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Ein Kulturgut zum Reinbeißen

Kolumne: Batke dichtet – Wir schreiben den 30. September. Ein historischer Tag, denn es ist der "Tag des Butterbrots". Ein Grund, auf die eigenen vergangenen Jahrzehnte mit Butterbrot zurückzublicken.

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Regelmäßige Leser meiner Aufsätze monieren zu Recht, dass in den letzten Monaten das Kulinarische eindeutig zu kurz gekommen ist. Schließlich sei es doch ein Alltagsthema und durchgehend im Fernsehen präsent, gerade jetzt wieder mit "Das große Backen", meinte eine Leserin, und überhaupt: Als ich vor einiger Zeit von einer asiatischen Nudelpfanne schwärmte, habe sie es als Inspiration für die Zubereitung des abendlichen Gerichts genutzt.

Erwarten Sie jetzt bitte nichts im Stil von „Grill den Batke“, dafür verhalte ich mich in der Kitchen zu impossible. Immerhin, um das Backen im weitesten Sinn kreist das aktuelle Thema. Als diese Zeilen entstehen, schreiben wir den 30. September; es ist der "Tag des deutschen Butterbrots". Und ja, ich habe ihn schon gewürdigt, denn zum Morgenkaffee gab es zwei Stullen mit Käse und Schinken. Als ich zubiss, schoss mir die Frage in den Sinn, ob es im neuen Doppel-Wumms der Ampel auch Hinweise für eine Brotpreisbremse gibt. So ein Laib ist ganz schön teuer geworden.

„Freunde, Bekannte oder Kumpel kamen und gingen, das Butterbrot ist geblieben.“Alfons Batke

Sei's drum, das Butterbrot ist zu einem verlässlichen Lebensbegleiter geworden. Freunde, Bekannte oder Kumpel kamen und gingen, das Butterbrot ist geblieben. Keine Ahnung, was die Eltern heutzutage ihren Kindern morgens in die High-Tech-Schulranzen (Schaue gerade nach: So ein "Ergobag Cubo" kostet stattliche 219,90 Euro – sind die schon mit Navi oder Peilsendern ausgestattet?) stecken: Mama packte uns jeden Morgen zwei in Pergamentersatz eingeschlagene Butterbrote in den Tornister. Wenn es mit Plock- oder Schinkenwurst belegt war, war es eine gute große Pause morgens um halb zehn, gab es Marmelade, war es eher demotivierend für Latein, Mathe oder Reli.

Es ging ganz schön was durch an Stuten pro Woche, in unserer Großfamilie mit sechs Kindern wurde kräftig abgeschnitten. Es war noch nicht die Zeit der Brötchen, von Croissants oder Subway ganz zu schweigen und zugegebenermaßen nervte oft die Eintönigkeit, denn zumeist gab es auch am Abend Butterbrote. Immerhin: Etwas interessanter wurde es, als Nutella auf deutschen Broten seinen Siegeszug antrat. Derweil übte sich Haushund Kuno als Gourmet: Für ihn war es kein richtiger Tag, wenn er nicht sein Leberwurstbrot bekam.

Richtige "gute" Butter dazu gab es meist nur am Wochenende

Das Butterbrot, in einigen Landstrichen auch "Bütterken" oder "Knifte" genannt, ist aus unserem Leben nicht wegzudenken, es ist ein Kulturgut. Obwohl: Richtige "gute" Butter gab es bei uns meist nur am Wochenende. Sie kam natürlich dann besonders zur Geltung, wenn sie auf selbst gebackenen Stuten gestrichen wurde. Dazu einige Streifen vom geräucherten Schinken – lecker!

Keine Frage: Das deutsche Butterbrot hat einen Ehrentag verdient. Seinen Wert lernt man erst dann zu schätzen, wenn man im Ausland unterwegs ist. Spontan fällt mir dazu eine Interrail-Reise ein, die mich 1974 unter anderem nach London führte. Auf dem Bahnhof Euston aß ich das erste Sandwich meines Lebens. Es war ebenso geschmacksneutral wie klebrig und rief die Sehnsucht nach einem Butterbrot hervor. Am Rande sei noch angemerkt, dass der 30. September auch der "Tag des Kaugummis" ist. Irgendwie muss ich da an mein erstes englisches Sandwich denken.


Zur Person:

  • Alfons Batke blickt auf eine über 40-jährige journalistische Laufbahn zurück.
  • Der 66-Jährige lebt als freier Ruheständler in Lohne.
  • Den Autor erreichen Sie per E-Mail an redaktion@om-medien.de

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