker durch und durch: (von links) Maria Schulte, Jan Platte und Norbert gr. Schlarmann. Foto: Böckmann

Sie sprechen über schöne Auftritte in der Vergangenheit. Sie blicken in die noch ungewisse Zukunft. Doch vor allem diskutieren sie über den Ist-Zustand. Und der ist wegen der Corona-Pandemie, daraus machen Jan-Nikolas Pille, Jan Platte, Maria Schulte und Norbert gr. Schlarmann keinen Hehl, ziemlich unbefriedigend.

Das Quartett gehört den Führungsgremien des Musikvereins Holdorf an. Bei Treffen in der Musikscheune wie an diesem Abend Anfang der Woche hätten sie mit ihren Mitgliedern nicht nur über organisatorische Aspekte gesprochen. Nein, sie hätten vor allem geprobt. Geprobt für rund ein Dutzend Auftritte auf größeren Veranstaltungen in diesem Jahr.

Doch die Corona-Krise hat das Vereinsleben des Orchesters, ausgerechnet im Jahr des 100-jährigen Bestehens auf den Kopf gestellt. Es gibt keine Auftritte, kein gemeinsames Üben. Der Probenraum sieht noch genauso aus wie beim letzten Treffen am 22. März. Die Situation sei in gewisser Weise "schon frustrierend", räumt der Vorsitzende Jan-Nikolas Pille ein.

„Ohne das Seekonzert fehlt jetzt der Punkt, auf den wir alle hingearbeitet haben."Maria Schulte, Notenwartin

Dabei wollte der Musikverein ab dem Frühjahr so richtig mit dem Konzertjahr 2020 durchstarten. Es waren ein Kaffeekonzert geplant und eine Schlagernacht, auch auf der Gewerbemesse Igeha wollte das Blasorchester spielen. Ab diesem Wochenende hätte der Verein in Fladderlohausen die Schützenfest-Saison mit insgesamt einem halben Dutzend Auftritten eröffnet.  Doch wegen Corona fällt nun alles flach. 

Der Musikverein hatte auch schon einige Stücke zur Aufführung  bereit, die das Ensemble auf dem großen Seekonzert Ende August  unter dem Motto „In 80 Tagen um die Welt" spielen wollte. "Es fehlt jetzt der Punkt, auf den wir alle hingearbeitet haben", sagt Notenwartin Maria Schulte mit Blick  auf das Highlight im Termin-Kalender. Einfach so zu Hause auf der Querflöte zu spielen, es falle ihr schwer.

Neuer Termin für das Seekonzert ist der 21. August 2021

Dazu kommt: Die Organisation für das Konzert am Kalksandsteinsee mit bis zu 1.500 Besuchern war durchaus aufwendig. Es gab ein Extra-Probenwochenende. Die Vorbereitungen für Catering, Strom, Sanitär und Werbung wurden eingefroren und werden nun für den geplanten neuen Termin am 21. August 2021 wieder aktiviert, sagt Norbert gr. Schlarmann vom zuständigen Ausschuss.

Den Musikern fehlen durch die Absage aller Auftritte allerdings nicht nur die Proben und das Gesellige danach, sondern vor allem auch Einnahmen. Die Gagen im hohen vierstelligen Bereich hatte der Verein fest eingeplant. Damit wollte er unter anderem die Kosten für die neuen Uniformen decken; fast 30.000 Euro sind in die Einheitskleidung für das rund 55 Personen große Ensemble geflossen. Trotz einiger Sponsoren und Zuschüsse fehlt nun Geld.

Er vermisst die gemeinsamen Auftritte: Trompeter Jan Platte. Foto: BöckmannEr vermisst die gemeinsamen Auftritte: Trompeter Jan Platte. Foto: Böckmann

Dass das Orchester vorübergehend nicht in voller Stärke auf Großveranstaltungen wird spielen können, davon gehen die Musiker aus. Aber zumindest wieder mit dem Register proben zu können, das wäre schön, findet Norbert gr. Schlarmann. Wie bei einer Teamsportart benötige auch ein Orchester "das Zusammenspiel, das Gefühl, Dinge zu interpretieren und zusammenzubringen. Wir müssen am Ball bleiben, sonst geht etwas verloren".

Verloren gehe durch die Isolation, durch die Kontaktbeschränkungen auch die soziale Komponente, sagt der 2. Vorsitzende Jan Platte. Sich über Videoformate auszutauschen sei in Zeiten wie diesen eine Abwechslung, aber nicht dasselbe wie das persönliche Gespräch. Die Musik sei für alle auch ein wichtiger Ausgleich zum Job. Musik mache glücklich, sagt Norbert gr. Schlarmann. Der Posaunist spricht das aus, was alle vier Musiker mit Blick auf die Zukunft denken: "Ich möchte endlich wieder in Wallung kommen." 

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